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Bad Nauheim Eine Hilfeinsel für Demenzkranke

Die Aktion „Silberstern“ des Freiwilligenzentrums soll von der Kurstadt aus hessenweit Schule machen.

Projekt Silberstern
Heidy Lang (rechts) setzt auf „altersgerechte“ Möbel. Foto: Rolf Oeser

Heidy Lang hat schon einige Male Senioren auf der Straße angetroffen, die nicht mehr wussten wohin. Einmal wurde sie zu einer Bushaltestelle gerufen, an der ein älterer Herr hin- und herlief. Er habe ihr erzählt, er wolle nach Usingen, erinnert sich die 59-Jährige. Wie sich herausstellte, lebte der Mann in einem Pflegeheim und litt an Demenz. Ein Zettel an der Innenseite des Hemds verriet Lang, in welches Heim der Rentner gehörte. Ein anderes Mal lief direkt vor Langs Tür eine Frau herum, die verwirrt wirkte. Lang betreibt gegenüber dem Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim eine Betreuungsstätte für demenzkranke Menschen. Sie holte die Frau herein, sprach mit ihr und verständigte die Tochter.

Doch nicht immer läuft es so glatt. Wie man mit Menschen umgeht, die eine Demenzerkrankungen haben, wissen nur wenige. Und wen alarmiert man in einem solchen Fall? Das Freiwilligenzentrum in Bad Nauheim, ein Verein, der ehrenamtliches Engagement fördert, hat eine Antwort gefunden. Zusammen mit Demenz-ja – so der Name von Langs Betreuungseinrichtung – initiierte der Verein Ende 2015 die Aktion „Silberstern – Demenzinsel“. Dabei handelt es sich um einen Ort, an dem sich geschulte Mitarbeiter in einer beruhigenden Atmosphäre um Hilfesuchende kümmern, bis sie nach Hause gebracht werden können. Lang stellt ihre Räume für das Projekt zur Verfügung. Wer Hilfe benötigt, kann rund um die Uhr eine Hotline anrufen und landet direkt bei Demenz-ja.

Über 200 Aufkleber mit der Telefonnummer haben die Vorsitzende des Freiwilligenzentrums, Ingrid Schmidt-Schwabe, und Heidy Lang in der Innenstadt verteilt, auch in mehreren Geschäften. Ebenso gab es etwa 15 Schulungen in Geschäften und Vereinen. „Wir wollen die Menschen sensibilisieren für Demenzkranke“, sagt Lang. Es sei noch sehr viel Aufklärung in der Gesellschaft nötig, ergänzt Martina Huber, die sich als Senioren- und Demenzbegleiterin im Freiwilligenzentrum engagiert.

Gleichwohl hat es das Thema in den vergangen Jahren verstärkt in die Öffentlichkeit geschafft. Es gab Filme über Demenz, zum Beispiel „Honig im Kopf“ und „Vergiss mein nicht“. Die Alzheimer-Erkrankung des früheren Schalke-Managers Rudi Assauer ging 2012 durch die Medien. Die Bundesregierung informiert auf einer Internetseite umfassend über die Krankheit, deren häufigste Form Alzheimer ist. In der Wetterau gibt es mittlerweile mehrere Gesprächskreise für Angehörige von Demenzkranken, unter anderem in Bad Vilbel, Karben, Bad Nauheim und Nidda.

Nach den Osterferien wollen Lang und Huber wieder in Bad Nauheimer Geschäften für das Projekt werben und Aufkleber verteilen. „Unser Traum ist, dass das überall bekannt ist in der Stadt“, sagt Lang. Noch ist das von der Willy-Robert-Pitzer-Stiftung geförderte Projekt „Silberstern“ in der Probephase. Es sei einzigartig in Hessen, sagt Schmidt-Schwabe. „Unser großes Anliegen ist, dass das Modellprojekt Schule macht.“ Die Wetterauer Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch würdigte es kürzlich als eine „großartige Idee“.

Gerade eine Stadt wie Bad Nauheim mit vielen Betreuungseinrichtungen und Kliniken könne eine solche „Demenzinsel“ gut gebrauchen, findet Polizeioberkommissar Bernd Büthe. Er ist der „Schutzmann vor Ort“, der Revierpolizist für die Kurstadt. Regelmäßig werde er von Bürgern über Senioren informiert, die sich verirrt haben und nicht mehr weiterwissen. „Zwei Mal die Woche haben wir das im Sommer auf jeden Fall“, sagt der Beamte, „im Winter nicht ganz so oft.“ Steht der Name nicht in der Kleidung, müsse man die Menschen schon mal mit aufs Revier nehmen, um deren Herkunft zu klären. Doch „nicht jeder fühlt sich dort wohl“. Die „Demenzinsel“ sei da ein „sehr schönes Zusatzangebot“.

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