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Stadtentwicklung in Bad Vilbel Neues Hallenbad lässt auf sich warten

Wann Bad Vilbel ein neues Bad bekommt, ist offen. Die SPD will die Hängepartie nicht länger hinnehmen. Sie will das Freibad für den Ganzjahresbetrieb ertüchtigen, um Schul- und Vereinsschwimmen zu ermöglichen.

Offenbach
Traglufthalle macht’s möglich: Schulschwimmen im Offenbacher Freibad auf der Rosenhöhe. Foto: Sascha Rheker

In der Schwimmabteilung des SV Fun-Ball Dortelweil, einer der mitgliederstärksten Sportvereine in der Wetterau, ist man derzeit wenig gut auf die Stadt Bad Vilbel zu sprechen. Mit dem Abriss des Hallenbads am Kurhaus im Sommer, um Platz für eine Stadthalle zu schaffen, musste das Angebot für Breiten- und leistungsorientierte Schwimmer erheblich eingeschränkt werden. Beim Kinderschwimmen zählt der Verein nur noch rund 50 Teilnehmer, zuvor waren es an die 150. Abteilungsleiter Thomas Dey-Menzl sieht das Schwimmen im SV gefährdet, sollte sich bis zum nächsten Winter die Situation nicht bessern. Wann die Stadt ein neues Kommunalbad bekommen wird, ist derzeit offen, es soll Teil des Wellness- und Spaßbads werden. Vor knapp einem Jahr unterzeichneten Investor Josef Wund und die Stadt den Vertrag für das Grundstück. Kurz darauf kam Wund bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, seitdem herrscht Ungewissheit, ob und wie das Projekt realisiert wird.

Die Hängepartie kann für die SPD nicht weitergehen. Sie forderte jüngst bei einem öffentlichen Mitgliedertreffen zur Schwimmbadsituation eine Zwischenlösung. „Die Versammlung war der einhelligen Meinung, dass man die Diskussion über das Großprojekt noch einmal aufrollen müsse. In einem ersten Schritt solle dabei auch sichergestellt werden, dass das Freibad mit seinem jetzigen Charakter erhalten und behutsam modernisiert werde. Vorrangig sei dabei eine Verlängerung der Badesaison durch die Beheizung des Wassers, idealerweise bereits im nächsten Jahr“, teilt Parteichef Horst Seißinger mit. In der kühlen Jahreszeit könnte zudem eine Traglufthalle die Schwimmer schützen, anderorts habe man gute Erfahrung damit gemacht. Damit einhergehen solle zudem die Prüfung, ob das Freibad zu einem Kombibad umgebaut werden könne. 

Das Argument des zuständigen Stadtrats Klaus Minkel (CDU) zur Interimslösung, die Kosten für beheizte Umkleiden und Becken seien zu hoch, will die SPD mit Blick auf die Bedeutung des Kinderschwimmens nicht hinnehmen. Die SPD kann sich in ihrer Auffassung vom Bundeselternrat unterstützt sehen. Im August teilte der dem Magazin „Zeit“ mit: „20 bis 25 Prozent aller Grundschulen können keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, weil das nächstgelegene Schwimmbad geschlossen wurde“. Zudem seien Spaßbäder keine Alternative zu Lehrbecken und Übungsbahnen, so das Gremium.

Heiß begehrte Trainingszeiten

Der Schwimmunterricht in den Bad Vilbeler Schulen ist in das Hallenbad Karben verlegt worden. Die John-F.-Kennedy-Schule hat das Schwimmenlernen in den Sommer und damit in das Freibad verlagert. Auch der SV Fun-Ball hat Trainingszeiten in Karben ergattert, samstags und sonntags von 20.30 bis 22.30 Uhr. „Die Zeiten sind nur für Erwachsene“, sagt Dey-Menzl. Für Samstag fand sich zudem kein Trainer. Der Verein konnte Zeiten für Kinder und Jugendliche in Nidderau und in Frankfurt-Ginnheim reservieren. Der Weg war jedoch für viele Eltern zu lang, heißt es. Bad Vilbel hat den Verein bei der Suche nach Ersatz im Stich gelassen, der SV musste alle Schwimmbäder im Umkreis ansprechen, sagt Dey-Menzl. Die Zahl der Aktiven bei den Erwachsenen und Kindern sei jeweils auf fast ein Drittel geschrumpft. Dey-Menzl schätzt, dass mindestens zehn Erwachsene und 50 Kinder den SV verlassen haben. Von den zwölf Trainerinnen können sechs nicht mehr beschäftigt werden.

Zur Zukunft des Wellnessbades teilt Stadtrat Minkel mit: „Es sieht gut aus. Die Erbin hat aber immer noch keinen Erbschein, wodurch die Handlungsfähigkeit begrenzt ist.“ Mehr könne er wegen der Vertraulichkeitserklärung mit dem Investor nicht sagen. Die Umfrage der SPD, ob die Stadt an gleicher Stelle nicht das Kommunalbad selbst bauen solle, sei nicht durchdacht. Das große Grundstück wäre in der weiteren Entwicklung schwer behindert. Überdies müsste die Stadt dann das Bad betreiben und hätte „ein Jahresdefizit von rund 800 000 Euro an der Backe“, so Minkel.

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