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Stadtentwicklung in Karben Widerstand gegen Verkauf der Oberburg

Die Evangelische Kirchengemeinde Burg-Gräfenrode will die Oberburg, das Wahrzeichen des Karbener Stadtteils, loswerden, weil sie ihr zu teuer wird. Doch es regt sich Protest.

Die Oberburg in Karben
Bis Sommer 2017 beherbergte der Barockbau im Erdgeschoss eine Kindertagesstätte. Foto: Monika Müller

Die Oberburg ist das Wahrzeichen von Burg-Gräfenrode, Das schmucke Gebäude aus dem 15. Jahrhundert liegt mitten einer großzügigen Parkanlage, die rot-braune Fassade ist ein Hingucker. Viele der knapp 1500 Einwohner des kleinsten Karbener Stadtteils verbinden persönliche Erinnerungen mit der Oberburg; sie sind dort in den Kindergarten gegangen, der noch bis zum Sommer 2017 im Erdgeschoss war, wegen veralteter Elektrik aber ausziehen musste und ein neues Domizil bekommen soll. Seitdem stehen das Erdgeschoss und einige Räume im ersten Obergeschoss leer. Die Evangelische Kirchengemeinde Burg-Gräfenrode hat dort noch ihr Gemeindebüro, in den oberen Stockwerken sind zwei Wohnungen.

Die Zukunft der denkmalgeschützten Burganlage treibt nicht wenige um. Denn der Eigentümer, die Evangelische Kirchengemeinde, will sie verkaufen – samt der dazugehörigen Remise, dem „Lieselturm“ und dem Garten. Eine Mehrheit im Kirchenvorstand hatte am 19. April für den Verkauf gestimmt. „Es ist der kleinen Kirchengemeinde nicht möglich, das Gebäude finanziell zu halten“, sagt Ina Lauster-Ulrich, die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands.

Außer den maroden Elektroleitungen müssten in den nächsten Jahren nämlich noch viele weitere Dinge erneuert werden. Ein Gutachten, das die Kirchengemeinde von einem Architekturbüro anfertigen ließ, nannte Instandhaltungskosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro in den kommenden 30 Jahren. Ohne die Kita, wegen der es von der Stadt und der Landeskirche bislang Zuschüsse gegeben habe, könne die Kirchengemeinde diese Summe nicht stemmen. „Es war immer klar: Wenn die Kita raus muss, haben wir ein Problem“, sagt Lauster-Ulrich.

Doch, die Kirchengemeinde könne das stemmen, sagt Kurt Rühle. Der Ingenieur im Ruhestand gehört zu einer fünfköpfigen Initiative, die sich gegen den Verkauf der Oberburg wehrt. Ihr gehört auch Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach (CDU) an. Diesen Sommer klingelten die Gegner eines Verkaufs an vielen Haustüren, um für ihre Position zu werben. 532 Unterschriften konnten sie so sammeln und übergaben sie unlängst dem Kirchenvorstand.

„Es scheint so, dass der Kirchenvorstand keine Arbeit mehr mit der Oberburg haben will“, sagt Rühle. Die geschätzten 1,2 Millionen Euro gingen vom schlimmsten Fall aus, wenn alles mögliche repariert werden müsse. „Ich halte diesen Betrag für ein Horrorgemälde“, sagt der 67-Jährige. Außerdem wolle die Stadt Karben der Kirchengemeinde 300 000 Euro für einen Teil des Gartens zahlen, um dort einen öffentlichen Spielplatz anzulegen.

Der Standpunkt der Initiative ist klar: „Wir möchten, dass es Eigentum der Kirche bleibt“, sagt Rühle. Man könne ja nicht sicher sein, was der künftige Eigentümer aus dem Gebäude machen werde.

Das weiß auch der Kirchenvorstand und knüpft den Verkauf an einige Bedingungen. Unter anderem müsse es für die Gemeinde in der Oberburg mindestens einen Gemeinderaum geben und weiterhin eine Küche für Feste, sagt Lauster-Ulrich. Außerdem sei Bedingung, alle Räume barrierefrei auszubauen. Der Park müsse weiterhin öffentlich bleiben. Die Evangelische Kirche Hessen-Nassau ist gerade dabei, das Exposé für die Ausschreibung des Areals vorzubereiten. Nach der nächsten Sitzung des Kirchenvorstands in Burg-Gräfenrode am 19. September wolle man sie veröffentlichen, sagt der zuständige Referatsleiter bei der Landeskirche, Markus Keller.

Der Magistrat hat laut Bürgermeister Guido Rahn (CDU) für kommenden Montag Vertreter des Dekanates und der Kirchengemeinde eingeladen, um sich über das weitere Vorgehen zu informieren. Auch ein Gespräch mit der Initiative werde noch stattfinden. Ihm sei wichtig, dass der Park öffentlich nutzbar bleibe und es im Lieselturm weiterhin ein Trauzimmer gebe, so Rahn. Insbesondere solle die Kirchengemeinde im Erdgeschoss Räume für die Senioren- und die Gemeindearbeit behalten.

Drei Kaufinteressenten haben sich Lauster-Ulrich zufolge bereits gemeldet. Neben den Mietern, die schon in der Oberburg wohnen, sind dies zwei bekannte Namen in der Wetterau: die Karbener Brüder und Bauunternehmer Kling sowie Philipp Freiherr von Leonhardi. Leonhardi würde, sollte er den Zuschlag bekommen, nach eigener Aussage dann auch in das zur Wohnung umgebaute erste Obergeschoss einziehen.

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