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Circus William Arbeit statt Qual in der Manege

Der Circus William gastiert auf dem Festplatz an der Büdinger Straße. Die Hauptattraktion: Seine elf Raubkatzen. Als einziger Zirkus in Deutschland hat er sowohl weiße Tiger als auch weiße Löwen.

Ein Herz und eine Seele: Tierlehrer Manuel Wille und der weiße Löwe Sambesi. Foto: Rolf Oeser

Sambesi hat keinen Bock. Lieber würde er weiter in der Frühlingssonne dösen. Manuel Wille drückt und knufft ihn, versucht, ihn nach oben zu hieven. Was nicht leicht ist bei einem Gewicht von etwa 240 Kilo. Willes Kopf versinkt schier in der Mähne des weißen Löwen, der sich im Außengehege im Sand wälzt.

Sambesi ist eine der Attraktionen des Circus William. Mit den vier weißen Tigern. Elf Raubkatzen reisen mit dem in siebter Generation bestehenden Familienunternehmen durch die Republik. Zwei Löwen, neun Sibirische Tiger. Alle Tiere sind in Gefangenschaft geboren, fast alle im Circus William, der derzeit in Bad Vilbel gastiert und damit wirbt, der einzige Zirkus in Deutschland zu sein, der beides hat: weiße Tiger und weiße Löwen. Die Fellfärbung, erklärt Wille, sei ursprünglich durch einen Gendefekt entstanden, der dann durch Züchtung erhalten und verstärkt wurde. „Ohne den Menschen würde es weiße Löwen und Tiger gar nicht geben.“

Keine brennenden Reifen

Seit 1889 gibt es den Circus William, der in Brandenburg heimisch ist. 44 Menschen inklusive acht Kindern sowie etwa 100 Tiere, darunter auch Exoten wie Schlangen oder Zebras, sind mit auf Tour. Im Programm sind Artistik- und Clownsnummern. 1200 Zuschauer fasst das Zelt. Vier Wille-Brüder und eine Schwester nebst Gatten leiten den Betrieb. Jeder sei für ein Gebiet zuständig, sagt Maria Weber, die Schwester.

Manuel Wille kümmert sich seit zehn Jahren um die Raubkatzen. Er kennt sie von klein auf, hat sie teils mit der Flasche aufgezogen und sogar ihre Milchzähne gesammelt. Bald kommen noch die der zwei sieben Monate alten Tigermädchen hinzu, die sich im Käfig räkeln und von ihm durch die Gitterstäbe kraulen lassen. „Die Tiere sind mein Leben“, sagt er, „ich behandle sie wie meine Kinder“. Der 32-Jährige bezeichnet sich selbst als „Tierlehrer“, das Wort „Dompteur“ mag er nicht. „Das klingt so nach Peitsche.“ Er wolle „mit den Tieren arbeiten und sie nicht quälen“. Tiger, die durch brennende Reifen springen: „Das wollen die Zuschauer heute auch gar nicht mehr sehen.“

Denn an Wildtiernummern in der Manege gibt es zunehmend Kritik, speziell in der Wetterau, nachdem vor gut einem Jahr die Elefantenkuh Maya vom Friedberger Zirkus Universal Renz wegen ihres miserablen Zustands eingeschläfert wurde. Anfragen solcher Zirkusse weise die Stadt Bad Vilbel zurück, sagt Stadtsprecher Bastian Zander. Doch anders als Karben etwa, wo die Stadtverordneten vorigen Juni beschlossen haben, Zirkussen mit Wildtieren generell keine Genehmigung zu erteilen, gibt es in Bad Vilbel eine derartige Regelung nicht. Allerdings würden vorab die Papiere und ebenso der Ruf des jeweiligen Zirkusses „genau geprüft“, sagt Zander. Und der Circus William habe einen positiven Eindruck erweckt. Zudem führe das Veterinäramt des Wetteraukreises unangekündigt Kontrollen durch.

„Es gibt immer schwarze Schafe“, sagt Manuel Wille. Die schadeten dann natürlich denen, die „das Beste aus ihrem Beruf machen wollen“. Dass der Circus Wiliam dies tue, zeigten allein die Ergebnisse der regelmäßigen Untersuchungen. Kein Tier sei angekettet, die vier Außengehege der Raubkatzen seien mit mehr als 80 Quadratmetern größer als vorgeschrieben. Man habe sie in Bad Vilbel gar nicht komplett aufbauen können, weil der Festplatz zu klein sei. „Tierschützer kommen ab und an vorbei, merken aber schnell, dass wir unsere Tiere gut behandeln“, sagt Maria Weber.

Die Tierschutzorganisation Peta weiß auf Anfrage der FR zumindest nichts Gegenteiliges über den Circus William zu berichten – abgesehen davon, dass ihrer Ansicht nach Wildtiere generell nichts im Zirkus verloren haben. Immerhin aber scheint es ihnen bei den Willes ganz gut zu gehen.

Der Circus William gastiert vom 18. bis 21. April auf dem Festplatz an der Büdinger Straße. Vorstellungen beginnen am Donnerstag um 17 Uhr, Freitag und Samstag um 15 Uhr und um 19 Uhr und sowie am Sonntag um 14 Uhr.

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