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Karben Degenfeldschen Schloss Die Zwickmühle mit dem Schloss

Das Rote Kreuz in Karben pocht auf kostenloses Quartier am Degenfeldschen Anwesen. Der Mietvertrag kam allerdingst vor vielen Jahren quasi per Handschlag zustande. Das könnte sich jetzt rächen.

23.05.2013 22:16
Peter Hauff
Das Degenfeldsche Schloss. (Archivbild). Foto: Sascha Rheker

Das Rote Kreuz in Karben pocht auf kostenloses Quartier am Degenfeldschen Anwesen. Der Mietvertrag kam allerdingst vor vielen Jahren quasi per Handschlag zustande. Das könnte sich jetzt rächen.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) nutzt mit einer Katastrophenschutz-Einheit kostenlos Räume und Stellplätze am Degenfeldschen Schloss. Der Mietvertrag für ihr Gerätehaus kam vor über zwanzig Jahren durch Alt-Bürgermeister Detlev Engel quasi per Handschlag zustande. Das könnte sich nun rächen. Engel und Alt-Stadtrat Ernst Puchtinger verzichteten damals auf einen Beschluss im Stadtparlament.

„Wenn dieser Geheimvertrag gültig war, kommen wir auf ewige Zeit nicht mehr heraus“, ärgert sich heute Bürgermeister Guido Rahn. Der DRK-Kreisverband Friedberg sitzt am juristisch längeren Hebel. Sie fühlen sich am mietfreien Standort im recht und wollen die zum 31. Juli ausgesprochene Vertragskündigung nicht akzeptieren.

„Wir wollen ja nicht mit der Peitsche zuschlagen“, sagt DRK-Sprecher Norbert Gerlach. Der Kreisverband des Roten Kreuzes in Friedberg habe jedoch Widerspruch eingelegt und werde notfalls vor Gericht ziehen. Das DRK könne sich eine monatliche Miete von mehreren hundert Euro nicht leisten, sagt Gerlach. „Wir sind selbst am Suchen, aber finanzierbare Objekte, die wir stattdessen beziehen könnten, gibt’s nicht.“

In dem ehemaligen Feuerwehrgerätehaus stehen fünf Fahrzeuge und eine DRK-Feldküche. Hinzu kommen Feldbetten und weiteres Material für Katastrophenfälle. Nicht nur der Fahrzeugpark, auch das ehemalige Feuerwehrhaus muss aber binnen 18 Monaten verschwinden. Denn das Grundstück und alle Anwesen rund ums Degenfeldsche Schloss sind verkauft. Im Januar unterschrieben die neuen Eigner, dass der denkmalgeschützte Bau renoviert wird. Und mit DRK-Schuppen vor dem Haus sieht Denkmalschutz schwierig aus.

Auch Brandschutzvorschriften konnten vergangene Nutzer des Degenfeldschen Schlosses bisher ignorieren, weil frühere Chefs im Rathaus ihnen Raum überließen, ohne eine in solchen Fällen nötige Nutzungsänderung im Rathaus anzubahnen und dann im Stadtparlament abzusegnen.

Karbens ehemaliger Bürgermeister Detlev Engel ist seit neun Jahren aus dem Dienst und versteht nicht, warum „so ein Bohei“ um fehlende Änderungsanträge gemacht wird. Auch heutzutage übliche Vorschriften für den vorbeugenden Brandschutz habe damals niemand vor Augen gehabt: „Die baulichen Maßnahmen sind in vergangenen Jahren doch umso vieles schärfer geworden, dass die öffentliche Hand teilweise kaum noch erfüllen kann, was verlangt wird“, sagt Engel.

Die neuen Eigner haben auch unterschrieben, dass der bisher dort untergebrachte Jugendclub und Teile des von Bürgern bestückten Heimatmuseums mindestens 15 Jahre im Schloss bleiben können. Drohende Brandschutzkosten und ein Ersatzquartier für das DRK sind in ihrem Vertrag nicht aufgeführt. Wer dafür zahlen soll, steht in den Sternen.

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