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Florstadt Hakenkreuz mit Apfelbrei

Unbekannte schänden Jüdischen Friedhof in Nieder-Mockstadt. Die Täter ritzen ein Hakenkreuz in den Boden und beschmierten Grabsteine mit Apfelbrei. Die Polizei ermittelt.

Schwer zu sagen, wann genau es passiert ist. Der Jüdische Friedhof liegt außerhalb von Nieder-Mockstadt, mitten im Wald. Mitarbeiter der Stadt haben die Schändung am Mittwoch bemerkt, als sie wegen der Reparatur einer Mauer kamen. Über einem Grab war ein Loch in die Wiese gebuddelt, ein deutlich erkennbares Hakenkreuz wurde in den Boden geritzt, mehrere Grabsteine waren beschmiert – mit Apfelbrei. Die Tetrapacks lagen noch bis zum Abschluss der Spurensicherung der Kriminalpolizei am Donnerstagvormittag auf dem Gelände.

Was in den Köpfen von Friedhofsschändern vorgehe, erschließe sich ihm ja so schon nicht, das sei „ohnehin idiotisch“, sagt Bürgermeister Herbert Unger (SPD). Die Sache mit dem Apfelbrei aber habe „eine besondere Qualität des Schwachsinns“, da fehle ihm „vollends der Zugang“. Er wolle sich erkundigen, ob das vielleicht eine besonders entehrende und beschämende Wirkung habe. Weniger Zweifel dürften am rechtsextremen Hintergrund der Tat bestehen – die nicht die einzige war in jüngster Zeit im Ort. Wenige Tage zuvor hatten Unbekannte in Nieder-Florstadt am ehemaligen Schlecker und in der Nähe des Rathauses ein Hakenkreuz sowie weitere Neonazi-Zeichen und -Parolen an Wände gekrakelt und geklebt.

Der Kopf der rechtsextremen Gruppe wartet im Gefängnis auf seinen Prozess

Darauf hatte die Antifaschistische Bildungsinitiative Wetterau (Antifa-BI) hingewiesen, die schon länger davor warnt, dass sich eine rechtsextreme Jugendszene in Florstadt etabliere, gewissermaßen als Nachwuchs der „Old Brothers“. Der Chef der rechtsextremen Gruppe, Patrick W., genannt „Schlitzer“, sitzt seit März im Knast und wartet auf den Beginn seines Prozesses vor dem Landgericht Gießen. Sieben Anklagen liegen gegen den 26-Jährigen aus Echzell-Gettenau vor: wegen Drogenhandel, Volksverhetzung, Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffen- sowie das Kriegswaffenkontrollgesetz. Ein Termin für die Verhandlung sei noch nicht bestimmt, Anfragen lägen aber vor, teilt Landgerichtssprecherin Beate Bremer auf FR-Anfrage mit.

Dass W. in Haft sei, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wetterau auch weiterhin ein Problem mit Rechtsextremen habe, betont die Antifa-BI. Und die scheinen sich nun unter anderem in Florstadt zu sammeln. Von mindestens acht 16- bis 19-Jährigen sei auszugehen. Und davon, dass Mitglieder dieser Gruppe für die Schmierereien in Nieder-Florstadt verantwortlich seien, da sie sich oft in der Nähe träfen. Der Antifa-BI-Vorsitzende hält es nicht für ausgeschlossen, dass sie nun auch auf dem Jüdischen Friedhof in Nieder-Mockstadt gewütet haben könnten. Auf den Apfelbrei kann er sich aber auch keinen Reim machen. Man müsse den Vorfall sehr ernst nehmen, sagt Bürgermeister Unger, dem die Gruppe bekannt ist – auch wenn er meint, dass nicht alle der Jugendlichen wirklich rechts seien. „Aber es sind einige dabei, die eine solche Gesinnung haben und wohl auch dem Dunstkreis von Patrick W. anhängen.“ Dieser stamme schließlich aus Florstadt. Und nicht umsonst sei die Kommune Mitglied der Echzeller „Grätsche gegen Rechtsaußen“ und des „Lokalen Aktionsplans“.

„Wir versuchen, präventiv zu arbeiten, gemeinsam mit der Jugendpflege und der Polizei“, sagt Unger. Er vermute, dass die Friedhofsschänder aus der Gegend kommen, da der Friedhof in Nieder-Mockstadt ohne Ortskenntnis kaum zu finden sei. Die Hakenkreuze könnten ein Indiz sein, dass die gleichen Täter in Nieder-Florstadt am Werk waren. Wegen der Distanz der Ortsteile kämen aber auch zwei Tätergruppen in Frage. Die Polizei hält sich derweil zurück. Um Ermittlungen nicht zu gefährden, könne man noch keine weiteren Angaben machen, sagt Sprecher Erich Müller.

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