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Naziverbrecher in der Wetterau Die Jagd nach Dr. Tod

Er gilt als „der Schlächter von Mauthausen“ und wird auch „Dr. Tod“ genannt: Der KZ-Arzt Aribert Ferdinand Heim war lange Zeit weltweit der meistgesuchte Naziverbrecher. Nach dem Krieg lebte er in der Wetterau - unbehelligt.

13.12.2010 17:28
Bruno Rieb
Aribert Heim ermordete im KZ Mauthausen auf sadistische Weise Gefangene. Er war der meistgesuchte Nazi-Verbrecher. Foto: dpa

Aribert Heim war Arzt am Bürgerhospital in Friedberg, bei VfL Bad Nauheim spielte er in dieser Zeit Eishockey. Der Historiker und Journalist Stefan Klemp hat ein Buch über die Jagd auf den Nazi-Arzt verfasst, 320 Seiten dick. Als Mitarbeiter des Simon Wiesenthal Centers, einer Menschenrechtsorganisation, die sich vor allem mit dem Holocaust beschäftigt, war Klemp selbst an der Fahndung beteiligt. Am kommenden Samstag spricht er in Friedberg über die Jagd auf Dr. Tod. Veranstalter ist die Antifaschistische Bildungsinitiative Wetterau.

Ob der 1914 geborene Heim noch lebt, ist ungewiss. Im Februar 2009 wurde berichtet, er sei bereits 1992 in Kairo an Darmkrebs gestorben. Die Berichte stützten sich auf Aussagen des Sohnes von Aribert Heim. Er soll angeblich auf einem Armenfriedhof an der Kairoer Altstadt begraben worden sein. Der Leichnam wurde nicht gefunden, forensische Beweise für seinen Tod fehlen also.

Heim war nur wenige Wochen im Jahr 1941 Arzt im KZ Mauthausen gewesen. Diese kurze Zeit brachte ihm den Ruf eines sadistischer Mörders ein. „Er war von allen Lagerärzten in Mauthausen der schrecklichste“, berichtete ein überlebender politischer Gefangener 1949.

Heim injizierte seinen Opfern Giftspritzen direkt ins Herz. Er operierte Häftlinge ohne Betäubung und entnahm ihnen aus reinem Sadismus Organe. Zuvor hatte Heim in den Konzentrationslagern Buchenwald und Sachsenhausen gearbeitet.

Im März 1945 war Heim vom US-Militär festgenommen worden. Er kam wieder frei und arbeitete 1947 am Bürgerhospital in Friedberg als Assistenzarzt. In der Saison 1947/48 spielte er beim VfL Bad Nauheim. Eishockey hatte der Österreicher auch schon in seiner Zeit in Mauthausen gespielt. 1949 ließ er sich als Arzt in Mannheim nieder, ab 1954 praktizierte er als Gynäkologe in Baden-Baden.

Kurz bevor ein 1961 in Wien ausgestellter Haftbefehl vollstreckt werden konnte, tauchte Heim 1962 unter. Während international nach ihm gefahndet wurde – eine Belohnung von 260000 Mark war für seine Ergreifung ausgesetzt –, lebte Heim von den Einnahmen eines Mietshauses in Berlin, das ihm Monat für Monat rund 7000 Mark bescherte. 1979 wurde das Haus zwangsversteigert. Im März 1997 gab es einen anonymen Hinweis, Heim lebe in Weilrod im Taunus. Fahnder suchten dort vergeblich.

Stefan Klemp spricht am Samstag, 18. Dezember, ab 18.30 Uhr im Jugendhaus Junity in Friedberg, Burgfeldstraße 19, über „KZ-Arzt Aribert Heim – Die Geschichte einer Fahndung“.

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