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Verkehr in der Wetterau Mit Granit gegen Klimawandel

Die Landesstraße zwischen Gedern und Grebenhain in der Wetterau wird zu einem Pilotprojekt. Auf die Fahrbahn wird eine spezielle Asphaltmischung aufgetragen, die Temperaturschwankungen besser aushält.

Verkehr in der Wetterau
In der Wetterau wird eine Asphaltmischung getestet. (Symbolbild) Foto: Christoph Boeckheler

Wenn die Landesstraße zwischen Gedern Ober-Seemen und Grebenhain Volkartshain voraussichtlich von Mai an eine neue Fahrbahndecke erhält, dann geht es um mehr, als nur eine alte Straße am Rande des Vogelsbergs zu ertüchtigen. Was dort auf rund 4,5 Kilometern bis September passieren soll, ist ein Pilotprojekt. Hessen Mobil stellte es zusammen mit anderen Straßenbaumaßnahmen, die 2018 im Wetteraukreis begonnen oder fortgeführt werden, vor kurzem in Friedberg vor.

Die Behörde will die L 3010 künftig besser gegen den Klimawandel wappnen. Dafür wird dem Asphaltmischgut, das die Straßenarbeiter während der Sanierung vier Zentimeter dick auftragen, ein helles Gestein beigegeben. Mischungen mit einem hohen Granit- oder Quarzit-Anteil könnten hier beispielsweise infrage kommen. Das helle Gestein soll dafür sorgen, dass der Asphalt weniger hitzeempfindlich ist und starke Temperaturschwankungen besser aushalten kann. Auch soll er sich dann nicht mehr so stark aufheizen. „Die Oberflächentemperatur reicht nicht mehr aus, um ein Spiegelei zu braten“, sagt Helmut Klein von Hessen Mobil. Eine positive Folge könnten weniger Spurrillen sein, heißt es.

Die Strecke an der Grenze zwischen Wetterau- und Vogelsbergkreis ist nicht die einzige, an der das Land auf diese Weise Hand anlegen will. Laut einem Sprecher des hessischen Wirtschaftsministeriums sind bislang sechs derartige Vorhaben in Planung. So sollen außer der L3010 unter anderem die Fahrbahndecke der Landesstraße zwischen Groß-Umstadt Kleestadt und Babenhausen Langstadt sowie der Knoten Eschborn (L 3005) von Grund auf erneuert werden. Alle sechs Maßnahmen ergeben sich aus dem „Integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025“, den das Landeskabinett vor einem Jahr beschlossen hat. Dem Ministeriumssprecher zufolge stellt das Land bis 2025 jedes Jahr 100 000 Euro zur Verfügung, um Landesstraßen an die Klimaveränderungen anzupassen.

Professor Markus Oeser, der an der Technischen Hochschule Aachen den Lehrstuhl für Straßenwesen inne hat, hält es für einen gangbaren Weg, die Straßenbeläge aufzuhellen, um sie resistenter gegen hohe Temperaturen zu machen. Auf bis zu 60 Grad könne sich der Asphalt an heißen Sommertagen erhitzen, sagt der Wissenschaftler. Hellere Gesteinsmischungen könnten diesen Effekt mindern – und nicht nur das. Eine hellere Fahrbahn sei in der Nacht und bei Regen besser zu sehen, weil sie das Scheinwerferlicht stärker reflektiere, erklärt Oeser.

Eine andere Variante hält der Ingenieur dagegen für weniger geeignet, und zwar auf härteren anstatt auf helleren Asphalt zu setzen. Bei Kälte sei eine härtere Decke nämlich anfälliger für Risse.

Hessen Mobil wird untersuchen, wie viel besser der hellere Belag gegenüber dem herkömmlichen tatsächlich ist. Dass das Land sich dafür unter anderem die L3010 zwischen Gedern und Grebenhain ausgesucht hat, ist kein Zufall. Laut Helmut Klein von Hessen Mobil sollte es sich um eine Strecke mit Gefälle handeln und es keinen Wall mit Bewuchs an der Strecke geben.

Als Experimentierfeld will Hessen Mobil  den 4,5 Kilometer langen Abschnitt aber nicht verstanden wissen. „In erster Linie erfolgt die Erneuerung der Fahrbahndecke im Hinblick auf die Erhaltung der Landesstraße“, teilt die Behörde mit. Und wie bei jeder anderen Straßensanierung, die unter Vollsperrung geschieht, werden die Menschen in dieser Gegend Umleitungen in Kauf nehmen müssen. Zu den Kosten des Pilotprojektes will sich Hessen Mobil noch nicht äußern. Der Auftrag sei noch nicht vergeben.

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