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Werbung für Offenbach Eine eigene Schrift für Offenbach

Der Designer Maziar Rastegar hat für seine Heimatstadt Offenbach eine spezielle Typografie entworfen. Seine Wohnung kann im Rahmen des Stadtfestivals „Eine Stadt zeigt sich. Offen“ besucht werden.

Künstler in Offenbach
Lebt und arbeitet in einer alten Fabrik im Offenbacher Nordend: Maziar Rastegar. Foto: Monika Müller

Maziar Rastegar trägt auf seinen Socken, auf seinem T-Shirt und auf seiner schwarzen Schirmmütze nicht weniger als ein „Statement für eine offene Gesellschaft“, wie er sagt. Das Statement kommt in Form eines „Offenbach“-Schriftzuges daher und die Schrift, die der 37-jährige Designer und Künstler dafür entworfen hat, ist eine Mischung aus altdeutscher Frakturschrift und – im Vergleich dazu – beinahe verspielt wirkenden arabischen Elementen. „Offenbach Neue“ hat Rastegar seine Schrift genannt – in Anlehnung an die in Designerkreisen bekannte „Offenbacher Schrift“ des Typografen Rudolf Koch. 

Rastegars Neufassung ist der Versuch, den Charakter seiner Heimatstadt Offenbach typografisch festzuhalten. Und ist man dort offenen Auges unterwegs, kommt man an Rastegars Statement kaum mehr vorbei – vor allem wenn man sich im kreativen oder linksgrünen Milieu bewegt. Die Idee kommt wohl an in einer Stadt, wo auf kleiner Fläche rund 160 Nationalitäten leben. „Die Schrift verkörpert genau das“, sagt Rastegar und sein strenger Blick weicht einem Lächeln: „Dass die Integration des Fremden in das Bestehende funktionieren kann, wenn man es nur richtig anstellt.“

Rastegar lebt und arbeitet in einer alten Pelzmanufaktur mitten im Offenbacher Nordend, die er mit viel Liebe zum Detail zu Wohnung und Arbeitsplatz in einem umgestaltet hat. Den Küchentisch etwa hat er mit Teilen vom Sperrmüll und selbstgedruckten 3D-Elementen zusammengebaut. 

Rastegar lässt nichts auf Offenbach kommen. Seit der Flucht seiner Eltern aus dem Iran lebt er in der Stadt am Main, ist dort zur Schule gegangen, hat eine Ausbildung gemacht und hat es später, im zweiten Anlauf und nach einem Jahr Hartz IV – in dem er an seiner Mappe arbeitete – an die Hochschule für Gestaltung (HfG) geschafft. Seitdem hat Rastegar für viele große Firmen gearbeitet und jüngst ein komplettes Restaurant in Frankfurt gestaltet – von der Speisekarte über den Internetauftritt bis zur Inneneinrichtung trägt dort alles seine Handschrift.

Solche Aufträge, bei denen er von Anfang bis Ende das Heft in der Hand hat, sind ihm die liebsten. „Ich muss hinter meiner Arbeit stehen können“, sagt Rastegar. Deshalb steckt er auch gerne viel Zeit in sein Modelabel, das mittlerweile sogar Abnehmer in Berlin hat, die dort Offenbach-T-Shirts bestellen. Sowieso gebe es eine Art „unsichtbare Achse“ zwischen den beiden Städten – Offenbach erinnere viele Berliner an das Kreuzberg der Sechziger.

Doch genau das betrachtet Rastegar auch mit Skepsis. Denn der Boom Offenbachs dürfe nicht zulasten derer gehen, die dort schon lange leben. „Bedenklich“ findet er es etwa, wenn er hört, dass Neubürger im Hafenquartier leben, die nur selten das benachbarte Nordend betreten. „Wir sind am Scheideweg“, sagt der Designer. Doch gleichzeitig schätzt er Wandel und möchte mitgestalten, wohin die Reise geht. So will Rastegar sich künftig noch stärker dafür einsetzen, dass junge Leute aus prekären Milieus für sich entdecken, welche Wege sie gehen können. „Es gibt Leute, die denken, dass sie keine Stimme haben. Ich will ihnen sagen, dass sie eine haben – sie müssen diese Stimme nur erheben.“

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