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Bad Vilbel Galerie unter freiem Himmel

Die neue Saison der Auenkunst im Stadtteil Massenheim in Bad Vilbel ist eröffnet. Zwei Bildhauer sind hinzugekommen mit Werken aus Stein und Stahl.

Auenkunst
Leidiges Thema der Auenkunst, Susan Geels Torso wurde im Vorjahr zerstört und wird seitdem von Plexiglas geschützt. Foto: Rolf Oeser

Bewegung heißt es bei der elften Auflage der Massenheimer Auenkunst. Das Motto ergibt sich durch einige Ab- und einem halben Dutzend Neuzugänge bei den Objekten im idyllischen Park entlang des Erlenbachs zwischen Römerbrunnen und Harheimer Weg. Zudem wird die Liste der mehr als 30 Künstler, die in der Aue ausgestellt haben um zwei Namen erweitert: Mathias Nikolaus aus Bad Dürkheim und Friedhelm Welge aus Bad Camberg. Am Samstag war Vernissage zur neuen Saison der Auenkunst.

Der lange, extrem hagere Kerl lässt sich in der busch- und baumreichen Landschaft fast übersehen. Nikolaus hat die Figur mit der Gasflamme aus Cortenstahl geschnitten – die Proportionen der Körperteile sind verzehrt. Der markante Gesichtsausdruck mit dem Blick in die Ferne zeigt sich erst so richtig im Profil. „Hirte“ hat Nikolaus die Plastik genannt, auf deren Kopfhöhe selbst groß gewachsenen Personen nicht heranreichen. Sie zeigt einen Massai aus Ostafrika. Die gerade gen Himmel reckenden Plastik signalisiert Stolz, der feste Blick Stärke. Doch alles Täuschung? Die vor allem in Kenia und Tansania lebende, bis heute traditionsreiche Volksgruppe wird zunehmend von der einziehenden Moderne in ihrer Region verdrängt. Nikolaus, der längere Zeit in Nepal, Jemen, China und Kenia verbrachte, bezeichnet diese Aufenthalte als „wichtige Schulungen in Sachen Wahrnehmung von Vielfältigkeit und Einzigartigkeit“.

In seinen Arbeiten bringt Nikolaus auch Stein und Metall zusammen wie in „Spiegelung“. Es stehen sich auf Eck lediglich auf einer Seite plangearbeitete eine Eisen- und Sandsteinstele. Der Stein zeigt eine Rostfärbung, das eiserne Pendant weist grobe Bohrtunnel auf, wie sie beim Herausbrechen eines Rohlings aus dem Steinbruch entstehen. Ähnlich verhält es sich mit seiner dritten Plastik, einem männlichen Torso, dessen linker Lendenbereich von einer Metallfassung umgeben wird. Der mit Furchen übersäte Oberkörper wirkt muskulös. Die Armstümpfe deuten eine Diagonale an. Die Rückseite des Torsos bildet kein Rücken, sondern eine unbearbeitete Fläche, die die heldentypische Brust als Fassade erscheinen lässt.

Ungewöhnliche Rückansichten vermittelt auch Friedhelm Welges „Projekt 11: Durchbohrt, Enthauptet“, eine kniende Person im gesenkten Kopf. Die Rückseite der Skulptur ist von oben bis unten von halb offene Bohrtunnel überzogen, die sehr im Gegensatz zu der organischen Form der Figur stehen, die ist noch nicht aus dem Felsquader herausgelöst worden ist. Die Arbeit steht in einer Reihen von ähnlichen, mit der es Welge um die Darstellung von Folter und Missachtung von Menschenrechten geht. „’Projekt‘ ist die bildhauerische Darstellung solch menschlichen Leidens, ein großes und ehrgeiziges Kunstprojekt, an dem ich zehn Jahre arbeitete“, bemerkt er. Das Thema hat er mit der Skulpturenreihe „Projekt 14“ in Anlehnung an die Vierzehnheiligen (frühchristliche Märtyrer) oder „14 Universalien menschlicher Grausamkeit“ angelegt.

Qualen vermittelt auch sein zweites Werk bei der Auenkunst, „Landschaft“. Aus dem liegenden Sandstein hat er ein Wesen hervorgebracht, das sich aus der schweren Masse herauszuwinden scheint. Der Stein soll Jahre in seinem Atelier gelegen haben, bis Welge erkannte, was sich darin befindet.

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