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Vereine in Hessen Vereine müssen sich wandeln

Lange hat ein Gesangverein in der Wetterau Menschen zusammengebracht. Nun muss der Traditionsverein die Weichen für die Zukunft neu stellen - denn das Dorfleben hat sich gewandelt.

Chöre in Hessen
Vereine, die sich mit Musik beschäftigen, haben es besonders schwer, neue Mitglieder zu finden. Foto: Imago

Lange ging es gut. 154 Jahre fand der Gesangverein immer Leute, die ihn führen wollten. In 154 Jahren hat sich viel in der Wetterau geändert. Das Dorf, dessen Name hier keine Rolle spielt, ist gewachsen. Nicht mehr Lebensmittelpunkt, an dem der Mensch seine komplette Freizeit verbringt, einkauft, im Idealfall sogar arbeitet. Morgens fährt er ins Büro in Frankfurt, abends ins Kino nach Bad Nauheim oder Köppern. An Wochenenden geht es zum Wandern in den Rheingau oder zu den Eltern, die auch andernorts wohnen.

Ach ja, die Kinder sind ja auch noch da. Hausaufgaben machen, am Samstag zum Handballspiel bringen. Für die eigenen Bedürfnisse bleibt in einem vollgestopften Terminplan kaum Zeit. Für Sport zu einem festen Termin, zum Beispiel. Zum Lesen oder für den Spanischkurs an der Volkshochschule. Den machen die Nachbarn, denn die sind Rentner.

Aber alle 14 Tage um 20 Uhr zur Singstunde – das klappt in der Regel. Ein schöner Ausgleich ohne lange Anfahrt. Der Verein macht es seit 154 Jahren möglich. Für einen lächerlich kleinen Jahresbeitrag. Weil es auch viele passive Förderer gibt, die gar nicht singen wollen oder können, aber die Geselligkeit schätzen. Und weil es Gelegenheiten zum Geldeinnehmen gibt. Das Grillfest im Sommer. Oder der Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Der Vereinsleben bringt Leben ins Dorf, integriert. Aber nur so lange, wie sich Mitglieder an den Zapfhahn stellen oder Würstchen wenden. Und die Dorfbewohner das Angebot nutzen. Die Konkurrenz ist groß. Grillfeste und Weihnachtmärkte gibt es viele.

154 Jahre hat der Verein Menschen zusammengebracht. Hat es Zugezogenen ermöglicht, Kontakte zu knüpfen und anerkannter Ortsbürger zu werden. Doch jetzt kündigt sich eine Zäsur an: Bei den Wahlen steht der jahrelang amtierende Vorstand in der jetzigen Kostellation nicht mehr zur Verfügung. Das „nicht“ ist in dem Rundbrief an die Mitglieder dick unterstrichen. Tenor: Wir müssen die Arbeit auf mehr Schultern verteilen, jeder ist aufgerufen, sich nach seinen eigenen Stärken einzubringen.

Die Weichen werden neu gestellt. Im Frühjahr zeigt sich, ob sich Lokomotivführer finden.

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