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Fledermäuse in Bad Vilbel Wo fliegen sie denn?

Viel zu erfahren gibt es bei einer Fledermauswanderung in der Stadt Bad Vilbel mit dem Nabu, zum Beispiel, dass die Population seit Jahren schrumpft.

Zwergfledermaus
Pipistrellus pipistrellus, eine Zwergfledermaus, auf der Jagd. Foto: Imago

Da, da fliegt eine“, schreien einige Buben aufgeregt in den von der Abenddämmerung gezeichneten Himmel. Frank Uwe Pfuhl legt hurtig auf einem blassgelben Metallkästchen einen Schalter um. Aus dem Lautsprecher ertönt „flupp, flupp, flupp ...“, das in der Lautstärke an- und abschwillt. Mittlerweile haben auch andere Zuhörer die Sitzbänke verlassen und sind an die Stelle geeilt, wo in der Straußenwirtschaft der Blick noch frei in den Himmel gerichtet werden kann. Köpfe liegen hart im Nacken. Eine zumeist vergebliche Suche in der einbrechenden Dunkelheit. Taschenlampen flammen auf, tasten Bäume und Himmel ab. Durcheinander gehende Kommentare überdecken den Ton des „Bat-Detektors“. Dann wieder ein Ruf „da, da!“ Noch bevor ein Finger zeigend in die Richtung des Gesuchten reckt, ist die Zwergfledermaus längst wieder woanders und verstummt. Der umtriebige Gewässerökologe Gottfried Lehr, darf nun doch noch seinen Blues an der Gitarre anstimmt, bevor mit „Bat-Detektoren“ und Taschenlampen zum Nidda-Ufer aufgebrochen wird.

Vorab hat Pfuhl, Vorsitzender der Nabu-Umweltwerkstatt, über den fliegenden Säuger referiert und abgefragt. Wie viele Arten gibt es hierzulande, weltweit? Wie groß ist der Große Abendsegler, wie klein ist die Zwergfledermaus? Zu welcher Gattung der Tiere zählen sie überhaupt, zu den Mäusen? Schätzen, Raten, und damit häufig danebenliegen, das alles zeigt, wie unbekannt das durch die Nacht flatternde Säugetier ist, das pro Individium und Sommer durchschnittlich eine viertel Millionen Insekten frisst.

An der Nidda lassen sich der Große Abendsegler und vor allem die Wasserfledermaus entdecken, die 30 bis 100 Zentimeter über der Wasseroberfläche jagt. Das Revier der weitverbreiteten Zwergfledermaus, die wie alle ihre Artgenossen auf der Roten Liste der geschützten Tiere steht, bilden hingegen auch Siedlungen. Eigentlich müsste es zumindest dieser Art im vom Bauboom beseelten Bad Vilbel und in der Wetterau gut gehen. Tut es aber nicht, sagt Pfuhl der FR.

„Der Bestand an Zwergfledermäusen nimmt trotz aller Schutzbemühungen seit 30 Jahren ständig ab.“ Es gibt weniger Orte, um Schlafplätze und Wochenstuben einzurichten. Viel benötigt das kaum zehn Gramm wiegende Tier für beides nicht. Was die alten Häuser an Ritzen und Hohlräumen boten und findet sich an Neubauten nicht mehr. „Die Leute können dennoch was für die Fledermaus tun, indem sie einen Schlafkasten hoch an die Fassade anbringen.“

Den braunpelzigen Tierchen mit seinen von einer dünnen Haut bespannten Flügel nutzt eine Behausung allein jedoch wenig. Das massive, durch den Menschen verursachte Insektensterben sei die größte Bedrohung für den Fortbestand, sagt Pfuhl. Seit 1989 sind in Deutschland 75 Prozent der Insekten verschwunden, fördert eine Langzeitstudie des Entomologen-Vereins zutage. „Das hat auch gravierende Folgen für die Fledermaus.“ Und in Bad Vilbel würden die naturnahen und damit insektenfreundlichen Gärten auch nicht mehr.

Pfuhl ringt ein wenig nach Worten, als er den Zuhörern die enorme Leistung des akustischen Sehens der Tiere beschreibt. Auf Erden gibt es die Fledermaus seit 50 Millionen Jahren, in dieser Zeit hat sie ein Echolotsystem entwickelt, mit dem sie so detailreich sieht wie der Mensch mit seinen Augen. Das Gehirn arbeitet extrem schnell, um die aus wenigen Zentimeter bis vier Meter reflektierten Ultraschallschreie vielfältig auszuwerten, das auch im raschen Flug mit knapp 40 bis 100 Kilometer in der Stunde. Pfuhl geht mit einer Daumenglied großen Zwergfledermaus an die Tische. Köpfe beugen sich neugierig dicht über das tote Katzenopfer. „Ich habe das Tier auf der Heizung mumifiziert, das ist jedoch wegen des Geruchs nicht nachzuahmen“, sagt er.

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