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Bad Vilbel Grüne halten Jubelmeldungen für Hohn

In Bad Vilbel entstehen so viele Wohnungen wie in kaum einer anderen Stadt in Südhessen. Doch an preisgünstigen Wohnungen fehlt es nach Ansicht der Grünen.

Handwerker
Ein Handwerker bei der Arbeit (Symbolfoto). Foto: Oliver Berg (dpa)

Die Meldung, dass Bad Vilbel mit 273 neuen Wohnungen im vergangenen Jahr auf dem vierten Platz der Kommunen im Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main liegt, machte den Bad Vilbeler FDP-Fraktionsvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn glücklich. Nur die beiden Großstädte Frankfurt und Offenbach sowie Kelsterbach seien noch erfolgreicher gewesen, sagte der Landtagsabgeordnete kürzlich. „Bad Vilbel hat viele Kommunen hinter sich gelassen, die eine größere Wohnbevölkerung haben.“

Die Grünen in Frankfurts Nachbarstadt werfen Hahn Verschleierung vor. „Es ist Rosstäuscherei, wenn Politiker angesichts des verschärften Wohnraumbedarfs auf 273 fertiggestellte Wohnungen verweisen und die Stadt somit in einer Spitzenposition sehen“, äußerte der Vilbeler Grünen-Chef Clemens Breest. 2017 sei keine einzige Sozialwohnung in Bad Vilbel gebaut worden. „Es ist gar nichts gut“, so Breest. Die positiven Kommentare seien „ganz großer Hohn“.

Untätigkeit will man sich im Rathaus indes nicht nachsagen lassen. Gerne werden die 73 Wohnungen angeführt, die der Immobilien-Eigenbetrieb zurzeit im Stadtteil Dortelweil errichtet. Je 25 Wohnungen sollen dort für einen Quadratmeterpreis von 7.90 Euro und 8,90 Euro zu haben sein. Bei den übrigen Wohneinheiten werden laut dem Eigenbetriebsleiter, Stadtrat Klaus Minkel (CDU), rund elf Euro fällig. Bei allen drei Kategorien handelt es sich um frei finanzierte Wohnungen ohne eine staatliche Förderung.

Zudem hatte Baudezernent Sebastian Wysocki (CDU) vor einem Jahr angekündigt, drei über das Stadtgebiet verteilte Flächen für Wohnungen zu reservieren, die sich Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen leisten können. Die größte Fläche ist knapp 10 000 Quadratmeter groß und befindet sich in Massenheim.

Wohnungen fallen aus der Mietpreisbindung

Wie viele Wohnungen auf dem Areal in Massenheim sowie den beiden anderen Flächen in Dortelweil und der Kernstadt entstehen werden, lässt sich laut Stadtsprecher Yannick Schwander noch nicht sagen; dasselbe gelte für die Mietpreise. Gleichwohl sind ein paar Dinge bekannt: Mit Blick auf die Massenheimer Fläche hatte Wysocki einmal von bis zu 40 günstigen Wohnungen gesprochen. Die Fläche in Dortelweil soll von der Vilbeler Genossenschaft für Bauen und Wohnen (GBW) bebaut werden. Es gehe um etwa 20 Wohnungen, hatte Geschäftsführerin Nancy Kabisch im Juli gesagt. Der Baubeginn sei für 2020 vorgesehen. Jetzt schon stünden auf den Wartelisten für die verschieden großen Genossenschaftswohnungen jeweils Dutzende Interessenten.

Und immer mehr Wohnungen fielen aus der Mietpreisbindung. Allein im vergangenen Jahr war es rund ein Drittel der 669 GBW-Wohnungen. „Seit Jahren verlieren wir durch auslaufende Mietpreisbindungen Sozialwohnungen in erheblicher Zahl“, sagt der Grünen-Stadtverordnete Christopher Mallmann. „Das verschärft für Menschen, die auf solche Wohnungen angewiesen sind, die Situation unvermindert weiter.“

Die jüngste Kritik der Grünen zeigt, dass die Opposition nicht müde wird, mehr Engagement für preisgünstige Wohnungen von der Stadt und der schwarz-gelben Koalition zu fordern. In ihrem Programm zur Kommunalwahl 2016 hatte die Vilbeler CDU von 60 Sozialwohnungen gesprochen, die bereits geplant seien. Weitere würden folgen. Zudem führte Minkel als Leiter des Immobilien-Eigenbetriebs stets den sogenannten Kaskadeneffekt an: Durch die vielen neuen Wohnungen im mittleren und oberen Preissegment würden durch Umzüge der Mieter Wohnungen frei. Dies führe dazu, dass preisgünstige Wohnungen auf den Markt kämen.

Die Professorin für Immobilienwirtschaft und -management, Annette Kämpf-Dern, bestätigt, dass es zu diesem Effekt komme. „Der Zuzugsdruck auf Bad Vilbel wird sicher weiter anhalten oder sogar steigen und eine Entspannung wird nur erreicht, wenn ausreichend Flächen vorhanden bereitgestellt werden, auf die intelligent und insgesamt kostengünstig Mietwohnungen gebaut werden“, sagt die Frankfurterin, die an der Bauhaus-Universität in Weimar lehrt. „Auf einen existierenden, aber vermutlich lange nicht ausreichenden Kaskadeneffekt, sollte Bad Vilbel somit nicht setzen.“

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