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Wetterau Ein Herz für andere

Das Ehepaar Harald und Irmgard Krämer wird für sein Engagement in Blindenbund und VdK mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen geehrt.

03.02.2011 15:52
Livia Weber
Ehepaar Krämer Foto: Jan-Christoph Hartung

Die Krämers haben wenig Zeit. Beide engagieren sich ehrenamtlich, Irmgard Krämer als Leiterin der Bezirksgruppe Frankfurt des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen (BSBH), Harald Krämer als Vorsitzender des VdK-Kreisverbandes Friedberg. Immerhin beim Frühstück trifft sich das Ehepaar, um sich auszutauschen, erzählt Harald. Beide sind nun für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt worden. Irmgard Krämer ist Trägerin des Hessischen Verdienstordens am Bande, Harald Krämer wurde der Ehrenbrief des Landes überreicht.

Irmgard, eine herzliche Frau, wurde mit starker Sehbehinderung geboren und erblindete später vollständig. Sie weiß also, wovon sie spricht, wenn sie beim BSBH Betroffene und Angehörige betreut. Im Postamt 9 der Bundespost in Frankfurt war sie tätig, bis sie Vater und Mutter pflegen musste. Danach, mit 48 Jahren, wollte sie „nicht nur zu Hause Haushalt machen“. Deshalb trat sie dem BSBH bei.

Irmgard erzählt lebhaft von Unternehmungen mit dem Verband, etwa einem Opernbesuch in Heidelberg, bei dem sie hinter die Bühne durften. Sie ist fasziniert von den Möglichkeiten für Blinde, die es zu ihrer Zeit noch nicht gab: „Heute fahren Blinde Ski“, sagt sie. Es gebe inzwischen sogar Navigations-Systeme für Blinde.

Dabei ist die 70-Jährige, die nach eigener Einschätzung eher ängstlich ist, selten alleine draußen. Dennoch kennt sie die Alltagsprobleme der Blinden, denn BSBH-Mitglieder berichten ihr davon. Viele Menschen seien hilfsbereit, jedoch sprächen sie oft nicht mit Blinden. So passiere es, dass sie Blinde einfach packen und über die Straße schieben, obwohl diese das gar nicht wollten.

Allerdings verbessere sich die Situation der Behinderten. Auch in Vilbel habe sich was getan, bekräftigt Harald. Jedoch „müssen die Politiker immer gedrängt werden, egal welche.“ Oft geht es nur um Kleinigkeiten: So kann etwa eine Absenkung zwischen Bürgersteig und Radweg für Blinde problematisch sein, denn sie können dann den Übergang zwischen beiden nicht mehr ausmachen, die Räder aber auch nicht hören.

Auch Harald Krämer ist sozial engagiert. 1986 ging er nach schwerer Erkrankung in Rente. Sobald es sein Gesundheitszustand zuließ, engagierte er sich ehrenamtlich. Zunächst 15 Jahre für die SPD in der Kommunalpolitik, dann im sozialen Bereich. „Soziale Belange haben mich mehr interessiert als Parteipolitik“, sagt der 69-Jährige.

Seit 2002 engagiert er sich im Sozialverband VdK, zunächst in Vilbel, 2009 wurde er Vorsitzender des Kreisverbands Friedberg. Seine Mutter war dort schon Gründungsmitglied, zudem ist der VdK sehr groß. Das mache ihn verlockend. „Man kann dort auch politische Vorstellungen zum Tragen bringen“.

Irmgard zögerte, die Ehrung anzunehmen, fand das unfair gegenüber den vielen anderen Mitarbeitern, die ebenso fleißig seien. Dass der Orden auch der Öffentlichkeitsarbeit für ihr Anliegen diene, überzeugte sie dann. „Irmgard hat mehr geleistet“, findet Harald. Deshalb sei er überrascht gewesen, dass er auch geehrt wurde. Aber Irmgard findet: „Die Ehrung war richtig, weil er mich sehr unterstützt.“

Im Ehrenamt lerne man viel: „Wir sind auch als Rentner wissbegierig“, sagt Irmgard. Sie möchte bald nur noch Betreuung machen. Auch Harald sucht einen Nachfolger: „Man sollte wissen wann man anderen Platz macht.“ Außerdem warten Hobbywerkstatt und Akkordeon.

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