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Friedberg Eine Saga aus Briefen

Die Friedbergerin Cornelia Marel arbeitet die Geschichte ihrer Familie auf. In ihrem ersten Buch geht es um den Krieg 1914.

Karl Becker mit seinen fünf Söhnen um das Jahr 1910: Otto Helmuth Becker (links sitzend). Foto: Privat

Manchmal beschleiche sie beim Gang durch ihr Wohnhaus ein „spezielles Gefühl“, sagt Cornelia Marel. Die 60-Jährige lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann in der Bismarckstraße 5. Er betreibt dort ein Antiquariat. Doch für Marel steckt mehr Vergangenheit in diesem Haus, als es in dem Geschäft zu kaufen gibt. Denn schon ihre Großeltern und Urgroßeltern wohnten in dem Gebäude. Es ist das „Stammhaus“ der Familie Becker. Einen Teil der Geschichte ihrer Vorfahren hat die Friedbergerin in diesem Jahr als Sammlung von Briefen, ergänzt durch eigene geschichtliche Erläuterungen, veröffentlicht.

„Zeitdokumente einer Arztfamilie – Briefe aus dem 1. Weltkrieg“ lautet der Untertitel des ersten Teils der Bücherreihe „Gelebte Geschichte“. Die zentrale Figur ist Marels Großvater, Otto Helmuth Becker. Der Arzt diente von August 1914 an im Marine-Lazarett Veddel in Hamburg. Der Schriftverkehr zwischen ihm und seinem Vater, dem bekannten Friedberger Arzt Karl Becker, macht einen Großteil des Buches aus. Im anderen liest man hauptsächlich Briefe des Vaters an die anderen vier Söhne.

Mehrmals in der Woche schrieb Otto an seinen Alten Herrn in der Bismarckstraße 5 oder einen der vier Brüder. Einer von ihnen, Ludwig, kam kurz nach Kriegsbeginn, Ende August 1914, in Belgien ums Leben. Auch dieses für die Familie so schmerzhafte Ereignis ist Thema in den Briefen. Noch wenige Stunden vor seinem Tod diktierte der Leutnant dem Burschen ein Schreiben an seinen Vater in Friedberg. Abgeschickt wurde es nicht mehr. In Marels Buch ist es zu finden. Dagegen zeugen die Briefe Ottos, die von Hamburg aus in der Bismarckstraße 5 eintrafen, vom zunächst langweiligen Dienst im Militärkrankenhaus: „Meine ärztliche Tätigkeit ist hier gleich Null“, schreibt er am 3. Oktober 1914. Das, heißt es in den Briefen, änderte sich, als Otto in einer anderen Abteilung als Assistenzarzt eingesetzt wird.

Bald soll der zweite Band folgen

Der Verlust des Bruders beschäftigte den Sanitätsoffizier sehr. Und als wäre das nicht genug gewesen, musste zudem die geplante Heirat mit seiner Verlobten Milly erst einmal warten. „Ich habe mich überzeugen lassen, daß es wohl besser ist mit dem Heiraten zu warten, bis die Weltlage eine andere geworden ist“, so Otto Ende November 1914.

Zwischen drei und vier Monaten arbeitete Marel, die als Mikrobiologin in Darmstadt tätig ist, an der Briefesammlung. An Samstagen, abends und im Urlaub tippte sie die Originale ab, recherchierte bei den Kindern von Bekannten der Großeltern, und verfasste die historischen Hintergrund-Texte.

Auf den ersten Band soll schon bald der zweite folgen. Er handelt von der Familie im zweiten Kriegsjahr. Vor allem werde es darin aber um einen in Friedberg lebenden Spion gehen, verrät Marel. Wie viele Bücher mit Briefen der Familie Becker sie insgesamt veröffentlichen wird, weiß die Urenkelin Karl Beckers noch nicht.

Eines steht indes jetzt schon fest: Sie habe vor, eine Art Familiensaga vorzulegen. Auf der nächsten Leipziger Buchmesse, bei der das Antiquariat ihres Mannes mit einem Stand vertreten sei, werde sie für das Projekt werben. Die zweite „Gelebte Geschichte“ soll dann schon fertig sein.

Gelebte Geschichte, Teil 1: 1914, Cornelia Marel, 12,80 Euro, ISBN: 978-3-00-046870-4

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