Lade Inhalte...

Bad Vilbel Figuren mit mythischen Namen

Der Künstler Wolfgang Hätscher-Rosenbauer erschafft aus Steinen Skulpturen. Die Steine für seine Arbeiten sucht er selbst. Die Inspiration für seine Skulpturen kommen aus der Beschäftigung mit dem Material.

In Frankfurt-Fechenheim hat Wolfgang Hätscher-Rosenbauer sein Atelier. Foto: Renate Hoyer

Mal rötlich, dann wieder gelblich schimmert die steinerne Blüte. Wolfgang Hätscher-Rosenbauers Finger gleiten über die Skulptur, ertasten jede kleine Vertiefung. Mineralische Einschlüsse im Stein glitzern, durchziehen ihn wie feine Adern. „Der Stein lebt“, sagt der Bad Vilbeler Bildhauer, „ich möchte im Atelier bloß seine Charakteristik hervorbringen.“

Die Bildhauerei nennt der gebürtige Rodgauer seine Leidenschaft, seinen Luxus. „Es ist mein Spielberuf neben dem Hauptberuf“, sagt er, so könne er ohne Auftragsdruck künstlerisch arbeiten. Hauptberuflich ist Hätscher-Rosenbauer als Dozent für Augen- und Sehtraining an der Oberurseler Reformhaus-Fachakademie tätig.

Bildhauerlehre in den 90ern

Zur Kunst kam er erst mit durch ein Batik-Seminar in Sri Lanka. „Das weckte die Lust, mich mit Formen zu befassen“, sagt er. Vieles probierte er aus, als seine Frau ihm in den 90er-Jahren einen Bildhauerkurs bei dem Frankfurter Künstler Joachim Kreutzer schenkte, fand er seine Berufung. „Ich habe dann bei ihm eine richtige Lehre gemacht“, sagt der 63-Jährige, „lernte, mit Werkzeugen und Material umzugehen.“ Heute hat Hätscher-Rosenbauer sein eigenes Atelier in Fechenheim, seine Skulpturen stehen etwa vor dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn oder in einer Dauerausstellung in der Oberurseler Fachakademie.

Seine Werke, ob aus Stein oder Holz, tragen oft Namen aus der Mythologie, etwa Satyr oder Nixe. Die Inspiration für sein Werk komme allerdings aus der Beschäftigung mit dem Material. „Ein vorgefertigtes Bild, nach dem ich arbeite, gibt es nicht“, sagt er. Oft ergäben sich während der Arbeit Änderungen. „Die Nixe, die nun in Eschborn steht, war ursprünglich als Vogel gedacht“, sagt Hätscher-Rosenbauer.

Die Steine für seine Arbeiten sucht er selbst. „Ich gehe oft in alte Steinbrüche in der Wetterau oder im Vogelsberg, da gibt es sehr ausdrucksstarkes Vulkangestein“, sagt er. Gerne dürfen die ausgesuchten Steine auch vermeintliche Mängel wie Einschlüsse oder Dellen haben: „Ich mag es, wenn Steine eine eigene Dynamik haben“, sagt er. Das mache die Skulpturen zu Persönlichkeiten. Selbst im Urlaub hält er nach interessanten Steinbrüchen Ausschau: „In der Schweiz nahe der Jungfrau fand ich durch Zufall einen vergessenen Steinbruch mit ganz wunderbaren Steinen.“

Wichtig ist Hätscher-Rosenbauer aber, dass seine Werke mit den Sinnen erfasst werden können: „Wenn sie nur in einer Galerie stehen würden oder als Anlageobjekte mit finanziellen Steigerungsmöglichkeiten betrachtet würden, hätte ich kein Interesse, etwas zu machen.“ Kunst, sagt er, müsse ins Leben führen. Im Frühjahr wird er in Oberursel den tonnenschweren Sonnenvogel vor der Akademie enthüllen. „Dann ist Anfassen ausdrücklich erwünscht“, sagt er.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen