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Werbung für Toleranz

Wetterau Lokaler Aktionsplan Mittlere Wetterau angelaufen/Rechtsextremisten sind ruhig

18.10.2011 17:42
Bruno Rieb
Gegen Rechts: Anti-Hitler-Plakat der Jungsozialisten. Foto: Michael Schick

Ruhig ist es in der Wiesengasse in Echzell geworden, seit der Rechtsextreme Patrick W. wegen des Verdachtes der illegalen Einfuhr von Drogen hinter Gittern sitzt. W. hat sich selbst den makabren Spitznamen „Schlitzer“ verpasst, weil er einen Jungen mit Migrationshintergrund niedergestochen hat. Mit Gesinnungsfreunden hatte er die „Old Brothers“ gegründet. Die Bande terrorisierte die Nachbarschaft. Seit der Anführer hinter Schloss und Riegel sitzt, atmen die Anwohner auf. Es gebe nur noch gelegentlich Treffen in der Hofreite, die Patrick W. „Old Brother Castle“ nennt, wird berichtet. „Die Ruhe kann trügerisch sein“, meint Andreas Balser, Sprecher der Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau (Antifa-Bi). Gerade erst sei das Verfahren gegen zwei Old Brothers wegen zeigen des Hitlergrußes eingestellt worden. In dem Verfahren sei bekanntgeworden, dass bei dem Hauptverdächtigen Munition für eine Waffe gefunden worden sei.

Um Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu begegnen, beteiligt sich die Gemeinde Echzell mit den Nachbarkommunen Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim am Lokalen Aktionsplan Mittlere Wetterau. Der wird jährlich mit 60000 Euro aus EU-Mitteln gefördert. Federführend beim Aktionsplan ist die Regionalentwicklung Oberhessen, die die Region zu einem attraktiven Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum machen will. Unterstützt wird sie vom Echzeller Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“, der als Bürgerinitiative gegen die Old Brothers-Umtriebe begonnen hatte.

Sabrina Lauster von der Grätsche betreibt das Projektbüro für den Aktionsplan. Sie ist 31 Jahre, wohnt in Echzell und studiert Geschichte. Ihre Aufgabe ist es, die Projekte des Aktionsplans umzusetzen.

Vor allem die Vereine in den vier Kommunen sollen erreicht werden, sollen sich für Toleranz, Vielfalt und Integration, gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Extremismus engagieren. Die ersten Veranstaltungen sind bereits über die Bühne gegangen. Eine Auftaktveranstaltung in jeder Kommune sieht der Plan vor, jede soll ein Thema abdecken.

In Florstadt in der Karl-Weigand-Schule war das Thema „Gemeinsam lernen – Lernort Schule“. Die Schüler der Klasse R9a stellten dar, wie Schüler aus dem Ort, aus umliegenden Dörfern und Schüler mit Migrationshintergrund in der Klasse miteinander auskommen. Das Klassenleben sei als recht unproblematisch dargestellt worden, berichtet Lauster. In einer Befragung der Schüler habe sich dann aber herausgestellt, dass es doch Vorbehalte gegen Migranten gibt. So sei die Auffassung vertreten worden, Deutsche sollten bei der Vergabe von Jobs bevorzugt werden.

In der zweiten Veranstaltung in Wölfersheim sollte es um Sportvereine gehen. Die Veranstaltung musste mangels Interesse abgesagt werden. Sie soll wiederholt werden. Lauster hofft, dass bis dahin das Interesse der Vereine geweckt werden kann.

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