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Groß-Karben „Gedenken hat keine Verfallszeit“

Der Künstler Gunter Demnig hat in Groß-Karben weitere Stolpersteine und eine „Stolperschwelle“ verlegt.

Demnig befestigt die erste Stolperschwelle in Karben. Foto: Rolf Oeser

Es ist der vorläufige Schlusspunkt eines bald zehnjährigen Erinnerungsprojekts. Am Sonntag verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig an der Heldenberger Straße eine rechteckige Messingplatte, die an die Zerstörung der Synagoge in Groß-Karben durch die Nazis erinnert. Die Inschrift dieser „Stolperschwelle“ lautet: „Hier erbaut um 1840 / Die Synagoge der jüdischen Gemeinde Groß-Karben / Geschändet und zerstört / 10. November 1938“. Im März 2007 hatte das Stadtparlament beschlossen, Stolpersteine von Demnig verlegen zu lassen. 61 sind es letztlich geworden. Sie erinnern an den früheren Wohnorten an die Kärber Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft.

Die in das Trottoir eingelassene Schwelle ist jedoch die erste ihrer Art in Karben. Anders als die Stolpersteine, von denen laut Demnig mittlerweile rund 58 000 in mehr als 20 europäischen Ländern liegen, kommt sie nur selten vor. Rund 70 Menschen verfolgten am Sonntag, wie der Künstler nicht nur die Schwelle im Boden befestigte, sondern in der Nähe auch weitere fünf Steine aneinanderreihte. Sie erinnern an der Heldenberger Straße 8 an die 1936 vor den Nazis geflohene Familie Strauss. „Das Stolperstein-Projekt ist aber nicht nur rückwärts gerichtet, sondern auch eine Mahnung für die Gegenwart und Zukunft“, sagte Hartmut Polzer. Es stehe für ein „friedliches Miteinander“.

Bedeutung des Wortes Synagoge

Der 69-jährige Polzer, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Irma Mattner die Kärber Stolperstein-Initiative gegründet hat, hielt sich bei der Zeremonie am Sonntag im Hintergrund. Die Informationen lieferten diesmal andere: Zwei Mitarbeiterinnen des Karbener Heimatmuseums stellten die Familie Strauss vor. Der evangelische Pfarrer Werner Giesler erläuterte den Zuhörern die Bedeutung des Wortes Synagoge, das aus dem Griechischen stammt und übersetzt Versammlung heißt. Zwei Schülerinnen der Kurt-Schumacher-Schule sprachen über die Geschichte des jüdischen Gotteshauses in Groß-Karben. Eine ehemalige Schülerin der Schule ließ das Gebet „Osse Shalom“ auf der Klarinette erklingen. Andrew Steiman, Rabbiner der Budge-Stiftung in Frankfurt, nannte die in den Boden eingelassenen Messingkörper ein „Stückchen Heiligkeit“.

Karben hat nun sechs weitere kleine Denkmale. Möglich wurden sie – wie die anderen 56 Steine – durch das finanzielle Engagement vieler Paten. „Du musst, wenn du sie lesen willst, eine Verbeugung machen“, sagte der Künstler Gunter Demnig am Sonntag. Und diese Verbeugung soll, wenn es nach Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU) geht, nicht aufhören: „Das Gedenken an die Opfer von Gewaltherrschaft und Diktatur hat keine Verfallszeit.“

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