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Schloss Bad Homburg Baukran im Schlosspark

Die Sanierung des Königsflügels des Bad Homburger Schlosses wird noch Jahre dauern. In einem ersten Schritt haben Fachleute schon einmal den bröckelnden Deckenputz gesichert.

Probleme im Gelben Saal: Landtagsabgeordneter Bellino und Direktor Weber begutachten die Bescherung. Foto: Joachim Storch

In fünf Jahren endet das Berufsleben für Karl Weber. Spätestens dann will er den fertig sanierten Königsflügel des Bad Homburger Schlosses der Öffentlichkeit übergeben. Dem Direktor der hessischen Schlösserverwaltung ist klar, dass viel Arbeit vor ihm und seinen Leuten liegt. Noch drei Bauabschnitte sind zu bewältigen, um die Substanz des historischen Bauwerks zu sichern.

Im ersten Schritt – für den kurzfristig 350.000 Euro vom Land Hessen bereitgestellt wurden – haben Fachleute den bröckelnden Deckenputz gesichert. Flächendeckend ist der Speisesaal mit Gerüsten bestückt, Wände und Fußboden sind abgedeckt. Unter der Zimmerdecke halten Dämmmatten und Holzplatten den historischen Putzschmuck. Seit über einem Jahr ist der einsturzgefährdete Schlossteil für Besucher geschlossen – Folge schwerwiegender statischer Probleme. Direktor Weber spricht von „Unbedachtheiten bei früheren Baumaßnahmen“. So wurde das Aussehen des Königsflügels im 19. Jahrhundert drastisch verändert: Der berühmte Architekt Georg Moller ließ auf Geheiß der Landgräfin ein zweites Obergeschoss aufsetzen und experimentierte mit einem Bogentragewerk, um die Lasten aufzufangen.

Risse durchziehen die Mauern

„Ein wildes Konstrukt, das aber nicht funktionierte“, so Weber. Die schwingenden Holzdecken des Ur-Baues machten die tiefgreifenden Veränderungen nicht mit. Heute sind sie teilweise durchgebogen, Risse durchziehen das Mauerwerk.

Als „besonderes Problem“ präsentieren sich die vier massiven Säulen aus Lahn-Basalt im Treppenaufgang. Auch sie wurden von Moller eingebaut und sind statisch desaströs. 1,6 Millionen Euro, so Landtagsabgeordneter Holger Bellino (CDU), seien nun verfügbar, um den zweiten Bauabschnitt in Angriff zu nehmen. Im Frühling beginnt die Einrüstung auf beiden Seiten des Gebäudes. Der Flügel wird zur Großbaustelle – von „statischer Ertüchtigung“ ist dann die Rede. Eine Stahlkonstruktion, die auf den Außenmauern zu liegen kommt, soll eingesenkt werden. An ihr hängen zum guten Ende die Decken und Fußböden. Im Zuge der Bauarbeiten werden auch die Dachflächen instandgesetzt und neu gedeckt.

Gäste der Schlossanlage werden sich im kommenden Jahr an den Anblick von Kran und Baugerätschaften gewöhnen müssen – mindestens bis zum Beginn der Saison 2014. Um die Inneneinrichtung der einzigen in Deutschland erhaltenen Kaiser-Wilhelm-Wohnung zu schützen, werden die Räume geleert. Stühle, Tische und Sofas wandern ins Lager. Schon jetzt stapeln sich Möbel in den Schlaf- und Ankleidegemächern.

Wenn Dächer und Fassaden wieder hergerichtet und alle Löcher ausgebessert sind, geraten die Wohneinheiten in den Blick. „Hier ist seit 100 Jahren nichts passiert“, sagt Weber. Kein Wunder, dass die Vorhänge und Sitzgelegenheiten verschlissen sind, Wände und Decken im Grau versinken. Noch sind für diese Renovierungen keine Mittel im Landeshaushalt bereitgestellt – eine Homburger Stiftung hat sich aber schon formiert.

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