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Bad Vilbel Kampf gegen den Fluglärm

In der Stadt wächst der Unmut über die Lärmbelästigung. Eine neue Bürgerinitiative will Lösungsvorschläge aufzeigen, wie sie sich minimieren lässt.

01.09.2011 22:25
Monica Bielesch
Ronald Kasten ist überzeugt: Fluglärm macht krank. Foto: Hartung

Ronald Kasten fliegt oft: „Einmal im Monat muss ich geschäftlich nach London fliegen“, erzählt der 62-jährige Vilbeler. Und gemeinsam mit seiner Frau Jinghua, die in China geboren ist, unternimmt er gerne Reisen nach Asien. „Ich bin kein Technologie-Gegner“, betont er darum und er sei auch kein Gegner des Flughafens. Aber: „Wenn der Fluglärm jetzt schon unerträglich ist, wie soll das erst werden, wenn im Oktober die neue Landebahn in Betrieb genommen wird?“

Gerade in einer dicht besiedelten Region wie dem Rhein-Main-Gebiet sei es wichtig, dass die Belange des Flughafens nicht über die der hier lebenden Menschen gestellt würden. Und weil er bei schönem Wetter kaum noch in Ruhe in seinem Garten sitzen konnte, hat er mit einem Flugblatt die Initiative ergriffen: „Aufruf zum Mitstreiten für einen erträglichen Flugverkehr“ lautet die Überschrift.

Anflug wie in London

Mit seiner Frau hat er diese Flugblätter Anfang August in der Stadt verteilt. Die große Resonanz hat selbst ihn überrascht: „Aus allen Ortsteilen haben Leute bei mir angerufen.“ Um diesen Widerstand und Unmut über den seit März verstärkten Fluglärm zu bündeln, gründet sich heute im Kurhaus eine Vilbeler Bürgerinitiative. Kasten: „Wir sind rund 50 Leute und laden zu unserer Gründungsversammlung ein.“

Auf dieser Versammlung will er die aktuelle Fluglärm-Situation für die Quellenstadt darstellen und vier mögliche Lösungen präsentieren. Es seien „Kleinigkeiten“, die jedoch schon eine Entlastung für die rund 32.000 Einwohner von Vilbel bringen könnten. So müsse nicht zwingend die Gegenanflugschneise bei Westbetrieb ausgerechnet über Vilbel verlaufen. Auch sei in Frankfurt, wie in London das sogenannte CDA-Anflugverfahren möglich. Dabei fliegen die Maschinen aus einer Höhe von 10.000 Fuß im Gleitflug auf den Flughafen zu.

Momentan herrsche das Flächenanflugverfahren, bei dem die Flugzeuge bis zu 50 Kilometer in geringen Höhen mit stetigem Turbinenschub über die Städte der Rhein-Main-Region donnerten. „Kein anderer großer Flughafen wendet noch das Flächenanflugverfahren an“, sagt Kasten. Die für das CDA-Verfahren nötigen zusätzlichen Fluglotsen spare die Flugsicherung ein.

Kommunalpolitiker aller Fraktionen haben ihm bereits Unterstützung zugesagt. Kasten strebt eine Vernetzung mit anderen Initiativen an, etwa mit der Interessengemeinschaft Fluglärm Hanau-Kinzigtal. Er will auch erreichen, dass Gemeindevertreter Vilbels wegen des Fluglärms bei der Deutschen Flugsicherung vorstellig werden. Er bietet dafür seine Unterstützung an. Denn obwohl er sich erst seit knapp zwei Monaten mit dem Thema beschäftigt, ist er mittlerweile ein Experte in Sachen Fluglärm.

Es gehe um den Erhalt von Lebens- und Wohnqualität. Dass die Wirtschaftlichkeit des Flughafens über das Wohl der Anwohner gehe, will er nicht hinnehmen. Denn: „Fluglärm macht krank.“

Bürgerinitiative gegen Fluglärm: Gründungstreffen am heutigen Donnerstag, 1. September, 20 Uhr, Kurhaus. www.badvilbel-fluglaerm.de

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