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Burg Münzenberg Weitblick von der Staufenmauer

Der Wehrgang der Burg Münzenberg ist saniert worden. Besucher können nun weit ins Land schauen. Etwas könnte jedoch noch die Aussicht trüben. Der Bau der umstrittenen Windkraftanlage ist noch nicht vom Tisch.

Burg Münzenberg
Weitsichtig, der Blick vom sanierten Wehrgang. Vom Burgfried lässt’s sich bis Frankfurt schauen. Foto: Rolf Oeser

Weit ins Land schauen, in alle Richtungen, lässt es sich nunmehr wieder von der Burg Münzenberg. Der Wehrgang der einstigen Stauferburg ist aufwendig saniert worden. Wegen der Bauschäden war die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben. Auch ein neues Geländer ist installiert worden, das den Besuchern sicheren Halt gibt. Hessens Kulturminister Boris Rhein (CDU) hat gestern die Feste aus dem 12. Jahrhundert besucht, die der Volksmund wegen ihrer mächtigen Türme auch „Wetterauer Tintenfass“ nennt. Rhein ließ sich darüber informieren, wie die 500 000 Euro für die Mauerinstandsetzung genutzt worden sind. Eine passende Gelegenheit auch für den Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg, den Politiker auf einen dringenden Sanierungsfall hinzuweisen, den einzigartigen romanischen Palas.

Die Fehler bei früheren Instandsetzungsarbeiten wurden nicht wiederholt. Der Mörtel für den Wiederaufbau und die Sicherung der Mauerkrone samt dem etwa 110 Meter langen Rundgang, wurde nach dem Original aus dem Hochmittelalter hergestellt, erläuterte Anja Dötsch, Fachgebietsleiterin Bauangelegenheiten bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten. Um herauszufinden, aus welchem Material die Fugenmasse besteht, sind Proben vom historischen Mörtel entnommen worden, der zum Bau des romanischen Palas verwendet worden ist. Das Institut für Steinkonservierung in Mainz habe die Probe analysiert, heißt es. Dass sich der junge, nach alter Mischung angesetzte Mörtel optisch von den alten Fugenfüllungen absetze, sei nicht zu vermeiden, sagte Dötsch. Die oft raue Witterung auf dem knapp 240 Meter hohen Basaltbuckel werde allerdings zu einer raschen optischen Alterung beitragen.

Und auch in diesem Jahr werden wieder Handwerker auf dem Burggelände zugange sein. Die äußere Stahltreppe zum Hocheingang des gut 30 Meter hohen östlichen Burgfrieds, der begehbar ist, muss renoviert werden. Eine andere Baustelle hat sich in der Torpforte und der Kapelle darüber aufgetan, die derzeit nicht betreten werden kann. „Erstmals sind die Sperrgitter zu zwei Gewölben an der Pforte geöffnet worden“, sagte Dötsch. Ein Schlosser musste hierzu herangeholt werden. Durch die Gewölbe, die als Unterstand für die Torwachen und Lager dienten, dringt Feuchtigkeit. Auch dort sind Fugen zu dichten und zu erneuern. Dötsch schätzt die Kosten auf bis 150 000 Euro.

Uwe Müller, Vorsitzender des Freundeskreises, nutzte die Gelegenheit, den Besuch aus Wiesbaden auf den schlechten Zustand der Ruine des romanischen Palas hinzuweisen. „Der steht quasi kurz vor dem Zusammensturz“, sagte Müller. Die Bogenfenster aus Sandstein samt der Säulen darin sind von der Witterung stark zerfressen. Bauelemente, die noch intakt aussähen, seien hingegen Nachbildungen aus Beton, die vor Jahrzehnten eingesetzt worden seien.

Bei der Sanierung der Palasmauer in den 1960er Jahren sei zudem eine aus heutiger Sicht falsche Methode angewandt worden, sagte Anja Dötsch. In brüchige Mauer- und Fugenhohlräume sei eine wassersperrende Kunstmasse gespritzt worden. „Die Verwendung von modernen Materialien in alter Bausubstanz erzeugt oft eine kontraproduktive Wirkung“, so Dötsch. Die Sanierung des Palas könne im Millionenbereich liegen, heißt es. Wann damit begonnen wird, ist offen. „Vorab ist eine umfangreiche Voruntersuchung nötig.“

Die Investition in historische Bauten „ist ein Dauerlauf, der niemals enden wird“, bemerkte Kulturminister Rhein. Er sprach davon, dass ein großes Investitionsprogramm aufgelegt werden müsse. Allerdings gehe so etwas nicht sofort. Auch sei über eine Zustandsbetrachtung aller historischen Bauwerke im Staatsbesitz zunächst herauszufinden, wie hoch der finanzielle Bedarf sei.

Rhein sicherte jedoch dem Freundeskreis seine Unterstützung zu, auch im Kampf gegen den Windkraftpark, der in Burgnähe entstehen soll. „Die Anlagen bei Wohnbach würden den Anblick auf das Tintenfass erheblich beeinträchtigen“, so Müller vom Freundeskreis. Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte vor einem Jahr die Genehmigung von vier Anlagen abgelehnt, nicht zuletzt aus Gründen des Denkmalschutzes. Die Betreiberfirma hat zu Jahresbeginn dagegen Klage beim Verwaltungsgericht Gießen eingereicht.

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