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Wetter Dürre hat Bäume geschädigt

Vor allem die Buchen haben in Offenbach unter dem heißen Wetter 2015 gelitten. Doch welche Schäden der Wald tatsächlich davongetragen hat, wird erst das kommende Jahr zeigen.

30.12.2015 18:18
Andrea Maria Streb
Im Stadtwald wird längerfristig auf Bäume gesetzt, denen die Dürre weniger zusetzt. Foto: Rolf Oeser

Klimawandel trifft Offenbacher Stadtwald – so überschreibt die Grünen-Fraktion im Stadtparlament eine Mitteilung. Sie berichtet darin aus dem Umweltausschuss der Stadtverordnetenversammlung, wo jüngst der Leiter des Langener Forstamts, Christian Münch, den Waldwirtschaftsplan 2016 präsentierte – und von den Schäden sprach, die der Dürresommer im Wald angerichtet hat.

„Vor allem die Birke und die Buche haben unter dem Ausnahmewetter in diesem Jahr gelitten“, bestätigt Münch auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Die Kombination von starken Regenfällen von Winter bis Vorfrühling, gefolgt von dem Ausbleiben von Niederschlägen ab April hat dem Forstamt, das auch für den Offenbacher Stadtwald zuständig ist, zu schaffen gemacht.

„Während der nassen Monate mussten wir die Arbeiten im Wald einstellen, um den Boden, der sich voll Wasser gesogen hatte, zu schützen“, sagt Münch. Doch schon Ende Juni hatte sich die Situation ins Gegenteil verkehrt – da es nicht mehr genug regnete, hatten die Bäume die Vorräte erschöpft. „Die Birke hat bereits zu dieser Zeit braune Blätter bekommen“, so der Forstamtsleiter. Als nächste zeigten die Buchen Symptome: Die Bäume hatten schon Anfang August die Hälfte ihres Laubs verloren – normalerweise ist dies erst Anfang November der Fall.

Doch der Laubabwurf ist nicht alles: Nach den Worten Münchs erlitten die Buchen „deutliche Vitalitätsverluste“. In der Folge können die oberen Teile der Bäume absterben und verstärkt Krankheiten auftreten, etwa die Buchenkomplexkrankheit. Die Erkrankung, die etwa durch den sogenannten Schleimfluss – austretendem Baumsaft – am Stamm erkennbar ist, kann für die Buche tödlich sein.

Dass ein trockener, heißer Sommer genügt, um die Buche stark zu schädigen, liege daran, dass die Pflanze auf regelmäßige Niederschläge angewiesen ist. Da nütze es auch nichts, wenn es später im Jahr wieder mehr regnete. „Menschen müssen ja auch regelmäßig trinken“, vergleicht Münch.

Braune Blätter im Juni

Doch welche Schäden der Wald tatsächlich davongetragen hat, wird erst das kommende Jahr zeigen. „Im Sommer 2003 war es ähnlich trocken, da sind im Folgejahr viele Bäume abgestorben.“ Richtig problematisch werde es, wenn das kommende Jahr ähnliche Witterungsverhältnisse brächte, sagt der Förster.

Die ungewöhnliche Wärme im November und Dezember schade dagegen nicht. Zwar seien die Pflanzen nicht wie üblich in Winterruhe gegangen oder schon wieder daraus aufgewacht und könnten bei einsetzendem Frost Schäden erleiden. „Aber das ist ein natürlicher Prozess, der immer mal wieder vorkommt.“ Die Schäden durch die Trockenheit seien „hundertmal größer“.

Der Klimawandel sei im Wald angekommen, stellt der Fachmann fest. Die Förster versuchen dem durch einen „Umbau“ der Wälder zu begegnen. Die im Offenbacher Wald ebenfalls stark vertretenen Eichen und Kiefern kommen mit Trockenheit besser klar. Daher setzt das Forstamt verstärkt auf diese Arten.

Doch dieser Umbau sei ein langsamer und behutsamer Prozess. „Der Wald ist ein Organismus“, sagt Münch. So setze das Forstamt auf „Naturverjüngung“. Das bedeutet, dass die jungen Bäume, die etwa aus der Selbstaussaat der alten entstehen, gezielt unterstützt werden. Bei dieser Art der Verjüngung „spielt uns die Natur in die Karten“, fügt der Forstamtsleiter an und kommt auf „unsere Helfer“ zu sprechen: Eichelhäher und Eichhörnchen spielten hierbei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Denn der Vogel und das Nagetier verstecken große Mengen Eicheln – finden aber nicht alle wieder. So wachsen auch dort Eichen, wo vorher keine waren.

Der Waldumbau erfolge allerdings nicht abrupt: „Wir können nur in kleinen Schritten vorangehen“, sagt Münch. So blieben auch die Folgen für das gesamte Ökosystem Wald überschaubar. Zwar änderten sich auch Flora und Fauna dabei, aber die biologische Vielfalt bleibe und manche Tierarten könnten auch profitieren. „Der Ziegenmelker zum Beispiel.“ Denn der nachtaktive Vogel, der in Deutschland auf der Roten Liste steht, ist ein Bodenbrüter und nistet in Jungkieferbeständen. „Ich sehe die Sache nicht so düster, die Natur hat Selbstheilungskräfte“, findet Münch.

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