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Nidda Ein Dorf rettet seine Kirche

Die Einwohner von Unter-Lais packen selbst mit an, um ihre marode Johanniterkirche wieder in Schuss zu bringen.

06.09.2010 16:15
Die Johanniterkirche in Unter-Lais Foto: Sascha Rheker/attenzione


Das Urteil der Denkmalschützer ist schmeichelhaft für das Kirchlein, weniger für Unter-Lais. „Kleine, mittelalterliche Kirche mit Kirchhof, am Rande des sonst unbedeutenden Ortes“, steht in der Wetterauer Denkmaltopographie. Seit eine neue Kirche in den 70er Jahren in Betrieb ging, verfiel das kleine Gotteshaus. Nun macht sich ein Förderverein an seine Rettung.
Das Kirchlein ist eng mit der Stadtgeschichte verknüpft. Zum ersten Mal wird Nidda 1187 urkundlich erwähnt, als Graf Berthold dem Johanniterorden Mönchsgemeinschaft mehr als 20 Orte schenkt. In dieser Urkunde werden auch Höfe in „Leizaha“, dem heutigen Ober- und Unter-Lais, erwähnt. Bei der Bewirtschaftung der Güter, die meist verpachtet wurden, bauten die Niddaer Johanniter wohl die kleine Kirche. Romanische Stilelemente sprechen für einen Bau nach 1200, Tür- und Fensterformen sind spätgotisch. Ein dendrochronologisches Gutachten weist nach, dass das Holz des Daches und Turmgestühls 1479/80 gefällt wurde. Bei Renovierungsarbeiten 1927 wurden Grundmauerreste eines Chores gefunden, der 1723 abgebrochen und durch einen größeren Fachwerkanbau ersetzt worden war.
Bis in die 70er Jahre des vergangen Jahrhunderts war der Bau noch die Gemeindekirche von Ober- und Unter-Lais. Alte Fotos zeigen einen schlichten, aber doch eindrucksvollen Innenraum mit Stilelementen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Ende der 60er Jahre hatte ein Architekt die Baufälligkeit des Anbaus von 1723 festgestellt. Professor Otfried Dascher, Leiter des nordrhein-westfälischen Staatsarchivs Düsseldorf, als Sohn des Lehrers in Ober-Lais aufgewachsen, schreibt: „Diesen Anbau hat man 1971 mit Zustimmung der Denkmalpflege eingerissen – eine Entscheidung, die nachträglich nicht mehr kommentiert werden soll!“ Der damalige Zeitgeist – alles sollte „moderner, besser, schöner“ werden – wurde der kleinen Kirche zum Verhängnis. 1972 wurde ein „Kirchenmehrzweckgebäude“ eingeweiht. Damit schien das Schicksal der Johanniterkirche besiegelt. Die durch den Abriss des Nebengebäudes entstandene Lücke im Gemäuer verschloss man nur mit einer Bretterwand, die kaum Schutz vor der Witterung bot.
Am 16. Juni 2005 wurde der Förderverein Johanniterkirche Unter-Lais gegründet, um zu retten, was noch zu retten war. 19 Mitglieder bei der Gründung – inzwischen ist ihre Zahl auf 63 angewachsen – scheinen nicht gerade imponierend viel zu sein, aber sie haben schon Wesentliches erreicht, trugen mit stolzen 30000 Euro zur Sanierung des Dachstuhles bei.
Hilfe kam auch aus der Umgebung. So erhielt der Verein – vermittelt durch die Johanniter-Unfallhilfe Hirzenhain/Düdelsheim – eine Zuwendung der Charlotte Böhmer-Roth-Stiftung von 10 000 Euro. Hilfreich ist der junge Steinmetz Martin Röhling, Aktivist des Vereins Heimatmuseum Nidda, der als sein Meisterstück einen Sandsteinaltar für die Johanniterkirche ausführte. Der Vorsitzende Rudolf Nies, gelernter Landmaschinenmechaniker, packt selbst mit an: Er wird das schmiedeeiserne Eingangstor zur Kirche entrosten und reparieren. Rund 150.000 Euro soll die Sanierung kosten. Die Landeskirche übernahm 65.000 Euro, das Landesamt für Denkmalpflege 20.000 Euro.

Spenden an den Förderverein Johanniterkirche Unter-Lais können auf das Konto 1632590 bei der Volksbank Main-Kinzig-Büdingen, BLZ 506 616 39, eingezahlt werden.

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