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Wetterau Aufsichtsrat berät über neuen Ovag-Vorstand

Der Wetterauer Landrat Joachim Arnold (SPD) bewirbt sich für den Vorstandsposten bei den Oberhessischen Versorgungsbetrieben (Ovag).

Wetterau
Joachim Arnold ist seit Juli 2008 Landrat des Wetteraukreises. Foto: Rolf Oeser

„Regional vernetzt“, „umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit politischen Gremien und Organen von Gesellschaften“, „planerische und organisatorische Kompetenzen“ – die Anforderungen in der Stellenausschreibung für einen neuen Vorstand der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (Ovag) sind dem Wetterauer Landrat Joachim Arnold (SPD) wie auf den Leib geschneidert.

Arnold hat sich darum beworben, Anfang 2018 die Nachfolge von Rolf Gnadl anzutreten. Der bisherige Ovag-Vorstand, der ebenfalls Sozialdemokrat ist und von 1992 bis 2008 Landrat des Wetteraukreises war, hört zum Jahresende auf. Sein Vertrag läuft aus, er will in den Ruhestand gehen. Vorstandschef Rainer Schwarz möchte jedoch noch bis Mitte 2019 im Amt bleiben.

Arnold würde neben Schwarz an die Spitze einer kommunalen Unternehmensgruppe rücken, die mehr als 600 Beschäftigte hat und etwa 210 000 Kunden in Oberhessen mit Gas, Strom und Wasser versorgt. Sie gehört den Landkreisen Wetterau (51,7 Prozent), Vogelsberg (32,1 Prozent) und Gießen (16,2 Prozent. 2016 erzielte der Konzern einen Umsatz von 449,8 Millionen Euro. Das Gehalt der beiden Ovag-Vorstände ist jeweils sechsstellig. Mehr ist vom Unternehmen nicht zu erfahren.

Über die Besetzung des Ovag-Vorstandes wird der zur Hälfte aus Arbeitnehmervertretern bestehende Aufsichtsrat entscheiden. Dieser hatte entschieden, die Position öffentlich auszuschreiben, was keine Pflicht ist. Laut einem Ovag-Sprecher war die Stelle von Mitte bis Ende August ausschließlich im Stellenportal von FAZ-Online ausgeschrieben. Demnach ist sie für fünf Jahre zu besetzen.

Wie die Aufsichtsratsvorsitzende, die Wetterauer Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch (SPD), auf Anfrage mitteilt, sind mehrere Bewerbungen eingegangen. Ob die Entscheidung bereits in der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats am 28. September fallen wird, konnte Becker-Bösch gestern nicht sagen.

Zunächst sichtet jedoch der Personalausschuss des Aufsichtsrates die Bewerbungen. Anschließend wird der Ausschuss im Plenum berichten – zumindest das soll am 28. September geschehen – und eine Empfehlung aussprechen. „Gleichwohl ist der Aufsichtsrat daran nicht gebunden“, sagt Becker-Bösch. Alle Mitglieder könnten sämtliche Unterlagen einsehen und seien frei in der Entscheidung. Dem Personalausschuss gehören der Wetterauer Bundestagsabgeordnete Oswin Veith (CDU), der Betriebsratsvorsitzende der Ovag-Gruppe, Thorsten Hankel, Betriebsrätin Sigrid Reichold und Becker-Bösch selbst an.

Ausschussvorsitzender Veith versprach kürzlich im Interview mit der „Wetterauer Zeitung“, er werde „alle eingegangenen Bewerbungen sehr genau anschauen und gewissenhaft prüfen“. Arnolds Berufung in den Vorstand gilt jedoch als sicher.

Die Aufsichtsratsvorsitzende Becker-Bösch wiederum versichert, die Auswahl werde nur aufgrund des fachlichen und persönlichen Profils getroffen, die Parteizugehörigkeit spiele keine Rolle. Genau das unterstellen jedoch die Grünen. Sie kritisierten nach Bekanntwerden der Personalie Arnold, CDU und SPD betrachteten die Ovag als ihre „Beute“. Büdingens Bürgermeister Erich Spamer (Freie Wähler) nannte die Neubesetzung eine „Farce“.

Den Ovag-Vorstand mit einstigen Landräten zu besetzen, hat Tradition. Gnadl wechselte Anfang 2008 aus dem Kreishaus ins Unternehmens, weil Hans-Ulrich Lipphardt (SPD), früher Landrat im Vogelsbergkreis, aus gesundheitlichen Gründen ausschied. Der aktuelle Vorstandschef und ehemalige Wetterauer Vize-Landrat Schwarz sitzt seit 2000 im Vorstand. Er löste 2008 den ehemaligen Vogelsberger Landrat Hans-Ulrich Lipphardt (SPD) an der Spitze ab, der in die Fußstapfen seines Parteifreundes Jochen Zwecker getreten war, ebenfalls einst Kreischef im Vogelsberg.

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