Lade Inhalte...

Nahverkehr in Hessen Die Horlofftalbahn soll wieder fahren

Der Kreistag in der Wetterau beschließt die Reaktivierung der Strecke Wölfersheim-Hungen. Damit kommen Pendler bis zu 30 Minuten schneller und ohne Umsteigen nach Frankfurt.

Nahverkehr in Hessen
Endstation Wölfersheim-Södel, der Prellbock versperrt seit 2003 die Strecke nach Hungen. Foto: Sebastian Göbel / Gemeinde Wölfersheim

Politisch ist die Horlofftalbahn ein Stück weiter auf das Gleis gehoben worden. Der Kreistag in Friedberg hat nun die Reaktivierung der Anfang 2003 stillgelegten Strecke zwischen Wölfersheim und Hungen (Landkreis Gießen) beschlossen. Anlass für die Kreisausschussvorlage war die Mitteilung aus dem hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, dass in einer Studie zur Stärkung des Schienenverkehrs der zwölf Kilometer langen ruhenden Verbindung nach Friedberg ein „besonders gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis“ bescheinigt werde. Als voraussichtliches Datum für die Wiederinbetriebnahme wird das Jahr 2025 genannt. Dann wird sich die Fahrt von Hungen nach Frankfurt um 30 Minuten verkürzen. Für Pendler aus Wölfersheim ergibt sich der Vorteil, in einem Rutsch zum Frankfurter Hauptbahnhof zugelangen - ohne zwei Mal umzusteigen.

In den Gemeinden Wölfersheim und Hungen gab es offenbar immer den starken Glauben, dass eines Tages auf der Horlofftalbahn wieder ein Zug rollen wird. Nach dem Betriebsende kauften die beiden Kommunen die Strecke und hielten sie instand, obwohl höchsten die Freiwillige Feuerwehr darauf Draisinenrennen veranstaltete. 2010 gab es schon einmal einen Vorstoß des Kreises, die Horlofftalbahn wiederzubeleben. Die Weitsicht, die Infrastruktur zu erhalten, habe die Reaktivierung ermöglicht, sagte Rouven Kötter (SPD), einstmals Bürgermeister in Wölfersheim. „Die Strecke ist für den gesamten Kreis von Bedeutung“, sagte er im Kreistag.

Ausstiegsklausel für Kommunen

Landrat Jan Weckler (CDU) sieht die Notwendigkeit auch in der jüngsten IHK-Studie zu den Pendlerströmen in der Region begründet. Danach haben zehn Prozent der Menschen in der Wetterau einen Arbeitsplatz in Frankfurt. Mit der Absichtserklärung werde ein Aufschlag gemacht, so Weckler. Die Vorplanung und Ermittlung von Daten könne nun erfolgen. Für den Fall unwägbarer Kosten, steht der Beschluss jedoch nicht für ein Augen-zu-und-durch. „Für alle Kommunen gibt es eine Ausstiegsklausel“, sagte Weckler.

Der Landkreis Gießen wird am kommenden Montag über eine identische Vorlage zur Horlofftalbahn entscheiden. Wie die FR aus dem dortigen Landratsamt erfuhr, wird dort ebenfalls mit einem klaren Votum für die Reaktivierung gerechnet.

Alles wird vom Geld abhängen. Auch wenn die Strecke in Schuss gehalten wurde - den heutigen Anforderungen entspricht sie nicht mehr. Die Sanierungskosten werden auf gut 20 Millionen Euro geschätzt. Die Landkreise verpflichten sich, die anteiligen Kosten zu übernehmen. Das Land wird 85 Prozent der förderfähigen Ausgaben tragen. Mit dem Hessischen Mobilitätsfördergesetz will das Land von 2020 an jährlich mindestens 100 Millionen Euro für kommunale Verkehrsvorhaben bereitstellen, die Hälfte davon für Bus und Bahn, heißt es aus Wiesbaden. Der Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe, an dem beide Landkreise Anteile halten, wird ebenso in das Projekt und in den späteren Betrieb eingebunden wie der Rhein-Main Verkehrsverbund.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen