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Fürstenhaus zu Ysenburg und Büdingen Klammes Fürstenhaus muss zahlen

Die Fürstenfamilie zu Ysenburg und Büdingen muss nach einem Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts einem Geschäftsmann eine Million Euro samt Zinsen zurückzahlen. Da die Causa aus dem Jahr 2003 stammt, kommt eine ordentliche Summe zusammen.

Das Büdinger Schloss, in dem die Fürstenfamilie residiert. Foto: Stadt Büdingen

Das Fürstenhaus zu Ysenburg und Büdingen hat offenbar all sein Geld verjuckt. Und es kommt noch dicker: Das Oberlandesgericht Frankfurt verdonnerte am Mittwoch Prinz Ferdinand Maximilian sowie dessen Vater Fürst Wolfgang Ernst zu Ysenburg und Büdingen zur Rückzahlung von einer Million Euro an einen früheren Freund des Hauses – inklusive sieben Prozent Zinsen. Angesichts dessen, dass die Causa aus dem Jahr 2003 stammt, kommt ein ordentlicher Batzen zustande.

Prinz Maximilian hatte sich im Mai 2003 via E-Mail an einen alten Freund, Reeder in Hongkong und Pate eines der prinzlichen Söhne, gewandt: Er benötige dringend eine Million Euro, um die Pleite der familieneigenen Keramikfabrik Wächtersbach abzuwenden. Das 1832 gegründete Unternehmen, dem unter anderem die – wenn auch nicht belegbare – Erfindung der Henkeltasse nachgesagt wird, stand kurz vor dem Aus. Daran konnte allerdings auch die geborgte Million, die nur zwei Tage nach der Mail ohne Darlehensvertrag auf dem Konto des Fürsten landete, mittelfristig nichts mehr ändern.

Mittlerweile ist auch der Fürst höchstselbst pleite. Und der Reeder hat bis heute nicht viel von seinem verborgten Geld gesehen – mit Ausnahme von zwei Zahlungen über 30.000 Euro zur Zinsabstotterung.

Seitdem beschäftigt der Fall die Gerichte. Der Prinz argumentierte, nicht er, sondern sein Vater sei der Darlehensnehmer. Der aber habe nichts mehr. Und er selbst auch nicht.

Das Wir entscheidet

Der fehlende Darlehensvertrag machte die Rechtslage nicht gerade klarer. Doch für das Oberlandesgericht stand fest: Das verarmte Fürstenhaus ist zur Rückzahlung verpflichtet. Der Prinz hatte in Mails an seinen Ex-Kumpel immer wieder betont, man werde zurückzahlen – und dabei das Wort „wir“ verwendet.

Das Oberlandesgericht hält’s da mit der SPD: Das Wir entscheidet! „Wir ist der Plural von ich“, sagte der nicht nur juristisch, sondern auch grammatisch sattelfeste Richter Siegfried Janzen. Und musste dafür nicht einmal den etwas aus der Mode gekommenen Pluralis Majestatis, eine in Feudalzeiten adelsübliche Bezeichnung der eigenen Person im Plural als Ausdruck der Macht, bemühen. Denn zu schlechter Letzt habe der Prinz zur Untermauerung seiner Rückzahlungsabsichten immer wieder das bürgerliche „Ich“ benutzt. Allein aufgrund dieser Absichtserklärungen sei ein wirksamer Darlehensvertrag entstanden, heißt es in der Urteilsbegründung.

Die Fürstenfamilie muss nun nicht bloß die geliehene Summe plus Zinsen, sondern auch die entstandenen Gerichtskosten bezahlen. Eine Revision wurde vom Oberlandesgericht nicht zugelassen. Vertreter des Fürstenhauses zu Ysenburg und Büdingen waren bei der Urteilsbegründung nicht anwesend, ebsensowenig wie der Reeder aus Hongkong.

Das Fürstenhaus befindet sich seit den 90er-Jahren auf finanzieller Talfahrt. So musste mittlerweile nicht nur der 8500 Hektar große Büdinger Wald, sondern auch die fürstliche Bierbrauerei in Wächtersbach verkauft werden. Genutzt hat es wohl wenig.

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