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Nidda Heimatmuseum Die Strafe für gewaltfreien Protest

Ausstellung im Heimatmuseum beleuchtet „Jugendopposition in der DDR“ und die Folgen.

10.08.2012 23:30
Elfriede Maresch

Hände weg von Prag“ hat handschriftlich in Blockbuchstaben auf den Flugblättern gestanden, die Bettina Wegner und ihr Freund 1968 an öffentlichen Plätzen auslegten. Schon dieser spontane Protest genügte, um die 20-Jährige, Mutter eines wenige Monate alten Kindes, eine Woche in U-Haft zu bringen. Sie wurde von der Schauspielschule verwiesen, musste sich laufend polizeilich melden, wurde zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt und auf „Produktionsbewährung“ ans Fließband geschickt.

So wie Wegner zahlten auch andere junge Menschen in der DDR für gewaltfreien Protest einen hohen Preis. Das zeigt die Ausstellung „Jugendopposition in der DDR“, die am Samstag im Heimatmuseum Nidda eröffnet wird. Sie stellt 18 Kurzbiografien junger Frauen und Männer vor, deren Zivilcourage vom System mit Psychoterror, Haft oder gar Todesstrafe beantwortet wurde.

Drakonische Strafen

Sie waren Umweltaktivisten oder Kriegsdienstverweigerer, wandten sich öffentlich gegen die Niederschlagung der Reformbewegung in der damaligen Tschechoslowakei, des „Prager Frühlings“, oder gegen den Mauerbau an den Grenzen der DDR. Sie wurden zum Tode verurteilt oder „nur“ von der Universität verwiesen und in Wäschereien oder Fabriken gesteckt. Später prominente Künstler wie Bettina Wegner waren dabei oder Unbekannte, an deren Schicksal nur der unmittelbare Freundes- und Familienkreis Anteil nahm.

Das Niddaer Heimatmuseum ist eines der ersten, das diese Ausstellung zeigt. Erst vor wenigen Monaten wurde die Präsentation von der Robert Havemann-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der Diktatur der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) fertiggestellt. Dem „Verein Heimatmuseum Nidda“ und seinem Vorsitzenden Reinhard Pfnorr gelang es, sie nach Nidda zu holen. „Wir setzen damit einen Schwerpunkt fort, der schon in der Vergangenheit viel Interesse gefunden hat“, betont Pfnorr. Die Ausstellungen „Die deutsch-deutsche Grenze“, „Der Schrei nach Freiheit“ und „Opposition und Widerstand in der DDR“ waren hier zu sehen.

Stefanie Wahl und Tom Sello haben die Ausstellung ausgearbeitet, beide sind im SED-Staat aufgewachsen. Die Germanistin und Soziologin Wahl entwickelte als freie Autorin Ausstellungen zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Sello hatte schon ab 1979 Kontakt mit Oppositionellen.

Die Ausstellung wird am Samstag, 11. August, um 18 Uhr im Heimatmuseum Nidda eröffnet. Sie ist bis Anfang Oktober zu sehen. Das Museum ist dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

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