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Bad Vilbel Kritik auch aus Frankfurt

Stadtrat Wysocki (CDU) verteidigt seinen Masterplan Verkehr. Die Linke sieht das Land in der Pflicht, umgehend den ÖPNV auszubauen.

Stau auf der Büdinger Straße
Längst Normalität, Stau auf der Büdinger Straße (L3008) im Berufsverkehr. Foto: Rolf Oeser

Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) verteidigt seinen Masterplan-Verkehr gegen Kritiker. Die sitzen jedoch nicht nur in den Reihen der Vilbeler Grünen. Auch bei der Stadt Frankfurt löst mindestens eine Forderung Befremden aus: Der Ausbau der B 521 zu einer Südumgehung, damit der kaum noch zu bändigende Pendlerstrom auf der L 3008 (Büdinger Straße) bereits vor der Stadt abgeleitet wird.

„Es war klar, dass nicht alle Maßnahmen mit Jubel bedacht werden, einige Kritikäußerungen sind jedoch unverständlich und zeugen von keiner guten Kenntnislage“, notiert Wysocki zur Anmerkung der Vilbeler Grünen. Wer wie die Grünen behaupte, die Nordumgehung (L 3008) bringe nicht die erhoffte Entlastung, wohne entweder zu kurz in der Stadt oder streue bewusst falsche Tatsachen, so der Stadtrat. Auch der Einwand, dass der Masterplan ein „Wunschzettel an Umlandskommunen“ sei, weist er zurück. „Die Lage Bad Vilbels verbietet, nicht über die Stadtgrenzen zu schauen.“ Das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet lasse keine auf die Ortsgrenzen reduzierte Lösung zu. Daher setzt er nicht zuletzt auf den Riederwaldtunnel in Frankfurts Osten, allerdings wird die Fertigstellung laut gegenwärtiger Planung nicht vor dem Jahr 2030 erfolgen.

Wysocki betrachtet seinen siebenseitigen Masterplan als „eine Diskussionsgrundlage für kurz-, mittel- und langfristige Planungen“. Offenbar wird der jedoch nicht nur in Bad Vilbel kontrovers aufgenommen. In Frankfurt haben SPD und Grüne dem Ausbau der B 521 als Südumgehung für Bad Vilbel eine Absage erteilt.

Der Vorschlag aus Bad Vilbel sei aus der Zeit gefallen. Ein solches Vorhaben zerstöre zudem den geschützten Grüngürtel der Stadt. Dem Vernehmen nach zeigt sich die Frankfurter CDU offener für den Wunsch aus Bad Vilbel, aber sie fordert paradoxerweise, dass eines nicht passiert: Eine Erweiterung auf vier Spuren ist für die CDU denkbar, wenn damit kein zusätzlicher Verkehr in Frankfurt entsteht.

Eingriff in ein Naherholungsgebiet

Eine Verbreiterung der B 521, die bereits jetzt morgens und abends eine lange Staustrecke ist, würde nicht nur einen erheblichen Eingriff in ein Naherholungsgebiet bedeuten. Auch die Expansionspläne des Frankfurter Stadtteils Bergen-Enkheim könnten davon tangiert werden. Die CDU im Stadtteil brachte 2017 die Bebauung von 28 Hektar zwischen Ringstraße in Bergen-Enkheim und der B 521 auf die Tagesordnung. Der erhöhte Fluglärm an der Hangoberkante hat dort bislang eine Bebauung verhindert.

Mehr Offenheit erfährt Wysocki hingegen mit seinen Überlegungen, Bad Vilbel an das Frankfurter Straßenbahnnetz anzuschließen, etwa mit der Verlängerung der Linie 18, möglicherweise unter Anbindung des Heilsbergs und mit Endstation Südbahnhof. Letzteres dürfte hingegen eine bauliche Herausforderung sein: den beträchtlichen Höhenunterschied zwischen Heilsberg und Südbahnhof überwinden, ohne gleich eine Bergbahn zu bauen.

Bad Vilbels Verkehrsproblem hat wie berichtet, bereits den Landtag in Wiesbaden erreicht, auch durch eine Anfrage der dortigen FDP. Darauf teilte das Ministerium mit, dass es mit der Eröffnung des Riederwaldtunnels keine spürbaren Entlastungen für die Verkehrssituation in Bad Vilbel geben wird.

„Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung kommt zur richtigen Einschätzung der jetzigen und zukünftigen Verkehrslage“, notiert nun die Linke-Landtagsabgeordnete und Wetterauer Kreistagsmitglied, Gabi Faulhaber. „Warum Minister Al-Wazir daraus jedoch das Fazit zieht, es sei allein die Aufgabe Bad Vilbels, für einen besseren Verkehrsfluss zu sorgen, zeigt schon Ironie: Ein grüner Minister sieht das Land nicht in der Pflicht, den ÖPNV auszubauen und damit den Individualverkehr zu reduzieren“, so Faulhaber. Sie fordert „im Sinne einer ökologischen Verkehrswende“ vom hessischen Wirtschaftsminister Al-Wazir, umgehend den Ausbau des ÖPNV und der Fahrradwege anzugehen.

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