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Ortenberg Immobilie als Ladenhüter

Wenn keiner eine Immobilie kaufen will, bleibt oft nur noch die Verzichtserklärung - so wie beim "Geisterhaus" von Ortenberg.

02.08.2010 17:27
Die Holz-Loggia aus dem frühen 20. Jahrhundert ist ein Hingucker.

Das „Geisterhaus“ stand nicht nur leer, sondern das Grundstück war noch dazu „herrenlos“. Sprich: der Eigentümer hatte auf sein Eigentum verzichtet. „Anlass ist oft eine Überschuldung des Grundstücks“, erklärt Christiane Bockler-Wentlandt, Leiterin der Unternehmenskommunikation beim Hessischen Immobilienmanagement (HI) des Landes. So war es auch in Ortenberg.

Die Verzichtserklärung war – wie im Bürgerlichen Gesetzbuch nach Paragraf 928 gefordert – im Grundbuch eingetragen. Laut Ortenbergs Hauptamtsleiter Rudi Steiper hätte das Land das recht gehabt, sich das aufgegebene Grundstück anzueignen, „wollte es aber nicht“. Das bestätigt Bockler-Wentlandt: „Im allgemeinen eignet sich das Land diese Grundstücke nicht an. Vielmehr tritt es das Aneignungsrecht meist gegen Entgelt ab. Dazu wird mit dem Interessenten ein Vertrag über eine Übertragung des Aneignungsrechts geschlossen. Mit dieser notariell beglaubigten Urkunde kann sich der neue Aneignungsberechtigte als Eigentümer im Grundbuch eintragen lassen.“ Der Fiskus kann aber gänzlich auf sein Aneignungsrecht verzichten. Dies muss er gegenüber dem Grundbuchamt erklären. Danach bleibt das Grundstück herrenlos und jedermann kann es gegen eine entsprechende Erklärung bekommen.

Mit Besitz überfordert

Die Vorbesitzer des „Geisterhauses“ waren offensichtlich überfordert. Das Haus war mangelhaft renoviert, verbaut und heruntergekommen, ein Käufer nicht zu finden. Zudem war der Besitz mit einer Grundschuld von 30000 Euro bei einer norddeutschen Bank belastet. Deren Gutachter schätzten den Wert. „Doris Gassmann blieb von drei Interessenten als einzige ernsthafte Käuferin übrig“, erklärt Ortenbergs Hauptamtsleiter Rudi Steiper. Zudem kannte die Verwaltung sie gut wegen ihres Engagements für die Belebung der Altstadt und setzte sich für sie ein.

„Die Stadt hat mir sehr geholfen“, sagt Doris Gassmann. Doch die Verhandlungen mit der Bank wegen der Grundschuld-Ablöse musste sie selbst führen – nach langem Hin und Her erhielt sie den Zuschlag für rund 5000 Euro. Zusätzlich musste sie 500 Euro ans Land zahlen und die Notariatskosten tragen. Am 24. Februar 2009 unterschrieb sie den Kaufvertrag, am 16. Juli 2010 eröffnete das „Geisterhaus“.( ute)

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