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Bad Nauheim Bürgermeister will abstimmen lassen

Zur geplanten Wohnbebauung am Sprudelhof in Bad Nauheim möchte Bürgermeister Klaus Kreß die Bevölkerung fragen. Eine Initiative stemmt sich gegen die Reihenhäuser.

Abriss der ehemaligen Therme
Seit einigen Wochen wird das alte Thermalbad am Kurpark entkernt, ein Drittel ist geschafft. Foto: Monika Müller

Ob die Umgebung des Sprudelhofs in Bad Nauheim in Gänze nach dem städtebaulichen Konzept des Architekten Johannes Peter Hölzinger bebaut und gestaltet wird, ist fraglich. Während die Anbindung einer künftigen Therme an das Badehaus 2 des am Kurpark gelegenen Sprudelhofs weitestgehend unstrittig ist, sorgt die geplante Wohnbebauung entlang der Ludwigstraße bei nicht wenigen Einwohnern für Unmut. Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) hat deshalb angekündigt, er wolle die Bürger darüber entscheiden lassen, ob die Reihenhäuser errichtet werden. „Ich werde zu dieser Frage einen Bürgerentscheid herbeiführen“, sagte Kreß am Donnerstag.

Kreß selbst kann dies freilich nicht beschließen. Der Rathauschef müsste sich für ein Vertreterbegehren starkmachen, das die Gemeindeordnung seit 2016 vorsieht. Demnach können die Stadtverordneten mit Zweidrittelmehrheit beschließen, einen Bürgerentscheid anzuberaumen.

Einen Architekten- und Investorenwettbewerb soll es 2019 trotzdem geben. Abgestimmt wird laut Kreß erst anschließend über die Frage, ob der siegreiche Entwurf Realität werden soll oder keine Häuser gebaut werden. Bevor sich eine Jury, der unter anderem der Bürgermeister und Fachleute angehören sollen, für einen Sieger entscheide, würden die in die engere Wahl gekommenen Entwürfe aber in einer Bürgerversammlung vorgestellt.

Initiative sammelt Unterschriften

Die „Initiative für einen zügigen Thermenneubau ohne Reihenhausbebauung“ sammelt über eine Onlinepetition schon jetzt Unterschriften. Man strebe einen Bürgerentscheid vor dem Architektenwettbewerb an, sagte Sprecher Erik Meyer gestern. Gleichzeitig kündigte er an, die Kampagne gegen die Bebauung nach den Ferien zu verschärfen. Mehr dürfe noch nicht nach außen dringen. Die BI fürchtet, durch die dreigeschossigen Gebäudekomplexe gehe der Blick auf den Sprudelhof verloren. Daran änderten auch die vorgesehenen fünf Meter hohen arkadenartigen Durchgänge im Erdgeschoss nichts. Sie moniert zudem, dass die Stadt die Flächen an „gewinnmaximierende Privatinvestoren“ verkaufe und so die Verfügungsgewalt über das Gelände aus den Händen gebe. Eine Erweiterung des bestehenden über- und unterirdischen Sprudelhofparkdecks hält die BI – anstelle der Tiefgaragen – für möglich.

Für Bad Nauheim ist die Neuordnung des Sprudelhof-Areals das wichtigste städtebauliche Vorhaben der nächsten Jahre. Das zwischen 1905 und 1911 entstandene Jugendstilensemble ist ein Wahrzeichen der Stadt. Hölzinger hatte sein Konzept im November vorgestellt.

Außer dem neuen Thermalbad, das mit dem Badehaus 2 verbunden wird, um dort die Saunalandschaft unterzubringen, soll hinter dem Bad ein Hotel mit etwa 100 Zimmern entstehen. Die Wohnbebauung soll entlang der Ludwigstraße verlaufen, jeweils links und rechts des Sprudelhofs mit Tiefgaragen für insgesamt rund 400 Fahrzeuge. Über den Tiefgaragen, zwischen neuen Wohnungen und Sprudelhof sind terrassierte Grünflächen geplant.

Die Stadtverordneten stimmten dem Konzept im Januar mit großer Mehrheit zu. Zurzeit läuft die Ausschreibung für die Planung und die Betriebsführung der Therme. Das Ende 2015 geschlossene Thermalbad wird seit einigen Wochen entkernt, Anfang 2019 soll es abgerissen werden. Das neue Bad samt Sauna werde „im Laufe des Jahres 2021“ eröffnen, sagte der Bürgermeister gestern. Bis dato hatte Kreß von Anfang 2021 gesprochen.

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