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Wohnraum Offenbach Milchhofsiedlung vor dem Ende

Die Häuser gehören in Offenbach fest zum Stadtbild. Trotzdem werden sie abgerissen. Sie haben schlechte Fundamente. Ein Neubau ist bereits in Planung.

Vorne der Verkehr der Sprendlinger Landstraße, hinten Idyll: Die Häuser der Milchhofsiedlung. Foto: Peter Juelich

Die acht ehemals gelben Häuser, umgeben von Mauern mit hohen Torbögen und dem großen begrünten Innenhof an der Ecke Odenwaldring/Sprendlinger Landstraße gehören für die Offenbacher fest zum Stadtbild. Doch ihr Abriss ist beschlossene Sache, an ihre Stelle sollen Neubauten kommen. "Es tut uns allen leid", sagt Alexander Ramm, einer der beiden Geschäftsführer der Baugenossenschaft Odenwaldring. Doch die Bausubstanz der Häuser sei schlecht, ebenso das Fundament. "Die Gebäude wurden 1938 gebaut und sind typische 1:1-Bauten: Für ein Haus einen Sack Zement", sagt Ramm scherzhaft. Tatsächlich sei das schwache Fundament das Hauptproblem.

"In Offenbach ist der Baugrund oft Rupelton und der braucht Feuchtigkeit, um sein Volumen zu halten", erläutert Ramm. Diese ist im Stadtgebiet aber nicht ausreichend gegeben. Die großen Bäume im Innenhof des Ensembles, die für eine recht ruhige Idylle in direkter Nachbarschaft zu einer der Hauptverkehrskreuzungen der Stadt sorgen, verschärfen durch ihren Wasserbedarf das Problem.

Neubau ist billiger

Ein nachträgliches Fundament könnte die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude retten. Doch dies sei unverhältnismäßig aufwendig, ein Neubau wäre billiger. Eine entsprechende Kalkulation ergab eine Differenz von 100 000 Euro pro Haus. "Wir sind eine Genossenschaft für Leute mit wenig Geld", sagt Ramm, "solche Summen können wir vor unseren Mitgliedern nicht vertreten." Das sieht auch Helmut Reinhard so, im Bauaufsichtsamt für den Denkmalschutz zuständig. "Denkmalschutz ist nichts Absolutes und muss zumutbar sein", sagt er, "wenn die Kosten für den Erhalt den Rahmen sprengen und sich auch nicht durch öffentliche Zuschüsse auffangen lassen, muss man auch mal Leine lassen."

Wenig Komfort

Die Diskussion um den Erhalt der Häuser dauere bereits fünf Jahre und sei auf mehreren Mieterversammlungen geführt worden, sagt Ramm. Für Neubauten spreche auch, dass die bei alten Offenbachern noch als Milchhofsiedlung bekannten Häuser wenig komfortabel ausgestattet sind und 1938 mehr oder weniger an einem Feldweg errichtet wurden. Heute tosen an den zur Straße liegenden Schlaf- und Wohnräumen mehr als 50 000 Fahrzeuge am Tag vorbei. Konzipiert wurden die 42 Einheiten auf gut 40 000 Quadratmetern Fläche von dem Architekten Peter Petermann als "Volkswohnungen" mit 50 Quadratmetern, je zwei Zimmern, Küche, Keller, Balkonen. Im Innenhof gab es Bleich-, Spiel, Trockenplätze und Grünflächen.

Dass der Vorstand der Baugenossenschaft um die Häuser trauert, liegt auch an dem "funktionierenden Mikroklima" der Bewohner mit einem "vitalen Mieterleben", die eine hispanische Enklave aus meist Portugiesen, Spaniern und Kubanern bildeten. Aber es seien im Hinblick auf den Abriss ohnehin nur noch 17 Wohnungen belegt, bei drei Mietparteien stehe der Auszug an. "Wir gestalten die Räumung so sozialverträglich wie irgend möglich", betont Ramm, die meisten Mieter seien bei der Baugenossenschaft untergekommen: "Die suchen Zweizimmerwohnungen und die haben wir am meisten." In Härtefällen werde beim Umzug geholfen. Abgerissen werde erst, wenn der letzte Mieter eine Wohnung gefunden habe. Die Pläne für den Neubau liegen schon vor. "Wir sind unseren Mitgliedern verpflichtet und werden keine großen Luxusbleiben mit Loftcharakter bauen, sondern wieder Wohnungen mit 50 Quadratmetern zu einem bezahlbaren Quadratmeterpreis von sechs bis sieben Euro." Bis Ende 2015, so hofft Ramm, soll der Neubau bereits stehen.

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