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Bad Vilbel Luther in der Wasserburg

Die sieben evangelischen Gemeinden in Bad Vilbel würdigen den Reformator an zentralen Orten der Stadt.

Evangelische Kirche
Der Reformator Luther als Ansteck-Button. Foto: dpa

An Martin Luther und der Reformation kommt man am 31. Oktober in Bad Vilbel nur schwer vorbei. Sicher, überall im Land werden evangelische Christen dann jenen legendären Thesenanschlag Luthers in Wittenberg vor 500 Jahren feiern. Die sieben protestantischen Kirchengemeinden der Quellenstadt werden auf das Erbe des Augustinermönchs aber besonders deutlich hinweisen: In einem gemeinsamen Fest und an zentralen Orten der Stadt wollen sie Luthers Wirken aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. 

An einer Holzkonstruktion vor dem Kurhaus kann man eigene Thesen formulieren und anschlagen. In der Stadtbibliothek haben Kinder und Erwachsene die Möglichkeit, an einer historischen Druckerpresse auszuprobieren, wie vor 500 Jahren Bücher entstanden sind. Um Luther und die Musik geht es in der Wasserburg. So interpretiert eine Band Lutherlieder neu, eine Gambengruppe spielt zum Tanz auf und verschiedene Chöre sind zu hören. Die Schattenseite des Reformators, sein Antisemitismus, soll auf dem Niddaplatz zur Sprache kommen. In die Kernstadt, in der das Programm um 13 Uhr beginnt, wollen sich die Kirchengemeinden in einem Sternlauf begeben. 

In Vilbel etablierte sich die Reformation schon früh. 1531 wurde in der Stadt nördlich von Frankfurt der erste lutherische Pfarrer eingesetzt. Offiziell lutherisch wurde Vilbel 1548. Katholiken und Lutheraner feierten zunächst in der Sankt Albanuskirche gemeinsam Gottesdienste. Man achtete streng auf die vom Katholizismus inspirierten Gottesdienstregeln wie Hostien beim Abendmahl und das vorangetragene Kreuz bei Beerdigungen. Die Einheit zwischen Lutheranern und Katholiken hielt bis 1597, als der Hanauer Graf Ludwig II. sein Bekenntnis in der Grafschaft, zu der auch Vilbel gehörte, durchsetzte. Im selben Jahr wurde in Vilbel der erste calvinistische Pfarrer eingesetzt. Noch nach dem 30-jährigen Krieg blieb Vilbel calvinistisch. Die verbliebenen Lutheraner mussten zum Gottesdienst nach Gronau. Erst Ende des 18. Jahrhunderts begannen Reformierte und Lutheraner sich anzunähern. 

Bald 200 Jahre ist es her, dass sich die beiden Richtungen in Vilbel zu einer Kirche zusammenschlossen. Wie stark die Ökumene zwischen den evangelischen Gemeinden heute in Bad Vilbel ist, dafür sei das gemeinsame Jubiläumsprogramm ein Beleg, meint Pfarrer Ingo Schütz von der Christuskirchengemeinde. Schon häufiger gab es gemeinsame Projekte und Veranstaltungen. Die Gemeinden gaben zwei Reformationszeitungen heraus. 2012 und 2015 organisierten sie eine Nacht der Kirchen, in der jeweils zwölf Gotteshäuser in allen Stadtteilen unterschiedliche Attraktionen boten. 

Am Reformationstag bleibt einem der Weg von einem Stadtteil in den anderen erspart – alles ist im Herzen der Stadt. Vor einem Jahr schon begannen die Planungen, wie Sören Sommer, Pastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Bad Vilbel, berichtet. Unterstützt werden die Kirchengemeinden von mehr als 150 ehrenamtlichen Helfern. 

 Für Bad Vilbels 1100 Grundschüler beginnt das Jubiläum sogar schon einen Tag früher. Am 30. Oktober treffen sich alle Klassen im Kultur- und Sportforum Dortelweil. Auf sie wartet ein Bühnenprogramm und sie können an vier verschiedenen Stationen Luther besser kennenlernen. 

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