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Karben „Ein fabelhafter Beitrag“

Schüler eines Geschichtskurses der Kurt-Schumacher-Schule haben an der Ausstellung „Legalisierter Raub“ mitgewirkt. Sie haben sich mit den Schicksalen zweier jüdischer Bürger in Karben beschäftigt.

Lehrerin Monika Rhein mit ihren Schülern. Foto: Michael Schick

Bettina Leder-Hindemith ist voll des Lobes für den Geschichte-Leistungskurs von Monika Rhein. Die zehn Schüler der Kurt-Schumacher-Schule haben sich für die Ausstellung „Legalisierter Raub“, die noch bis 30. November im Kurhaus Bad Vilbel zu sehen ist, mit den Schicksalen von zwei jüdischen Bürgern in Karben beschäftigt.

„So etwas habe ich noch nicht oft erlebt“, sagt die beim Hessischen Rundfunk für die Ausstellung „Legalisierter Raub“ zuständige Referentin. Auch in der Vergangenheit hätten Schüler sich mit guten Beiträgen an der Wanderausstellung beteiligt. Aber in so selbstständiger Weise sei das bisher kaum geschehen, betont Leder-Hindemith. Sie sei letztlich nur in der Schule gewesen, um den Schülern die Platzverhältnisse in den Ausstellungsvitrinen zu erklären. In diesen sind die Ausarbeitungen der Schüler nun noch neun Tage zu begutachten.

Anhand von Aufzeichnungen und Archivdokumenten rekonstruierten sie die Leidenswege von Klärchen Kirschberg aus Burg-Gräfenrode und Moritz Grünebaum aus Groß-Karben. Während es zu „Klärchen“, wie sie heute noch genannt wird, viele Quellen und sogar einen Film mit Zeitzeugenberichten gibt, ist die Zahl der Schriftstücke über den letzten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Groß-Karben gering. „Wir wussten, dass es viel über Klärchen gibt“, sagt die 19 Jahre alte Hannah Zang. „Man konnte ganz gut was finden.“ 2012 hatten einige der Schüler sogar noch ein Interview mit der im Februar verstorbenen Frau geführt.

Die Schülergruppe um Tim Braunroth dagegen tat sich mit dem 1889 geborenen Textilhändler Grünebaum da schon schwerer. Auf Zeitzeugenaussagen, wie sie im Film über Klärchen enthalten sind, konnte sie nicht zurückgreifen. Da habe es nur wenige Dokumente gegeben, sagt Lehrerin Rhein. Die 1939 nach England und später in die Vereinigten Staaten emigrierte Klärchen Kirschberg und der im Ghetto Lodz ermordete Moritz Grünebaum waren jedoch nicht die einzigen Personen, nach deren Spuren die Schüler in den Staatsarchiven in Darmstadt und Wiesbaden suchten. „Es gab Leute, da haben wir uns ganz viel erhofft und es gab nichts“, sagt Rhein.

Bei welchen Personen es sich überhaupt lohnen würde für die Ausstellung nachzuforschen, hatte den Schülern Hartmut Polzer erläutert. Er hat die Initiative „Stolpersteine in Karben“ ins Leben gerufen. „Herr Polzer war die erste Quelle“, sagt Rhein.
Erstmals gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, bei der Ausstellung mitzumachen, wurden Lehrer der Kurt-Schumacher-Schule bei einem Termin der Ausstellungsmacher am Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel. Rheins Schüler wollten. „Ein kleiner Leistungskurs, mit dem kann ich so etwas machen.“

Eigene Entscheidung

„Wir haben arbeitsteilig angefangen“, sagt die Pädagogin. Vor gut einem Jahr habe der Kurs mit den Recherchen begonnen. Immer zwei Leute hätten sich anfangs eine Person ausgesucht. Am Ende blieben Kirschberg und Grünewald übrig. Bei ihnen war die Suche am ergiebigsten. Fertig sei man kurz vor den Sommerferien geworden. Das Resultat ist seit dem 15. September im Kurhaus Bad Vilbel in zwei Vitrinen zu sehen. Eingegriffen habe sie kaum in die Arbeiten der Schüler, sagt Rhein. „Die haben selbst entschieden, was wichtig ist.“ Damit lagen sie offenbar goldrichtig. „Ein fabelhaftes Ergebnis“, kommentiert Leder-Hindemith.

Kein Wunder, waren doch die Schüler mit großem Elan dabei. Im Gegensatz zum regulären Unterricht sei es ein ganz anderes Gefühl gewesen, „wenn man die Akten mit Stempeln in der Hand hat“, meint die 17-jährige Alicia Zeiler. Sich auf den Spuren einer Person zu bewegen, sei etwas anderes, pflichtet ihr ein Mitschüler bei. Jedes Dokument bringe etwas Neues. Im Unterricht habe man dagegen von vielen Themen schon eine Ahnung.

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