Lade Inhalte...

Sanierung Kurstadt hat kein Kino mehr

Nur dreieinhalb Jahre nach der umfassenden Sanierung muss das Fantasia-Filmtheater wieder schließen.

Geschlossenes Kino Fantasia
Seit Ende Oktober ist das Kino an der Kurstraße in Bad Nauheim geschlossen. Foto: Monika Müller

Kino ist tot! Andere werden die nächsten Jahre folgen“, schreibt ein Facebook-Nutzer. „Traurig, eine Kurstadt ohne Kino“, postet eine Nutzerin. „Hoffentlich wird bald ein neuer Betreiber gefunden“, wünscht sich jemand anderes. Nur dreieinhalb Jahre, nachdem das Fantasia-Filmtheater in Bad Nauheim, frisch saniert und mit neuer Technik ausgestattet, eröffnete, hat es wieder geschlossen. Vor acht Tagen lief der letzte Film in dem kleinen Kino im Stadtzentrum. Die Eigentümerin des Hauses an der Kurstraße, eine ältere Dame, hat den Mietvertrag mit der Betreibergesellschaft nicht mehr verlängert. Ihrem Rechtsanwalt zufolge lief der für fünf Jahre abgeschlossene Vertrag bereits Ende April aus, um eine Verlängerung habe die Betreibergesellschaft nicht gebeten. Mitte August erging ein Räumungsurteil des Landgerichts Gießen. Der Grund für die Schließung sind laut Anwalt „erhebliche Zahlungsrückstände“.

Die bestreitet Dieter Lachner nicht. Der routinierte Kinomacher und seine Ehefrau Beatrix Lachner, die Geschäftsführerin der „Fantasia Filmtheater Betriebsgesellschaft“ ist, sehen sich aber nicht in der Verantwortung dafür, dass es so weit gekommen ist. Etwa 30 000 Euro betrügen die Außenstände. Nach der Sanierung und Wiedereröffnung im März 2015 seien immer neue Schäden aufgetaucht, die sie aus eigener Tasche repariert hätten, sagt Lachner. Außerdem habe die Besitzerin auf Miete für die rund anderthalb Jahre geklagt, in denen das Kino erneuert wurde und geschlossen war. „Das Allerletzte“, findet der Bad Vilbeler, der sich anstelle seiner Frau gegenüber der Presse äußern möchte. 

Für den Eigentümer-Anwalt ist dagegen klar, dass die Forderungen dem Mietvertrag entsprechen. Ein Gericht gab ihm Recht. Familie Lachner habe sich nicht beschweren können, meint der Anwalt. Die Eigentümerin habe nach der Sanierung im Gegenzug etwa 500 Euro weniger Miete verlangt, also nur noch rund 1000 Euro im Monat. 

Das Ehepaar Lachner hatte sich das alles anders vorgestellt. Der rund 300 000 Euro teure Umbau, zu dem die Stadt knapp 100 000 Euro aus zwei staatlichen Förderprogrammen für die Technik beisteuerte, sollte zusätzliche Besucher animieren, vor der neuen Leinwand Platz zu nehmen. Dieter Lachner investierte mit seinem eigenen Unternehmen, den Filmtheaterbetrieben Dieter Lachner, nach eigenen Angaben 90 000 Euro in die Sanierung des von der Gesellschaft seiner Frau betriebenen Lichtspielhauses. Eine Tochter leitete den Tagesbetrieb vor Ort.

Die Lachners sind eine Kinofamilie durch und durch, betreiben oder betrieben bereits an anderen Orten Kinos. So zeigt Dieter Lachner zum Beispiel in einem Kino mit zwei Sälen im City-Center in Karben bereits seit vielen Jahren Blockbuster, aber auch weniger bekannte Filme. 

In Bad Nauheim fand ihre Passion nun ein jähes Ende, 25 Jahre nachdem die Familie dort angefangen hatte. Im Internet schreiben mehrere Kinobesucher, dass in den Vorstellungen stets viele Plätze frei geblieben seien. Die fehlenden Einnahmen taten – neben den Kosten für Sanierung und Reparaturen – ein Übriges, um die Situation zu verschärfen. 

Geht es nach der Stadt, soll Bad Nauheim nur vorübergehend ohne Kino bleiben und ein anderer Betreiber in Zukunft Filme zeigen. Es gebe Interessenten, die schon an anderen Orten Kinos betrieben, sagt Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos). „Wir wollen es unbedingt erhalten.“ Der neue Betreiber soll die 2015 installierte digitale Vorführtechnik, die Leinwand und das Tonsystem übernehmen. Die Stadt habe die Anlage gefördert, und sie sei noch nicht abgeschrieben, sagt Kreß. Lachner durfte sie nicht abbauen. Die Stadt sei Eigentümerin der Anlage, sagt der Rathauschef. Dass die Zahl der Interessenten wohl überschaubar bleiben wird, zieht Kreß nicht in Zweifel. Es sei schwierig, dort ein kleines Kino wirtschaftlich zu betreiben. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen