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Friedberg 24 Hallen für den Großherzog

Das Rosentalviadukt ist das bedeutendste Bauwerk der Main-Weser-Bahn. Beinahe wäre es abgerissen worden.

09.09.2011 22:20
Bruno Rieb
Das Rosentalviadukt in Friedberg hat die Abrissgenehmigung überlebt. Foto: Monika Müller

Das Rosentalviadukt ist das bedeutendste Bauwerk der Main-Weser-Bahn. Beinahe wäre es abgerissen worden.

Beinahe hätte der Denkmaltag in der Wetterau ohne sein monumentalstes Bauwerk auskommen müssen. Die Bahn wollte die mächtige Eisenbahnbrücke im Norden Friedbergs abreißen. Seit 1979 hatte sie die Abrissgenehmigung in der Tasche. Eine neue, schlichte Betonbrücke war in unmittelbarer Nachbarschaft gebaut worden. Die Bahn wollte die Unterhaltungskosten für die alte Brücke sparen. Eine Bürgerinitiative rettete 1982 das bedeutendste Bauwerk der Main-Weser-Bahn. Seither steht es unter Denkmalschutz.

„24 Hallen“ heißt sie im Volksmund, wegen ihrer charakteristischen 24 Bögen. Offiziell wird sie „Rosentalviadukt“ genannt. Sie ist einem römischen Viadukt nachempfunden. Aus rotem Sandstein gemauert, spannt sie sich 275 Meter weit und 16 Meter hoch über das Tal der Usa. Die Bögen sind „rhythmisch unterteilt durch polygonale Pfeilervorbauten“, so die Denkmaltopographie für den Wetteraukreis. Nach je acht Bögen steht solch ein Pfeiler. Sie sind Türmen ähnlich, dadurch werde, „ganz in romantisierendem Sinne, auch Bezug genommen zur mittelalterlichen Architektur der Burg und der Stadtkirche“, erläutert Professor Peter Schubert, der das Viadukt am Sonntag präsentieren wird.

Die Brücke ist von 1846 bis 1850 gebaut worden. Großherzog Ludwig II. habe sich dafür stark gemacht, weil er von seiner Sommerresidenz in der Burg den Bahnbetrieb beobachten wollte, so die Denkmaltopographie.

Unklar ist noch, wer die mächtige Brücke geplant hat. Schubert vermutet, es könnte Georg Moller, „einer der ganz bedeutenden Baumeister jener Zeit“, gewesen sein: Der sei damals leitender großherzoglicher Baurat in Darmstadt gewesen. Es sei „kaum vorstellbar, dass in seinem Zuständigkeitsbereich eine technische und ästhetische Aufgabe dieser Dimension ohne sein Mitwirken errichtet werden konnte“, meint Schubert.

Am 1. Dezember 1850 wurde das Rosentalviadukt in Betrieb genommen. Es war auch über 100 Jahre später noch den erheblich größeren Belastungen des modernen Personen- und Güterverkehrs gewachsen. Die Züge hätte die Brücke wohl weiter tragen können. Aber sie war wegen ihrer Kurvenführung nicht für Geschwindigkeiten geeignet, wie sie von modernen Zügen erwartet werden. Deshalb wurde unmittelbar daneben die Betonbrücke gebaut.

Die Bahn verscherbelte das Kulturdenkmal 1993 an den Investor Klaus Dieter Steffens. Die Helios Energie GmbH wollte oben auf der Brücke vor einigen Jahren Hessens größte Solaranlage errichten. Die Baubehörde des Wetteraukreises vereitelte diesen Plan, weil die Anlage nicht standsicher sei. Während der Arbeiten waren Erdaufschüttungen abgerutscht.

Das Bauamt verfügte, dass die bereits errichteten Träger für die Solarzellen beseitigt werden müssen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof bestätigte diese Anordnung 2009. Die Gerüste stehen bis heute.

Führungen am Rosentalviadukt mit Professor Peter Schubert sind am Sonntag, 11. September, um 11 und um 15 Uhr. Treffpunkt ist die Usa-Brücke unter dem Viadukt.

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