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Adolf Reichwein Der Wetterauer Widerstandskämpfer

Lokalhistoriker im Wetteraukreis erinnern an den Pädagogen und Widerstandskämpfer Adolf Reichwein, der es wagte, sich gegen Hitler zu stellen und dafür mit seinem Leben bezahlte.

Adolf Reichwein
Adolf Reichwein (obere Reihe, Vierter von links) bei der Musterung am 26. Oktober 1916. Foto: Heimatgeschichtsverein Rosbach

Auf dem Friedhof in Ober-Rosbach im Wetteraukreis erinnert ein Gedenkstein an Adolf Reichwein, der es gewagt hatte, sich gegen Hitler zu stellen, und dafür im Oktober 1944 mit dem Leben bezahlen musste. „Er gab ein reiches Leben zum freiwilligen Opfer, um mitzuhelfen, daß Religion und Sittlichkeit in seinem Volke dem Ansturm des Untermenschentums nicht erliege“, ist darauf zu lesen. Der Satz stammt aus dem Johannes-Evangelium. Gleich neben dem Gedenkstein befindet sich die Grabstätte seiner Eltern, Karl und Anna Maria Reichwein, die hier 1958 und 1943 ihre letzte Ruhe fanden. So wie hier gibt es an mehreren Stellen in Ober-Rosbach Hinweise auf den sozialdemokratischen Pädagogen und Widerstandskämpfer. Adolf Reichwein verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und die Jugend in dem heutigen Rosbacher Stadtteil.

Im jüngsten Band der Wetterauer Geschichtsblätter (Band 65) widmet sich der frühere Direktor der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim, Armin Häfner, diesem Kapitel in Reichweins Leben. Man erfährt, welchen Einfluss Vater Karl auf ihn gehabt haben muss. Karl Reichwein, der mit Frau und Kindern, 1904 von Bad Ems nach Ober-Rosbach gekommen war, arbeitete dort als Dorflehrer, war in der außerschulischen Jugendbildung engagiert und organisierte die sozialdemokratische Parteiarbeit vor Ort.

Inspiriert war der Vater von Johann Heinrich Pestalozzi, einem Wegbereiter der Reformpädagogik. Dieses soziale Engagement und die Verantwortung für die Mitmenschen, wie sie im Elternhaus vorgeherrscht hätten und vom Vater beispielhaft vorgelebt worden seien, schreibt Häfner, hätten bei Reichwein sicherlich schon früh Impulse „für seine persönliche, verantwortungsbewusste Einstellung den Aufgaben der Gemeinschaft gegenüber freigesetzt“.

Rosbachs Bürgermeister Thomas Alber (parteilos) sieht darin auch ein Vorbild. Dieser Tage seien mutige Menschen gefragt, „die für kulturelle Vielfalt, Toleranz und Offenheit kämpfen“. Reichwein, so Alber, habe zu diesen besonderen Menschen gehört, an deren Haltung man sich orientieren könne. Solche Vorbilder dürften nicht in Vergessenheit geraten.

Die Stadt Rosbach tut das Ihre dafür. Sie hat die Stadthalle nach Adolf Reichwein benannt, seine Büste schmückt das Foyer. Am Marktplatz ist eine Gedenkplakette angebracht. Am Todestag erinnert die Stadt jedes Jahr im Oktober in einer öffentlichen Veranstaltung an das Mitglied des „Kreisauer Kreises“.

Kriegsbegeisterung im 1. Weltkrieg

Häfner zeigt in den Geschichtsblättern aber auch einen anderen Reichwein, der in seiner Rosbacher Jugend und als junger Erwachsener noch in die weit verbreitete Kriegsbegeisterung mit einstimmte – und das nicht zu knapp. Das geht aus der „Ober-Rosbacher Kriegschronik 1914 - 1919“ hervor, die Vater und Sohn Reichwein zusammen führten.

In dieser Art Kriegstagebuch aus dem kampffreien Hinterland beschwert sich der junge Reichwein Ende 1914, dass in Ober-Rosbach verglichen mit Nieder-Rosbach nur wenige Altersgenossen zu militärischen Übungen zusammenkommen. Im Herbst 1915 beklagt er die Kriegsmüdigkeit und „Willensschwäche“ der „landwirtschaftlichen und Arbeiterbevölkerung“. Er selbst meldete sich als Kriegsfreiwilliger. Schwerverletzt endete seine soldatische Laufbahn indes schon nach wenigen Monaten im Dezember 1917 in Frankreich.

Carsten Wenzel, Vorsitzender des Heimatgeschichtsvereins von Rosbach, durfte Häfners Beitrag schon vor der Veröffentlichung lesen. Er findet es gut, dass auch diese Seite des mutigen Widerstandskämpfers thematisiert wird. „Wir neigen dazu, solche Personen auf den Sockel zu stellen.“ Wenzel hat – gemeinsam mit seinen Vereinskollegen – die Kriegschronik der Reichweins in den Rosbacher Geschichtsblättern veröffentlicht und, wo es nötig war, kommentiert. In diesem Jahr soll der letzte von insgesamt sechs Bänden in der Reihe erscheinen.

Die meiste Arbeit steckt der Verein in den nächsten Monaten aber in etwas anderes. Pünktlich zur Gedenkveranstaltung am 20. Oktober sollen in der Adolf-Reichwein-Halle drei große Schautafeln über die  Lebensgeschichte und die Ideen des Rosbacher Ehrenbürgers enthüllt werden. Adolf Reichweins Sohn, Professor Roland Reichwein, habe seine Teilnahme bereits bestätigt, sagt Bürgermeister Alber.

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