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Glauburg Rätselhafte Pfähle

Neue Erkenntnisse über die 16 Pfähle am Keltengrab am Glauberg belegen, dass diese Sehenswürdigkeit zu einer anderen Zeit errichtet wurde als der Fürstengrabhügel.

21.01.2011 16:31
Bruno Rieb
Das Keltengrab am Glauberg. Foto: Renate Hoyer

Die 16 Pfähle, die sich am rekonstruierten Fürstengrabhügel erheben, gehören zu den markantesten Sehenswürdigkeiten der Keltenwelt am Glauberg. Die gut acht Meter hohen Pfähle galten bislang als rekonstruierter keltischer Kalender, der in dieser Form einzigartig in Europa wäre. Neueste archäologische Erkenntnisse besagen allerdings, dass die Pfähle nicht zur selben Zeit errichtet wurden.

Am kommenden Montag befasst sich eine hochkarätig besetzte Expertenrunde im neuen Kelten-Museum hinter verschlossenen Türen mit der Archäoastronomie im Allgemeinen und dem Kalenderbauwerk im Besonderen. Das Ergebnis der Expertenrunde soll anschließend in einer Pressekonferenz verkündet werden.

Bei Grabungen in den 90er Jahren waren Archäologen auf die Reste von 16 Balken gestoßen. Lange war über deren Bedeutung gerätselt worden. Professor Bruno Deiss, Wissenschaftlicher Direktor des Physikalischen Vereins und der Sternwarte Frankfurt, kam zu dem Schluss, dass es sich um ein 2500 Jahre altes Kalendarium handele. Am 1. September 2007 wurde das rekonstruierte Kalendarium vor rund 2000 Gästen eröffnet, darunter der damalige hessische Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) und Landesarchäologe Egon Schallmayer.

Deiss’ Theorie: Die Druiden, die keltischen Gelehrten und Priester, hätten die Pfähle benutzt, um die Zyklen von Sonne und Mond zu bestimmen. Die Priester galten als Hüter der Zeit. Sie hätten mit dem Kalender religiöse Tage und die besten Zeiten für Aussaat und Ernte vorausgesagt. Wo die Balken einst standen und heute wieder stehen, seien viele Hinweise gefunden worden, dass es sich um einen heiligen Bezirk handelte.

„Die Gelehrten gingen hier in Zwiesprache mit den kosmischen Objekten, das war eine Kulthandlung“, sagte Deiss bei der Eröffnung des Kalendariums. Die Priester hätten die Anlage so platziert, dass die Sonne zur Sonnenwende exakt hinter der Spitze des Hardeck aufging, einem nahe gelegenen Berg. Die Marke für Anfang November, der Halbzeit zwischen Tag- und Nachtgleiche und der Wintersonnenwende, sei der 15 Kilometer entfernte Berg Eichelkopf gewesen.

Ob es sich bei den Pfosten um einen Kalender handele, sei „Interpretationssache“, sagte Deiss am Freitag zur Frankfurter Rundschau. Nachweisen lasse sich seine Funktion heute nicht mehr, weil sich die Erde heute nicht mehr genau so bewege wie vor 2500 Jahren. Schriftliche Überlieferungen der Kelten gibt es nicht. Die Wissenschaftler sind auf das angewiesen, was ihnen die Erde an Relikten preisgibt.

Laut Deiss haben Archäologen inzwischen herausgefunden, dass die Pfostengruppen zeitlich versetzt errichtet worden sind. Das widerspreche aber nicht unbedingt seiner Theorie, dass es sich um einen Kalender handele, meint Deiss.

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