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Porträt Cordelia Borchardt Zwischen Büchern aufgewachsen

Die Lektorin Cordelia Borchardt organisiert künftig allein die Lesereihe "Nidda literarisch". Gründer Jochen Hieber zieht sich zurück. Von Elfriede Maresch

25.09.2009 00:09
Elfriede Maresch

Wechsel bei "Nidda literarisch": Die beliebten Literaturveranstaltungen werden jetzt allein von Cordelia Borchardt gestaltet und moderiert. Eine neue, aber zugleich vertraute Aufgabe für die Germanistin und Anglistin, hat sie doch schon seit 2005 bei der Lesereihe mitgearbeitet, zusammen mit dem Gründer Jochen Hieber, der sich jetzt neuen Aufgaben zuwendet. Hauptberuflich ist Borchardt Lektorin für Belletristik, gelegentlich auch für Sachbücher, bei den Fischer-Verlagen Frankfurt.

Zwischen Büchern ist die 1962 in München Geborene aufgewachsen. Sie kommt aus einer Bildungsbürgerfamilie. Das vitale Mädchen war aktiv im Ballett: "Ich habe als Elevin bei ,Nussknacker´ und ,Feuervogel´ mitgetanzt", und im Schultheater: "Gegen den dunklen Raum anzuspielen - faszinierend!" Lese- Schlüsselerlebnisse hatte schon die 13-Jährige, etwa bei der Lektüre von Thomas Manns "Buddenbrooks": "Ein Lebensbuch! Alle paar Jahre lese ich es wieder - unter immer neuen Aspekten." Bü-cher als Freunde und Wegbegleiter? Borchardt nennt die Romane von Jane Austen, die Dramen und Sonette William Shakespeares, Tolkiens "Herr der Ringe", John Fowles´ "Geliebte des französischen Leutnants". Plötzlicher als die Liebe zu Büchern kam die Wahlverwandtschaft mit Großbritannien. Die 16-Jährige war mit einem Interrail-Ticket unterwegs, der erste Ort, den sie ausführlich erkundete, war Cambridge: "Ich war nach Hause gekommen."

So lag es nahe, Germanistik und Anglistik zu studieren. Wissenschaftliche Arbeit machte der jungen Frau Freude, sie promovierte und blieb zunächst als Assistentin an der Universität München. Es fehlte nicht an Aufforderungen, sich zu habilitieren, aber Borchardt empfand auch das Inselhafte des Universitätsbetriebs.

So wagte sie nach einem Praktikum im kleinen Schneekluth-Verlag den Wechsel und ging als Assistentin des Verlegers dorthin. Dass dies ein großer Schritt von einer Kultur in die andere war, wurde ihr deutlich, wenn sie Bekannte aus dem Wissenschaftsbetrieb traf. Unverständnis klang an, Bemerkungen wie "... dem Kommerz ergeben ..." fielen, erzählt sie. Das war fast unfreiwillig komisch - Borchardt erlebte hautnah den wirtschaftlichen Überlebenskampf kleiner Verlage, das Luftanhalten, wenn ein Buch vom Markt nicht recht angenommen wurde. Neue Aufgaben kamen, als sie als Lektorin zu den Fischer-Verlagen nach Frankfurt wechselte, wo sie insbesondere für die Programme des Scherz- und des Krüger-Verlages tätig ist. Den Kontakt zur Wissenschaft hat Borchardt jedoch nie ganz verloren. Sie hat Lehraufträge an den Universitäten Frankfurt und Marburg und erlebt das Aufeinanderprallen der Welten wieder im Dialog mit Studenten beim Thema "Das Geschäft mit den Büchern". Außerdem ist sie Mitglied in Literatur-Jurys, etwa für den Agatha-Christie-Krimi-Preis.

Andere Gesprächskultur

Das Gespräch mit den Autoren vor der Lesung wird bleiben bei "Nidda literarisch", verrät sie. Also auch die funkelnde Rhetorik, die man von ihrem Vorgänger und Ehemann Jochen Hieber kennt? Borchardt steht zu ihrer eigenen Identität: "Hieber ist Literaturkritiker, ich bin Lektorin, Begleiterin der Autoren. Das wird unsere Gespräche anders prägen - Hinterfragen, Konfrontieren sind nicht ausgeschlossen!"

Wenn sie ohne Rücksicht auf Zeit, Raum und Finanzen Autoren einladen könnte - wer wäre das? Die Antwort folgt prompt: "Dann würde ich Jane Austen nach Nidda holen!", und nach einigem Überlegen: "Dann J. R. Coetzee, den Autor von ,Schande".

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