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Johanniterturm in Nidda Keine Pfette ist mehr stabil

Der Johanniterturm ist das letzte Zeugnis der ältesten Siedlung des Ordens in Hessen. Nun hat eine umfassende Sanierung des Turmes begonnen.

24.02.2012 23:07
Bruno Rieb
Der Johanniterturm in Nidda wird saniert. Foto: Sascha Rheker

Knechte und Mägde füttern Pferde, Kühe, Schafe und Schweine. Bauern fahren auf die Felder hinaus. Im Brauhaus wird Bier gebraut, im Backhaus duftet es nach kernigem Roggenbrot. Ein Müller zahlt in der Amtsstube sein Mahlgeld und ein Pächter schuldige Zinsen. Ein Johanniterbruder trägt die Einnahmen sorgfältig in das dicke Wirtschaftsbuch des Klosters ein. Dieses Bild eines florierenden Klosters zeichnet der Historiker Karl Kraft in seinem Buch „Die Johanniter in Nidda“, anhand historischer Dokumente. Von 1187 bis 1585 prägte das Kloster das Leben in der Stadt.

Die Niddaer Johanniterkomturei war die älteste in Hessen und die achtälteste in Deutschland. Von ihr zeugt heute nur noch der Turm der einstigen Kirche. Und der ist ziemlich marode. Bereits 2007 war festgestellt worden, dass keine einzige der Pfetten des Glockenstuhls mehr stabil ist. Eine auf der Wetterseite „löste sich unter den Händen des Statikers sogar buchstäblich in Staub auf“, berichtet Uwe Bonarius, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Das Geläut wurde abgeschaltet, um gefährliche Schwingungen zu vermeiden. Notsicherungsarbeiten wurden ausgeführt.

Nun hat die umfassende Sanierung des Turmes begonnen. Ein Zimmermann tauscht in traditioneller Bauweise zahlreiche Balken und Mauerlatten der Dachkonstruktion aus. Die Turmspitze wird mit Naturschiefer neu eingedeckt. Vom historischen Putz soll so viel wie möglich erhalten werden. Eine Restauratorenwerkstatt wird ihn reinigen und, wo nötig, durch speziellen Kalkmörtel ergänzen, erläutert Bonarius. Die Farben werden untersucht, zerbröselte Steine ausgetauscht und die Sandsteinumrandung der Fenster restauriert. Schlosser-, Glaser- sowie Malerarbeiten an den Ziffernblättern der Turmuhr kommen hinzu. Etwa 340000 Euro soll das alles kosten. Die Stadt rechnet mit 200000 Euro Zuschuss vom Denkmalschutz.

Der Turm ist „wegen seiner geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung“ Kulturdenkmal, wie es in der Denkmaltopographie für den Wetteraukreis heißt. Das quadratische Gebäude mit seinen vier Steingiebeln ist 1491 an das romanische Kirchenschiff der Johanniterkirche angebaut worden. Die Kirche und das gesamte Kloster hat der Turm überlebt. 2004 gab es archäologische Grabungen am Turm. Danach wurden Teile der Grundmauern des ehemaligen Kirchenschiffs rekonstruiert.

Der Johanniterorden hatte sich aus einer um 1050 in Jerusalem gegründeten Krankenpflege-Bruderschaft entwickelt. Seine über Europa verteilten Güter hatte er in übergeordnete, sogenannte Großpriorate und Balleien zusammengefasst. Die kleinste selbstständige Einheit war die Kommende, auch Komturei genannt. Die Komturei Nidda gehörte zur Ballei Wetterau. Der Orden erhielt viele Besitztümer geschenkt. 1187 hatte Graf Bertold II. von Nidda dem Orden die Pfarrei Nidda mit beträchtlichem Grundbesitz übertragen.

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