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Bad Vilbel Selbstbewusstein geflüchteter Frauen stärken

Ein Pilotprojekt in der Flüchtlingsunterkunft in Bad Vilbel will geflüchteten Frauen darin unterstützen, mehr selbständig zu werden.

Für Myriam Gellner, Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Bad Vilbel, steht fest: „Geflüchtete Frauen benötigen spezielle Angebote und einen differenzierten Blick der Helfenden auf deren Situation.“ Dies gelte besonders für die Themen Frauengesundheit und -rechte sowie Sprachkurse. Zu Letztgenanntem soll ab Winter ein Pilotprojekt in der Gemeinschaftsunterkunft an der Huizener Straße starten. Die dort lebenden, zumeist allein eingereisten Frauen sollen so mehr Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein erhalten.

Eigentlich habe es seit der Gründung des Vereins 2015 an Angeboten nicht gemangelt. „Aber es ist schwierig herauszufinden, wie diese von Frauen am besten angenommen werden. Oft bestehen kulturell bedingte Hemmnisse“, sagt Gellner. In Friedberg gab es bei Pro Familia Informationsabende zu Sexualität und Beziehung, getrennt für Frauen und Männer. Während die Termine für die Männer gut besucht waren, kam zu dem Frauenabend nur eine Geflüchtete, sagt Elke Hellstern, ehrenamtliche Hauspatin in der Huizener Straße und im Verein zuständig für das Thema Gesundheit.

Dass sich Frauen nicht allein zu Pro Familia getraut hätten, sei ein Grund für die geringe Teilnahme. Erst in Gesprächen sei herausgekommen: „In vielen Herkunftsländer sind Frauen nicht gewöhnt, über Sexualität und Familienplanung zu reden oder einmal im Jahr zum Frauenarzt zu gehen und mit ihm etwa über Möglichkeiten der Verhütung zu reden.“

„Es war für uns ein Lernprozess“, sagt Gellner. Eine bessere Schulung sei im Ehrenamt nötig. Die Erkenntnisse etwa zum Thema Frauengesundheit führten sie zum Frankfurter Gesundheitsamt. Dort werden Gesundheitslotsen geschult. Der Bad Vilbeler Flüchtlingshilfeverein hofft nun ebenfalls, Interessentinnen für diese Aufgabe zu finden. Wegen des besseren kulturellen Einfühlungsvermögens und des nicht selten schwierigen Themas werden vorzugsweise Muttersprachlerinnen gesucht, auch Geflüchtete.

Pilotprojekt Deutsch

Die derzeit 80 allein oder mit der Familie geflüchteten Frauen in der Stadt sollen zudem zur Teilnahme an der Gesellschaft motiviert werden. „Frauen sollen in die Vereine gebracht werden, beispielsweise um Sport zu treiben“, sagt Gellner. Auch Frauenvereine sollen für die Integration interessiert werden. „Ich würde gerne tanzen“, sagt eine junge Afghanin in der Unterkunft. Aber sich einfach abends mit anderen treffen, wie es etwa die männlichen Geflüchteten tun, das wolle sie doch nicht. Nicht zuletzt, weil sie am nächsten Morgen wieder fit für den Deutschkurs sein wolle. Die Frau, die mit zehn Mitbewohnerinnen aus fünf Nationen in einer Art WG eine Etage der Unterkunft belegt, will gerne Architektur studieren.

Ihre Mitbewohnerin, die mit am Küchentisch sitzt, hat bereits erfahren, wie wichtig es ist, Deutsch zu sprechen. Ihre Sprachkenntnisse reichen derzeit nur für einen Putzjob in einem Frankfurter Hotel. „Ich bin sehr unzufrieden“, sagt sie. Sie reinigt Hotelzimmer im Akkord. Mit einem Online-Sprachkurs sollen die Frauen eine zusätzliche Möglichkeit erhalten, ihr Deutsch zu verbessern. Für das Pilotprojekt wird ein Sponsor für fünf, sechs gebrauchte Laptop-Computer gesucht.

Einen Internet-Anschluss gibt es in der Unterkunft nicht. An einer Lösung wird gearbeitet, so Gellner. Ein solcher Anschluss sei Privatsache der Bewohner, des Flüchtlingshilfevereins, teilt die Stadt auf Anfrage der FR mit. Sozialwohnungen würden ebenfalls nicht von der Stadt mit Internet ausgestattet, heißt es.

„Es gibt viele Jobs für Geflüchtete, aber ohne Sprachkenntnisse sind sie schwierig zu bekommen, das gilt für Frauen wie Männer“, sagt Hellstern. Gellner merkt an, dass ein Beruf mit ordentlichem Gehalt auch der Schlüssel für ein Leben in einer eigenen Wohnung sei.. Zurzeit sei es für Geflüchtete ohne entsprechendes Einkommen nicht möglich, in Bad Vilbel und im Umland eine Bleibe auf dem freien Wohnungsmarkt zu finden. „Sicherlich könnten die geflüchteten Frauen in der hinteren Wetterau etwas bekommen. Aber ohne das bereits erarbeitete soziale Umfeld muss dann dort die Integration von vorn beginnen“, sagt Gellner.

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