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Bad Vilbel Warme Finger und volle Konzentration

Der Gitarrist Simon Ehrler (18) ist Bundessieger bei Jugend musiziert.

Simon Ehrler spielt seit 12 Jahren klassische Gitarre. Foto: Ch. Boeckheler

Simon Ehrler entdeckt an seiner Gitarre immer neue Seiten. Das muss er gut können, denn in seiner Altersgruppe V (Jahrgang 1991/92) hat der 18-Jährige den ersten Preis im Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Essen gewonnen.

Vor Kurzem hat die Stadt erfolgreiche junge Vilbeler Musiker geehrt. Die jüngste Teilnehmerin war die sechsjährige Pauline Hoffmann beim Mendelssohn-Wettbewerb in Bad Soden, Simon Ehrler der älteste bei Jugend musiziert.

"Ich mag die Vielseitigkeit des Instruments und die weiche Klangfarbe. Damit lassen sich Gefühle gut ausdrücken", sagt Simon Ehrler. "Wenn ich in Urlaub bin, fehlt sie mir spätestens in der zweiten Woche." Der Gymnasiast hat mit sechs Jahren angefangen, klassische Gitarre zu spielen.

"Gerade am Anfang muss man schon ein bisschen hinterher sein", sagt Vater Josef Ehrler. "Nicht nur fragen: Hast du schon geübt?, sondern auch zuhören." Die Freude am Musizieren müsse aber immer im Vordergrund stehen. Simon habe "riesengroßen Spaß" am Gitarrespielen, sagt sein Lehrer Alexandros Roussos von der Musikschule Bad Vilbel. Außerdem zeichne seinen Schüler hohe Musikalität und Begabung aus sowie Konsequenz beim Üben, ohne verbissen zu sein.

Vor einem Wettbewerb übt Simon Ehrler täglich mindestens eine Stunde. Im vergangenen Oktober hat er mit der Vorbereitung für Jugend musiziert begonnen: Stücke von William Walton und Mauro Guiliani. "Das Programm ist die halbe Miete", sagt Roussos. Dafür brauche man Gespür. Es müssten Stücke sein, die am Herzen liegen.

"Wichtig ist, dass die Finger vor dem Auftritt warm sind", sagt Gitarrist Patrick Wolf. Beim Bundeswettbewerb von Jugend musiziert Anfang Juni hat der 14-Jährige sich in seiner Altersgruppe den zweiten Preis erspielt. Er hat mit dem Proben seines Vorspielstücks etwa ein halbes Jahr vorher begonnen. "Länger hat´s keinen Sinn", findet er. Vor dem Auftritt war er zwar aufgeregt, aber das gehört für ihn dazu. Die extreme Konzentration kurz vorher sei wie eine Art Rausch.

Patrick Wolf hat schon an mehreren Wettbewerben teilgenommen: "Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht so sicher", sagt er. "Je jünger die Kinder beginnen vorzuspielen, desto leichter ist es für sie", lautet Roussos Einschätzung. Dass Wettbewerbe motivieren, finden auch seine Kolleginnen Dorothea Rohdmann und Gudrun Jeggle, die beide Violine unterrichten. In einer solchen Phase werde viel konzentrierter geübt.

Aufgeregter als sein Sohn

"Eine gute Beziehung zum Lehrer ist wichtig", findet Josef Ehrler. Sein Sohn hat seit zwölf Jahren bei Alexandros Roussos Unterricht. Wenn sein Sohn auftritt, versucht Josef Ehrler stets dabei zu sein: "Ich bin aufgeregter als er und bin immer wieder überrascht, wie souverän er das macht."

Im kommenden Jahr will Simon Ehrler noch einmal bei Jugend musiziert antreten. "Danach bin ich zu alt für den Wettbewerb", meint er. Doch vielleicht stehen irgendwann einmal auch seine Schüler auf der Bühne - denn Simon Ehrler möchte Musik studieren.

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