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Am Puls der Zeit

Bad Nauheim Bis 1949 schickt Dena von der Kurstadt aus die Nachrichten in die Welt

Drei Jahre lang schlug in Bad Nauheim der Puls des Weltgeschehens. Im Herbst 1945 gründete die US-amerikanische Besatzungsmacht in der Kurstadt die Dena (Deutsche Nachrichtenagentur), die alle damals lizenzierten Zeitungen mit Informationen versorgte. Dort arbeiteten knapp 500 Journalisten, Techniker und flinke Schreibkräfte, die auf den Fernschreibern die Meldungen eintippten. Die Texte wurden vom Sender am Heilsberg ausgestrahlt. Das war in dem zerstörten Land der schnellste Verbreitungsweg.

Vor 60 Jahren fusionierte die Dena mit der Agentur der britischen (Deutscher Pressedienst) und der französischen Besatzungszone (Süddeutsche Nachrichtenagentur) zur Deutschen Presseagentur (dpa). Bei der Vertragslegung entschied man sich für Hamburg als Sitz, nicht für den Bad Nauheim, wo 1949 der nachrichtliche Puls der Welt wieder erstarb.

Für den mit der Gründung der Dena beauftragten Johannes Haas-Heye ist das nicht verwunderlich. Die Kurstadt war nur als Provisorium gut. "Bad Nauheim blieb von Kriegszerstörung weitgehend verschont." Frankfurt lag bis auf das IG-Farbenhaus, wo die US-Kommandantur ihr Hauptquartier eingerichtet hatte, in Schutt und Asche.

Haas-Heye wurde bereits im Herbst 1944, als er noch in britischer Gefangenschaft war, auf seine künftige Aufgabe vorbereitet. Es stand der Neubeginn einer neuen, unabhängigen Presse bevor, die den amerikanischen Journalismus einer freien und tatsachengetreuen Berichterstattung zum Vorbild hatte. Damit war auch klar, dass die Beschäftigten keine nationalsozialistische Vergangenheit haben durften. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass trotz der freien Handhabe, die man den Redakteuren einräumte, auch schon mal Zensur verübt wurde.

"Mit anfangs sechs Leuten bauten wir den Betrieb der Dena auf, die im ersten Jahr noch Dana hieß, aber wegen des Protestes einer gleichlautenden dänischen Firma in Dena umbenannt wurde", erinnert sich der heute 95-Jährige. Das Büro war zunächst in der Villa Tielemann untergebracht. Als die Agentur stark wuchs, konfiszierte die US-Army das Hotel Bristol, um dort Arbeitsplätze für das Dena-Personal einzurichten. "Wir arbeiteten mit diesen großen Hell-Fernschreiber, die mit Lochstreifen funktionierten", erzählt Haas-Heye, der noch 1945 die Dena verließ. "Ich habe in einem Lokal Leute von United Press wieder getroffen; die haben mich gefragt, ob ich nicht zurückkommen wolle", erzählt Haas-Heye.

Zu den ersten Dena-Mitarbeitern gehörte auch Susanne von Paczensky. In Marburg hatte sie für die US-Streitkräfte als Dolmetscherin gearbeitet. "Ein Offizier erkannte mein journalistisches Talent und gab mir den Tipp, mich bei der Dena zu bewerben", erzählt Paczensky. Der Aufnahmetest bestand aus Probetext und Fragebogen. Dann hieß es für die Redakteurin in spe: "You are hired."

Der erste Sender, ein paar Watt stark auf Kurzwelle, wurde auf dem Johannesberg installiert, dazu wurden Kabel durch den Kurpark verlegt. Als der Sender 1946 abbrannte, wählte man das Frankfurter Flurstück Heiligenstock am Heilsberg zum neuen Standort. Bis 1997der Nachrichtenfunk via Satellit eingerichtet wurde, sendete die dpa vom Heiligenstock.

Nicht nur die Zeitungen nutzten, was auf 139 Kilohertz ausgestrahlt wurde. Mancher Heilsberg-Bewohner soll früher aus dem Dena-Sender seine Beleuchtung gespeist haben. Dazu schloss man die Glühbirne mit einem Draht an die "Erde" der Steckdose, der anderen Draht bezog die seine Energie direkt aus den Funkwellen.

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