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Rockenberg Lernraum hinter Gittern

Führungswechsel im Jugendgefängnis: Michael Mentz geht, Klaus Ernst kommt

Der bisherige Leiter der Justizvollzugsanstalt Rockenberg Michael Mentz (links) mit seinem Nachfolger Klaus Ernst. Foto: Renate Hoyer

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Rockenberg hat einen neuen Leiter. Klaus Ernst, seit Mitte November 2012 im Amt, wurde gestern offiziell vorgestellt. Gleichzeitig wurde sein Vorgänger Michael Mentz verabschiedet. Rund 170 Gäste waren in die Sporthalle auf dem JVA-Gelände am Marienschloss gekommen, darunter der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn sowie die Bürgermeister Manfred Wetz aus Rockenberg und Michael Merle aus Butzbach.

Ernst warb in seiner Rede für ein positives Arbeitsklima und Respekt. „Die inhaftierten Jugendlichen sollen einen sicheren und verlässlichen Lernraum haben.“ Freude am Lernen und die Möglichkeit, das Anstaltsleben aktiv mitzugestalten seien zentrale Bestandteile der Pädagogik im Jugendstrafvollzug. „Alle müssen die Erfahrung machen, wie nützlich es ist, nützlich zu sein“, sagte der Psychologe. Von den Bediensteten erwarte er eine hohe Leistungsbereitschaft.

Ernst ist 59 Jahre alt und arbeitet seit 1987 im hessischen Justizvollzug. Von Februar 2011 bis November 2012 war er stellvertretender Leiter der Justizvollzugsanstalt Rockenberg gewesen. Er ist unter anderem Rechtspsychologe und Sexualstraftätertherapeut.

Sein Vorgänger Michael Mentz war 32 Jahre im Strafvollzug tätig gewesen, sechs davon als Leiter der Rockenberger JVA. Mit viel Humor betrachtete er seine Amtszeit. So habe seine Frau ihn oft verspottet und gesagt: „Wer 30 Jahre hinter Gittern gearbeitet hat, bei dem lösen unvergitterte Fenster ein Gefühl der Unsicherheit aus“.

Mentz machte deutlich, dass ihm die Erziehung der jugendlichen Straftäter am Herzen gelegen hatte. Seine Töchter hätten ihn mit „Ach du und deine Jungs“ geneckt, sagte er. Und er sprach von Mitarbeitern, „die wissen, dass die Jugendlichen jeden Tropfen ihres Schweißes wert sind“. Er habe Hochachtung vor den Bemühungen der Gefangenen, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Mentz war bei Kollegen als ein Mensch bekannt, der auch unkonventionelle pädagogische Ideen durchsetzte. Er selbst bezeichnete sie als unorthodox, die Vertreterin der hessischen JVA-Leiter, Hadmut Birgit Jung-Silberreis, sagte: „Sie haben Ihre Anliegen immer sehr vehement – nicht immer in Übereinstimmung mit den Anwesenden – vertreten“.

So etwas Unorthodoxes war auch das Theaterprojekt „Romeo und Julia“ gewesen, das die Frankfurter Musiktheatergruppe Art-Q im vergangenen Jahr mit den Jugendlichen einstudiert und aufgeführt hatte. Auch der neue JVA-Leiter zeigte sich offen für das sogenannte Knasttheater: „Im Herbst soll es vermutlich wieder eine Aufführung geben“, sagte Ernst.

Im Zentrum der Arbeit mit den inhaftierten Jugendlichen steht deren persönliche Entwicklung. Viele würden das Gefühl der familiären Gemeinschaft gar nicht kennen, so Justizminister Hahn. Oft gehe es deshalb nicht um Resozialisierung, sondern um erstmalige Sozialisierung.

Damit psychisch oder physisch benachteiligte jugendliche Straftäter beim Wiedereinstieg in die Gesellschaft bessere Chancen haben, gibt es seit 2010 das sogenannte Fördermanagement. Bestimmte Ausbildungen wurden erleichtert und so auf den besonderen Förderbedarf der Jugendlichen zugeschnitten.

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