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Bad Nauheim Heiße Kurstadt

Bei den höchsten Tagestemperaturen schlägt die Kommune bisher alle Rekorde. Hier trifft Hitze auf Kneipp-Becken und Meeresbrise.

09.08.2018 09:25
Wasserkästen
Fahren geht da nicht mehr, nur noch schieben: Nachschub tut not, besonders in Bad Nauheim. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Bad Nauheim war in den vergangenen Wochen mehrfach die heißeste Stadt Deutschlands. Für die Einwohner ist das ungewohnt – sie machen aber das Beste draus. Da ist es hilfreich, dass die Kommune in der Wetterau als „Gesundheitsstadt“ besondere Erfrischungen im Angebot hat. Kneipp-Becken etwa, in denen sich gerade eine Gruppe Schüler abkühlt und erleichterte Stoßgebete ausruft. Einige Meter weiter ist es für eine Frau „ein Träumchen“, die frische Meeresbrise einzuatmen, die ein Gradierwerk produziert. Viermal während der nun langsam abebbenden Hitzewelle lag Bad Nauheim an der Spitze der wärmsten Orte der Bundesrepublik: am 23. Juli mit 32,7 Grad Celsius, dann am 25. Juli mit 37,1 Grad, am 2. August mit 35,8 Grad und zuletzt am Samstag mit 37,1 Grad.

An ähnliche Temperaturrekorde in Folge könne man sich jedenfalls nicht erinnern, heißt es aus dem Rathaus in Bad Nauheim. Vielleicht ausgenommen die Super-Sommer in den Jahren 2003 und 2006.

„Solche Temperaturen noch nicht gehabt“

Ein Rentner auf dem Weg ins nahe gelegene Wellenbad sagt: „Ich bin Jahrgang ’30. Bisher haben wir solche Temperaturen noch nicht gehabt.“ Ein anderer Bad Nauheimer weiß von heißen und schwülen Sommern schon im vergangenen Jahrtausend zu berichten. Da ist gut dran, wer am Johannisberg über der Stadt wohnt – während sich in der Talaue in Richtung der Nachbarstadt Friedberg die Hitze schon früher gerne staute.

Der vierfache Hitze-Tagesrekord in Bad Nauheim sei mehr als ein Zufall, sagt Meteorologe Thore Hansen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Es sei aber schwierig, den genauen Grund zu ermitteln. Die geografische Lage allein könne jedenfalls nicht den Ausschlag geben - da seien südlicher gelegene Städte eher Kandidaten für Hitze-Spitzenplätze. Vielleicht werde die Wärme an der Wetterstation nicht ganz so gut abgeführt. Auch Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung könnten Einfluss auf die Temperaturen haben.

So hatte ein DWD-Kollege bereits Ende Juli erklärt, dass die rund um die Stadt gelegenen trockenen Böden abgeernteter Getreidefelder die Hitze quasi anzögen. Bad Nauheim liegt am Fuß des Taunus und öffnet sich zur Wetterau, der Kornkammer Hessens. Der Wetterexperte betonte aber auch: „Bei diesen Tagesrekorden spielt manchmal ein Zehntelgrad die entscheidende Rolle – das liegt dann am Lokalklima oder ob es während der Messung vielleicht gerade einen Windstoß gab.“

Eine leichte Brise weht auch entlang der Gradierbauten, die bei den schwitzenden Bad Nauheimern dieser Tage besonders beliebt sind. Auf Bänken oder in Strandkörben atmen sie die simulierte Meeresluft ein und lassen sich von einem kühlen, salzigen Wassernebel einhüllen. Möglich macht es die Funktionsweise der großen Holzbauwerke: Salzhaltiges Wasser tröpfelt meterhohe Wände aus Reisigbündeln hinab, zerstäubt und verdunstet.

Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben derweil alle Hände voll zu tun, Parks, Straßenbäume und anderes städtisches Grün über die Trockenheit zu retten. In durchschnittlich warmen Sommermonaten würden täglich bis zu 100.000 Liter aus zwei Bewässerungsfahrzeugen verbraucht, teilte Stadtsprecherin Linda Dönges mit. „In diesem Jahr ist ein drittes Bewässerungsfahrzeug dazugekommen, um der Hitze zu begegnen.“ Auch die Feuerwehr helfe mit, den Durst von rund 700 jungen Straßenbäumen zu löschen.

Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) nimmt die Hitzerekorde „ohne Erstaunen zur Kenntnis“. Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Bad Nauheim – und die Bürger wissen das – ist ja ganzjährig ,heißeste‘ Stadt Deutschlands. Ein Besuch ist daher immer wärmstens zu empfehlen.“

Meteorologen haben mittlerweile nachhaltige Abkühlung im Blick - nicht nur für die Hitze-Rekordler. In Hessen wurde es am Mittwoch zwar wieder heiß. Spätestens gegen Ende der Woche werden die Temperaturen aber wohl zunächst nicht mehr auf über 30 Grad steigen.     (dpa)

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