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Bad Vilbel Essen, aber keine Bewegung

Heißluftofen statt Sandkasten: Die teure Mensa an der Brunnenschule Bad Vilbel lässt weder Platz noch Geld für ausreichend Spielgeräte für die gut 100 lernbehinderten Schüler übrig.

Die neue Mensa (rosa) der Brunnenschule in Bad Vilbel. Foto: Joachim Storch

Uwe Ebert ist in einer absurden Situation. Der Schulleiter der Brunnenschule hat auf seinem Schulhof eine neue Mensa stehen. 56 Schüler können dort zu Mittag essen. Neue Küchengeräte samt Heißluftofen zur Erwärmung von Tiefkühlmenüs sind installiert.

Ebert freut sich über die Mensa, aber die Freude ist zwiespältig. Denn seit die Mensa steht, gibt es auf dem Hof keine Spielgeräte mehr für die gut 100 lernbehinderten Schüler aus Vilbel und Karben, manche auch aus Frankfurt. Der Spielplatz war dort, wo jetzt die Mensa steht. Sandkasten, Klettermöglichkeiten, Balancespiele und andere Geräte sind weg, neue nicht in Sicht. „120 000 Euro hatte der Kreis eigentlich dafür eingeplant“, erzählt Ebert.

Das Geld ist weg, denn die Mensa wurde teurer als erwartet. Das Gelände entsprach nicht dem Plan, im Erdboden fanden sich Gasleitungen, die nicht dort waren, wo sie eigentlich hätten sein sollen. Die Folge: mehr Handarbeit, höhere Kosten, keine neuen Spielgeräte.

Auch pädagogisch ist das ein Problem. Denn schon an Regelschulen ist es wichtig, dass die Kinder in den Pausen toben, spielen, sich bewegen können, um danach wieder die nötige Konzentration für den Unterricht aufzubringen. „Alle unsere Schüler haben Konzentrations- und Lernschwierigkeiten. Viele haben Misserfolge erlebt und eine nur geringe Frustrationstoleranz. Wenn die sich nicht bewegen können, dann macht sich ihre Frustration anderweitig Luft“, so Ebert. Er befürchtet massive Probleme an der Schule. Die macht bislang sehr erfolgreiche Arbeit, denn von einem Jahrgang erreichen etwa 75 bis 80 Prozent den Hauptschulabschluss. Von denen, die dafür angemeldet werden, sogar alle.

Ebert glaubt, seine absurde Situation habe keinen klaren Schuldigen. Der Kreis hatte Mittel für neue Spielmöglichkeiten vorgesehen. Die Probleme am Bau waren unabsehbar. Und die Finanzlage des Kreises ist halt nun mal mies. Ebert versteht das, aber: „Seit zwei Jahren beschäftigen wir uns mit der Schulhofgestaltung, jetzt stehen wir vor dem Nichts.“

Schule und Elternverein greifen zur Selbsthilfe und werben Geld ein. Mit Erfolg: Am Freitag wird eine Spende über 5000 Euro von der Bank HSBC übergeben. Im Herbst soll ein Konzert einen großen Batzen bringen. Bundesweit bekannte hessische Musiker und Bands haben schon „so halb“ zugesagt, sagt die Vorsitzende Carolin Frank. Wenn alles gut läuft, werden sie 2011 vielleicht 20 000 Euro aufbringen können – 120 000 brauchen sie.

Als „Schildbürgerstreich“ bezeichnet der CDU-Fraktionsvorsitzende Josef Maetz die Vorgänge und wirft dem Schuldezernenten des Wetteraukreises, Helmut Betschel-Pflügel (Grüne), „Dilettantismus“ vor. Der hätte sich „rechtzeitig um mehr Geld“ bemühen müssen, so Maetz. Mittlerweile macht der Kreis Ebert zumindest etwas Hoffnung, denn wahrscheinlich seien die Mehrkosten niedriger ausgefallen als befürchtet und noch Geld im Topf. Ob und wieviel, das werde sich allerdings erst herausstellen, wenn alle am Mensabau beteiligten Handwerker ihre Abrechnungen vorgelegt hätten, so Ebert.

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