Lade Inhalte...

Wetterau „Wir zahlen drauf“

Bereitschaftspflegemutter klagt über zu niedrige Vergütung.

Sie ist gerne Mutter. Nadine Junker (Name von der Red. geändert) hat zwei eigene, mittlerweile erwachsene Kinder und seit vier Jahren nimmt sie zusammen mit ihrem Mann auch Kinder in Pflege, zeitlich befristet. Die Junkers sind Bereitschaftspflegeeltern, sie leben im Ostkreis der Wetterau. Seit der Kreis die Vergütung für die Bereitschaftspflegemütter und -väter Anfang 2014 senkte, hat sich die Lage der Junkers verändert.

„Mit 35 Euro legen wir drauf, das ist mehr oder weniger soziales Engagement“, sagt die Mutter. In den ersten vier Wochen der Betreuung bekommt sie 70 Euro am Tag vom Kreis, in den darauffolgenden vier Wochen sind es noch 50 und ab der neunten Woche gibt es 35 Euro am Tag für die Pflege des Kindes. Einmalig gibt es laut Junker 100 Euro für die Erstausstattung und 100 Euro für Kleidung während der Zeit der Betreuung. Und die kann sich hinziehen. „Von vier Monaten bis open“, sagt Junker.

Die Kinder kommen in die Pflegefamilien, wenn das Jugendamt beim Kreis dessen Wohl als gefährdet ansieht, zum Beispiel weil ihre Eltern sie vernachlässigen oder misshandeln. Die Mutter des vierjährigen Jungen, der seit sechs Wochen bei den Junkers ist, sei psychisch krank, sagt die Pflegemutter. Sie warte auf einen Termin in der Tagesklinik.

Pauschale für Bereitschaft

Junker betont, dass sie nicht den Projektträger der Bereitschaftspflege, Petra aus Schlüchtern, kritisiere. „Die arbeiten sehr gut und sind fachlich kompetent.“ Aber die Vergütung sollte ihrer Meinung nach wieder angehoben werden. Dabei würden ihr 50 Euro am Tag reichen, wenn es zusätzlich eine Bereithaltepauschale gebe. Diese Pauschale würden die Pflegeeltern dann bekommen, wenn sie keine Kinder zur Pflege haben.

Zu den Voraussetzungen, um Pflegemutter oder -vater auf Zeit werden zu können, gehöre es, nicht berufstätig zu sein, sagt die Mutter. Man müsse ein eigenes Auto und ein Handy haben, im Haus müsse jederzeit ein leeres Zimmer zur Verfügung stehen. Im Wetteraukreis gibt es bisher noch keine derartige Pauschale.

Junker zufolge hat erst kürzlich eine Familie die Pflege aufgegeben, weil ihr die Vergütung zu gering war. „Wenn eine Familie sagt, dass ist ihr zu wenig, dann ist das legitim“, sagt Sozialdezernent Helmut Betschel (Grüne). Aber es stehe derzeit nicht zur Debatte, die Vergütung wieder anzuheben. Dass die Eltern drauflegen, „kann nicht sein“, so Betschel zur FR.

Zehn neue Pflegefamilien

In einer Pressemitteilung teilte der Kreis Ende März mit, dass zwei Familien die Bereitschaftspflege beendet hätten. Eine Familie betreue jetzt Kinder mit höherem Betreuungsbedarf und bekomme deshalb eine höhere Vergütung. „Eine weitere Familie ist jetzt für Pflegekinder aus Frankfurt tätig“, heißt es.

Allerdings seien seit Januar 2014 auch drei neue Familien hinzugekommen, die den aktuellen Bedarf abdecken würden. Und nicht nur das: Derzeit machen laut Mitteilung weitere zehn Familien ein Bewerberseminar, weil sie Bereitschaftspflegefamilien werden wollen. Das Seminar soll Anfang April abgeschlossen sein.

Auch Nadine Junker will weiterhin dabei bleiben. „Die Kinder können ja nichts dafür, dass der Kreis am falschen Ende spart.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen