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Friedberg Tödliche Glocken

Eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Wetterau-Museum in Friedberg bereichert die lokale Geschichtsschreibung. Sie ist bis Sommer 2019 zu sehen

Glocken im Weltkrieg
Die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt musste 1917 zwei Glocken abgeben. Foto: Stadtarchiv Friedberg

Das war ein Spektakel für die Leute“, sagt Lutz Schneider. Aus der ganzen Wetterau hätten Lastwagen die Kirchenglocken in die Friedberger Burg gebracht. In der Remise seien sie gesammelt worden, jene tonnenschweren Klangkörper, aus denen 1917 auf Anweisung der Heeresverwaltung tödliche Granaten werden sollten. Zehntausende wurden damals im gesamten Kaiserreich zerschlagen und eingeschmolzen.

Schneider, der das Stadtarchiv von Friedberg leitet, deutet auf ein Album mit braunem Einband. Es liegt in einer Vitrine des Wetterau-Museums, das seit Kurzem den vierten und letzten Teil der Ausstellung „Friedberg und Friedberger im Ersten Weltkrieg“ zeigt. „Bronze-Glocken des Kreises Friedberg – Gruppe A“ ist auf dem Einband zu lesen. Das Großherzoglich Hessische Hochbauamt in Friedberg erfasste in dem Album diejenigen Kirchenglocken des Landkreises, die abgeliefert werden mussten, jede mit Foto. Das zuständige Hochbauamt überließ dem Wetterau-Museum im Juli 1918 die Auflistung. Heute befindet sie sich im Stadtarchiv in Friedberg.

Von den „kriegswichtigen“ Glocken ist im Wetterau-Museum zurzeit keine zu sehen. Der Besucher der kleinen Sonderausstellung, die bis Ende Juni 2019 dauert, bekommt andere Exponate mit kurzen Erklärungen geboten. Ausgestellt sind die Kopfbedeckungen deutscher und französischer Soldaten, verschiedene Gewehrtypen und einiges mehr.

Rund 40 Bilder zeigen Friedberger, die im Ersten Weltkrieg kämpften, samt ihrer Todesanzeigen. Das Geschehen und die Hintergründe der letzten Kriegsjahre in Friedberg sind auf großformatigen Tafeln ansprechend aufbereitet. Konzipiert hat die Ausstellung Museumsleiter Johannes Kögler.

Für die lokale Geschichtsschreibung leistet sie einen wichtigen Beitrag. Die Ausstellung schließe eine Lücke, sagt Schneider. Das Leben in Friedberg während des Ersten Weltkriegs sei in den Texten der Lokalhistoriker und des Geschichtsvereins bis zum Jahrestag des Kriegsbeginns 2014 kein Thema gewesen.

Wie stark der Krieg auch in Friedberg alle gesellschaftlichen Institutionen durchdrang, zeigt die Geschichte der Kirchenglocken. Während die katholische Marienkirche zwei ihrer drei 1882 gegossenen Glocken abgeben musste, blieb die evangelische Stadtkirche bis auf die 12-Uhr-Glocke verschont. Die Fauerbacher Kirche verlor eine von zwei Glocken. Darüber hinaus richteten sich die Begehrlichkeiten auch auf öffentliche Bildwerke. Das Peter-Müller-Denkmal zu Ehren eines verdienten Friedberger Musiklehrers ist ein solches. 1917 blieb es noch verschont, im Zweiten Weltkrieg wurde es eingeschmolzen.

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