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Bad Vilbel Sorge um Therme wächst

SPD und Grüne vermissen von der Stadt Informationen zum Stand des Mega-Projekts. Doch die wartet nach eigenem Bekunden auf eine Entscheidung des Investors

Schwimmbad-Plakat
Das Bad sollte ursprünglich Ende 2017 eröffnen, wie eine Werbetafel noch 2016 verkündete. Foto: Rolf Oeser

Für die Bad Vilbeler SPD werden die Fragezeichen beim Bau des geplanten Erlebnis- und Thermalbads durch die Friedrichshafener Unternehmensgruppe Wunds immer größer. Anlass ist ein Bericht der „Schwäbischen Zeitung“, wonach das zum Firmeninperium des im Dezember tödlich verunglückten Investors Josef Wund zählende Architekturbüro Ende Juli schließt. Dies sei eine Nachricht, „die die geplante Umsetzung der Therme in Bad Vilbel noch unsicherer, aber zumindest komplizierter machen wird“, mutmaßte der SPD-Ortsverein am Wochenende. Die Ausführungsplanung müsse nun wohl ein anderes Büro übernehmen, sagte Bad Vilbels SPD-Vorsitzender Horst Seißinger am Montag. Einen Ausstieg der Stadt aus dem Projekt will seine Partei nicht ausschließen, wenn dieser rechtlich möglich sei und sich als „sinnvolle Alternative“ erweise. Seißinger zufolge könnte dann zum Beispiel die Idee eines „Kombibads“ am Standort des Freibads wieder aufgegriffen werden.

Seit dem Unglück am 14. Dezember befindet sich das „Tropenparadies mit Saunenwelt und Galaxy-Rutschenparadies“ in der Schwebe. Mitte März wollte Wund mit dem Bau beginnen. Nach den bisherigen Planungen sollte das Bad 15 Saunen und 28 Rutschen umfassen. Auf dem rund 15 Hektar großen Areal zwischen Schulzentrum und B3 sollte das neue Hallenbad mit acht 25-Meter-Bahnen entstehen. Das alte Bad an der Nidda wird zurzeit zurückgebaut. Weiterhin waren ein Freibad, ein Hotel mit etwa 200 Zimmern und drei Parkhäuser geplant. Mehr als 200 Millionen Euro werde man investieren, hatte Wund angekündigt. Wollte sich die Stadt ursprünglich noch finanziell an dem Thermal- und Erlebnisbad beteiligen, verabschiedete sich der Immobilien-Eigenbetrieb im Herbst 2016 wieder davon.

„Die SPD-Fraktion hat in den letzten Monaten keine weiterführenden Informationen zum Projekt Wund-Therme erhalten. Unser Vertrauen in eine kooperative und konstruktive Herangehensweise an das Projekt ist auf dem Tiefpunkt“, sagte Fraktionsvorsitzender Christian Kühl. Setze sich die „unzureichende Informationspolitik“ fort, werde die SPD ihre Zustimmung überdenken. Man fürchte, dass die Stadt und der von Stadtrat Klaus Minkel (CDU) geleitete Immobilien-Eigenbetrieb im Hintergrund schon an Alternativen arbeiteten und die Opposition am Ende vor vollendete Tatsachen gestellt werde, sagte Seißinger.

„Es mag Friktionen auf dem Weg zum Ziel geben. Das Ziel wird aber nicht aufgegeben“, erwiderte Minkel gestern. Der Nutzen und die finanziellen Vorteile für Bad Vilbel sprächen für das Projekt. Zur bevorstehenden Schließung des Architekturbüros sagte der frühere Bundestagsabgeordnete, die „Kernkompetenzen“ der Wund-Gruppe blieben trotzdem erhalten.

Die Grünen stimmen in die SPD-Kritik ein. „Wir wollen schnellstmöglich vom Bürgermeister wissen, wie wahrscheinlich es noch ist, dass das Kombibad von den Wund-Erben oder der Stiftung gebaut wird“ sagt deren Fraktionschef Jens Matthias. „Gerade werden mit dem Abriss des Hallenbads Fakten geschaffen, die dazu führen können, dass wir als Kurstadt auf Jahre hinaus kein Hallenbad mehr haben“, ergänzt Fraktionskollege Christopher Mallmann. Zudem sei die Stadt auf die Einnahmen aus dem künftigen Kommunal- und dem Freibad angewiesen, damit sie sich den Betrieb der neuen Stadthalle leisten könne.

Spätestens nach der Sommerpause will die Öko-Partei vom Bürgermeister wissen, ob die Stadt noch von einer Realisierung des Vorhabens in den nächsten Jahren ausgehe und welche Verpflichtungen sie „bereits unumkehrlich“ gegenüber Wund eingegangen sei“.

Im Rathaus weist man die rot-grünen Forderungen von sich. „Es ist schade, dass solche Aussagen getätigt werden, auch wir haben keine weiterführenden Informationen“, sagte Stadtsprecher Yannick Schwander am Montag. Auf die Frage, ob die Stadt bereits mögliche Alternativen erörtere, antwortete Stadtrat Minkel: „Die Wund-Gruppe ist immer noch am Zug.“ Bei der Unternehmensgruppe war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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