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Wetterau Einsatz für Horlofftalbahn

Arbeitsgemeinschaft fordert, stillgelegte Verbindung schnell zu reaktivieren.

Endstation Södel: Seit 2003 fährt der Zug hier nicht weiter. Foto: Claudia Isabel Rittel

„Die Kuh muss vom Gleis!“, fordern die Mitstreiter der Arbeitsgemeinschaft Horlofftalbahn. Und mit dieser These schicken sie gleich zwei Appelle in die Welt. Erstens: Es sollen wieder Züge über die Bahnschienen zwischen Wölfersheim-Södel und Hungen im Landkreis Gießen fahren. Und zweitens: Es soll schnell gehen.

Seit zwölf Jahren ist die gut zehn Kilometer lange Strecke stillgelegt. Doch der Kampf dafür geht sogar schon länger. So hat sich die Vorgängerinitiative schon seit Anfang der 1990er Jahren gegen die bereits damals drohende Schließung eingesetzt. Die Folge: Die beiden betroffenen Kommunen Hungen und Wölfersheim sowie die Landkreise Wetterau und Gießen stellten damals der Bahn einen Diesel-Triebwagen zur Verfügung. Rund zehn Jahre lang sicherte das den Betrieb.

Es sei aber „im doppelten Sinne kein Gras über die Sache gewachsen“, betont die AG Horlofftalbahn in einer aktuellen Mitteilung. Außerdem haben Hungen und Wölfersheim 2011 die Schienen gekauft und halten sie weitestgehend von Bewuchs und Gras frei. Allerdings hat die Bahn weiterhin einen strategisch wichtigen Kilometer Strecke vor dem Bahnhof Hungen in ihrem Besitz, sagt Stephan Kannwischer, Sprecher der AG Horlofftalbahn.

„Nicht wenige sind früher nach Inheiden und andere Hungener Ortsteile gezogen, weil es hier eine Bahnanbindung ins Rhein-Main-Gebiet gab“, sagt Kannwischer. „Und einige bereuen nun ihre Entscheidung, Immobilien gekauft zu haben.“ Inheiden ist ein Stadtteil von Hungen und einer der beiden ehemaligen Zughalte zwischen Hungen und Wölfersheim. Der Ort hat rund 1200 Einwohner. Laut Kannwischer, der auch dort wohnt, fahren mindestens 70 Personen täglich Richtung Friedberg, Frankfurt oder in andere Orte im Wetteraukreis und Rhein-Main-Gebiet zur Arbeit. Von Wölfersheim-Södel, wo derzeit die Zugverbindung endet, gibt es Verbindungen, die in 45 Minuten den Frankfurter Hauptbahnhof erreichen.

Laut Kannwischer geht die AG davon aus, dass Zeit und Entwicklung des Ballungsraums für ihr Anliegen arbeiteten. Die Autobahnen und Straßen Richtung Frankfurt seien zu Stoßzeiten heillos überfüllt, argumentiert die AG.

Zum anderen sorge der Wohnungsdruck im Ballungsraum dafür, dass sich viele auch im weiteren Umland umschauten. „Viele verdienen nicht so viel, dass sie sich direkt im Speckgürtel von Frankfurt ein Häuschen kaufen können“, sagt Kannwischer. Sei der zeitliche Aufwand nicht zu groß, sei es für manch einen eine Option, sich auch in Hungen oder Wölfersheim niederzulassen. Da Wohnungsdruck und Verkehrsprobleme im Rhein-Main-Gebiet immer größer würden, spreche immer mehr für eine Reaktivierung der Strecke.

Überdies ist Kannwischer überzeugt: „Es hat einen Stimmungswandel bei der Kommunalpolitik und den Bürgern gegeben.“ Positiv sei auch, dass die derzeitige Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag folgendes festgeschrieben hat: „Bei vorliegendem Bedarf unter Nutzen-Kosten-Aspekten sollen Initiativen zur Reaktivierung von Bahnstrecken unterstützt werden.“

Den Bedarf sollte ein Gutachten klären, das die beiden Kommunen 2011 in Auftrag gegeben haben. Das allerdings, moniert Kannwischer, habe nicht die Pendler berücksichtigt, die regelmäßig das Auto nutzten. Demnächst soll es ein umfangreicheres Gutachten geben. Laut Kannwischer haben das die Kommunen schon entschieden. Vergeben ist es aber noch nicht. Um für ihre Idee zu werben, lädt die Arbeitsgemeinschaft zu einem Informationsabend ein (siehe Box).

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