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Bad Nauheim Interkulturelle Impulse für die Kurstadt

Der Ausländerbeirat besteht seit 25 Jahren, gerade macht er eine schwierige Phase durch.

Der Zeitpunkt für das Jubiläum hätte besser sein können. Knapp 25 Jahre nachdem sich Bad Nauheims erster Ausländerbeirat konstituierte, ist das Gremium auf die Mindestgröße geschrumpft. Zurzeit hat der Beirat noch drei Mitglieder anstelle von neun, wie sie die Hauptsatzung der Kurstadt vorsieht. Ende März hatten fünf Mitglieder zur selben Zeit ihr Mandat niedergelegt, darunter die Vorsitzende Filiz Taraman-Schmorde, die das Amt acht Jahre lang inne hatte. Der Beirat stand kurz vor der Auflösung.

Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Beirats, Enttäuschungen über erfolglose Initiativen in der Kommunalpolitik und das konsequente Fernbleiben von Mitgliedern aus den Sitzungen hatten zu dieser schwierigen Situation geführt. Trotz eines derart mäßigen Jahres für die Interessenvertretung der ausländischen Kurstädter gibt es aber Grund zu feiern. Der am 7. November 1993 erstmals gewählte Beirat präsentierte sich in den vergangenen Jahren als der aktivste aller fünf Wetterauer Ausländerbeiräte und machte durch besondere Projekte auf sich aufmerksam. 

Daran hatte die zurückgetretene Vorsitzende Taraman-Schmorde einen großen Anteil. Auf ihre Initiative hin leistete der Ausländerbeirat 2012 und 2013 unter anderem in Fortbildungen und einer Tagung zusammen mit der Kerckhoff-Klinik und einer Stiftung Aufklärungsarbeit beim Thema „Organtransplantation und Islam“. Hessens Sozialminister zeichnete den Ausländerbeirat Bad Nauheim dafür mit einem Sonderpreis aus. Taraman-Schmorde machte sich dafür stark, dass sich das Diakoniewerk Elisabethhaus am Südpark ein interkulturelles Pflegekonzept gab. 

Nicht zuletzt bewarb der Ausländerbeirat in den letzten Jahren unter Menschen mit Migrationshintergrund das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr der Kurstadt, die auf diesem Gebiet hessenweit eine Vorreiterrolle hat. Erst vor wenigen Monaten wurde die Feuerwehr dafür vom Land ausgezeichnet. In der jüngsten Sitzung beschloss der Ausländerbeirat die Zusammenarbeit zu vertiefen. Ein sinnvolles Projekt, findet der FDP-Stadtverordnete Benjamin Pizarro, der auch einen kolumbianischen Pass hat und bis März dem Beirat angehörte. Vielen Ausländern sei nicht bewusst, dass das Vereinsleben in Deutschland die Feuerwehr einschließe, sagt er.

Das Engagement des Beirats erschöpfte sich zuletzt jedoch nicht nur im Außerparlamentarischen. So setzte er sich dafür ein, dass auch Ausländer, die mindestens 65 Jahre alt sind und nicht aus der EU kommen, für den Seniorenbeirat kandidieren dürfen, wobei der über die FDP-Fraktion eingebrachte Antrag letztlich im Stadtparlament scheiterte. Bei der letzten Novelle der Friedhofssatzung versuchte man einen Passus unterzubringen, der islamische Bestattungsregeln für das muslimische Gräberfeld festschreiben sollte. Eine Anregung, der schon der Magistrat nicht folgte. 

„Der Ausländerbeirat setzt wichtige Impulse“, meint Bürgermeister Klaus Kreß trotzdem. Dass man ihm bei der Friedhofssatzung nicht gefolgt sei, habe damit zu tun, dass diese Fragen in der Praxis bislang keine Rolle gespielt hätten und christliche Rituale ja auch nicht gesondert geregelt seien. Gleichwohl wisse er natürlich, dass es Kommunen gebe, die dies anders sähen. 

Die „Wahrnehmung einer mangelnden Wertschätzung seitens der Politik und der Verwaltung“ bei früheren Mitgliedern habe mitunter in die aktuelle Lage geführt, sagt der Beiratsvorsitzende Sinan Sert. Er selbst sieht es nüchtern. „Der Beirat hat eine beratende Funktion. Es ist zu akzeptieren, dass in der Kommunalpolitik Vorschläge nicht immer mehrheitsfähig sind.“ Die Stadt will dieses Engagement mit einer Feierstunde im November würdigen. Vielleicht, so Kreß, sei der Zeitpunkt in der schwierigen Lage gerade der richtige.

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